"Mehr als 30 Geschäfte könnten morgen schließen": Händler in Urlauberhochburg auf Mallorca klagen über massive Umsatzeinbußen durch Endlos-Bauarbeiten
Trotz der Notwendigkeit der Sanierung kritisieren Geschäftsleute den ungünstigen Zeitpunkt und die schlechte Koordination der Bauarbeiten in Port d'Alcúdia

Nicht gerade einladend zum Flanieren: die Dollarstraße in Port d’Alcúdia. / DM
Der verspätete Start und das langsame Tempo der Bauarbeiten an der Avinguda Pere Mas i Reus in Port d'Alcúdia sorgen bei den Geschäftsleuten im betroffenen Abschnitt für großen Unmut. Die auch als „Dollarstraße“ bekannte Meile wird derzeit umgebaut und modernisiert.
Zwar begann die Tourismussaison in vergangenen Jahren offiziell erst im Mai, inzwischen ist die Urlauberhochburg aber bereits früher schon gut besucht. Nur wenige Urlauber wagen sich jedoch in den Baustellenbereich mit seinen zahlreichen offenen Gräben und dem vielen Staub.
Notwendige Bauarbeiten, schlechter Zeitpunkt
Die betroffenen Geschäftsleute machen ihrem Ärger über die Stadtverwaltung von Alcúdia keinen Hehl. Dass die seit Langem geforderte Aufwertung des Viertels notwendig ist, stellt kaum jemand infrage. Nach Ansicht vieler Händler kommt sie jedoch zu spät und platzt nun mitten in die anlaufende Tourismussaison. „Ich habe früher rund 150 Frühstücke am Tag zubereitet, jetzt sind es wegen der Bauarbeiten nur noch zwischen 40 und 50“, klagt der Inhaber eines bekannten Lokals in der Gegend, das das ganze Jahr über geöffnet ist und dessen Kundschaft überwiegend aus Einheimischen besteht.
Er kritisiert das „viel zu langsame“ Tempo der Arbeiten und die Einschränkungen durch den Wegfall zahlreicher Parkplätze. „Meine Kunden können nicht mehr parken“, sagt er. „Am ersten Tag kommen die Leute noch, am zweiten vielleicht auch noch, aber am dritten bleiben sie weg, wenn sie keinen Parkplatz finden.“
Verspätete Start und wenige Arbeiter
Der Unternehmer kritisiert außerdem die schlechte Koordination der Arbeiten. „Seit einem Monat passiert vor unserem Lokal gar nichts, die Leitungen sind immer noch nicht verlegt, und in diesem Tempo werden die Arbeiten nicht vor August fertig“, sagt er. Schon der Start sei misslungen