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Neue Studie belegt: Hitzewellen im Sommer schrecken Mallorca-Urlauber kaum ab

Bisher galt als ausgemacht: Angesichts immer häufigerer Hitzewellen im Hochsommer orientieren sich die Urlauber verstärkt weg von der Insel. Jetzt aber hat sie mal jemand in einer großen Umfrage gefragt - und das Ergebnis überrascht

Die Studie der Balearen-Universität belegt: Viele Mallorca-Urlauber finden auch sehr hohe Temperaturen erholsam.

Die Studie der Balearen-Universität belegt: Viele Mallorca-Urlauber finden auch sehr hohe Temperaturen erholsam. / CATI CLADERA/EFE

Johannes Krayer

Johannes Krayer

36, 37, 38 oder gar 40 Grad auf Mallorca: Da kann man es außer im Meer oder im klimatisierten Hotelzimmer eigentlich kaum aushalten. Das war bisher auch die Meinung derjenigen, die Studien zur Auswirkung der Erderwärmung auf die Urlaubsdestinationen im Süden von Europa erstellt haben. Die Gleichung lautete: Je heißer die Sommer, desto eher schauen sich die Urlauber nach Alternativen weiter im Norden um. Doch eine neue Studie der Balearen-Universität zeigt nun:Dieser bisher angenommene Kausalzusammenhang ist falsch. Zumindest scheint das für Mallorca zu gelten. Tolo Deyà, der Dekan der Tourismus-Fakultät der Balearen-Universität (UIB), der hauptverantwortlich für die Studie war, stellt denn auch angesichts der Ergebnisse eine ganz andere, steile These auf. Er sagt der MZ: „Die Urlauber sind begeistert von den Hitzewellen.“

Der Mallorquiner stützt sich bei seiner Aussage auf eine durchaus repräsentative Zahl an Umfrageteilnehmern. Zwischen April und Oktober 2024 hatten wissenschaftliche Mitarbeiter der Fakultät sowie die beiden Co-Autoren Jaume Rosselló und Esther García am Flughafen von Palma fast 10.000 – genau genommen 9.616 – Urlauber interviewt, die nach ihren Mallorca-Ferien gerade wieder auf dem Rückweg in ihre Heimat waren.

Veraltete Annahmen

In der Umfrage sollten die Urlauber das Wetter der zurückliegenden vier Tage mithilfe einer Punkteskala bewerten. 90 bis 100 Punkte gab es da beispielsweise für „perfektes“ Wetter, 80 bis 89 für „exzellentes“ und 70 bis 79 für „sehr gutes“ Wetter. Dabei kam heraus, dass für 26,7 Prozent der Befragten das Wetter „perfekt“ war. 32,2 Prozent der Urlauber hielten die Witterungsbedingungen immerhin noch für „exzellent“ und weitere 22,8 Prozent für „sehr gut“. Gerade einmal drei Prozent der Befragten stuften das Wetter negativ ein. Danach glichen die Wissenschaftler die Wetterdaten und die Temperaturen der zugrunde liegenden Tage mit den Antworten der Reisenden ab. „Wir haben dabei festgestellt, dass selbst sehr hohe Temperaturen bis an die 40 Grad keine negativeren Bewertungen nach sich zogen“, sagt Tolo Deyà.

Diese Erkenntnisse und Zahlen stehen im krassen Gegensatz zu den bisherigen Annahmen und vor allem den beiden herkömmlichen Indexes, die die Wissenschaft seit Jahren verwendet, um vorauszusagen, ob der Klimawandel das Buchungsverhalten der Urlauber verändert. Der eine nennt sich Tourism Climate Index (TCI), der andere Holiday Climate Index (HCI). Der TCI stammt bereits aus dem Jahr 1985 und war eher für Städte- und Kulturtourismus entwickelt worden, die bei großer Hitze tatsächlich wenig Spaß machen. Der HCI ist aktueller. Es gibt ihn seit 2016.

Bei beiden gingen die verantwortlichen Wissenschaftler davon aus, dass ab einer bestimmten Temperatur das Urlaubserlebnis deutlich geschmälert wird. Würde man die Temperaturen und Wetterbedingungen, die in den Tagen der Untersuchung der UIB herrschten, auf den TCI übertragen, würde das bedeuten, dass statt den 26,7 Prozent in der UIB-Studie lediglich 1,5 Prozent der Urlauber diese als „perfekt“ eingestuft hätten.

Auch beim HCI wären es mit 4,5 Prozent nicht viel mehr gewesen. Trotzdem: Für Tolo Deyà waren die Erkenntnisse seiner Studie nicht einmal besonders überraschend. „Das Problem bisher war ja, dass es keine empirisch erhobenen Daten gab. Man stellte einen Index auf und leitete davon eine Wahrscheinlichkeit ab, wie das Verhalten der Urlauber in Zukunft sein könnte“, sagt Deyà der Mallorca Zeitung. Zum ersten Mal wurden diese Hypothesen jetzt laut dem Tourismus-Dekan mit der Realität abgeglichen.

Hitze als wichtige Urlaubszutat

Interessant war unter anderem, dass Urlauber aus Spanien die klimatischen Bedingungen auf Mallorca selbst am negativsten darstellten. Während sie sehr hohe Temperaturen als störend einstuften, gab es diesen Effekt bei den Touristen aus Großbritannien so nicht. Den Briten kann es offenbar nicht heiß genug sein. Sie drücken eher ihren Unmut aus, wenn die Temperaturen niedrig sind. So waren die Meinungen der Briten bei vergleichsweise niedrigen Höchstwerten von um die 31 Grad am negativsten.

„Das zeigt eindrucksvoll, dass die Menschen im Urlaub das suchen, was sie daheim nicht haben“, erklärt Tolo Deyà. Wer aus Madrid oder Andalusien im Sommer nach Mallorca kommt, der hat bereits Wochen der Hitze zu Hause hinter sich. Wer aber aus nördlicheren Gefilden auf die Balearen fliegt, für den gehört die Hitze dazu und macht in vielen Fällen das Urlaubsgefühl erst aus.

Insofern könne man nicht sagen, dass das Wetter keine Rolle spiele bei der Urlaubserfahrung, so das Forscherteam der Balearen-Universität. Zumal Wolken oder sogar Regen die Urlaubsfreude stark eintrüben würden. Schwächerer Wind wiederum trägt gerade an heißen Tagen wieder zu einem positiveren Empfinden bei.

Arbeiten macht weniger Spaß

Auch das Motiv des Aufenthalts spielt eine Rolle. So waren diejenigen, die rein zum Erholungsurlaub auf die Insel gekommen waren, am zufriedensten auch mit sehr hohen Temperaturen. Diejenigen, die Familie oder Freunde besuchten, waren etwas unzufriedener, und bei Geschäftsreisenden zeigte sich bei den sehr hohen Werten eine deutlichere Unzufriedenheit. Diejenigen, die hauptsächlich aus kulturellem Interesse oder wegen des Nachtlebens nach Mallorca gekommen waren, zeigten sich mit niedrigeren Temperaturen ebenfalls zufriedener, ohne aber bei den sehr hohen Werten einen deutlichen Rückgang der Urlaubsfreude anzugeben.

Die Wissenschaftler stellten zudem fest, dass sich die Urlauber ähnlich wie die Einheimischen an die Temperaturen anpassen. So wie man im Hochsommer kaum einen Mallorquiner zwischen 13 und 17 Uhr in der prallen Sonne am Strand liegen oder gar in der Serra de Tramuntana wandern sieht, weichen auch die Urlauber bei sehr hohen Werten für ihren Strandbesuch auf die Vormittags- oder Abendstunden aus. Die heißesten Stunden des Tages verbringen die Touristen dann eher in den klimatisierten Hotelzimmern oder in anderen Innenräumen, wie etwa Geschäften und Museen. Und stören sich daran offenbar nicht im Geringsten.

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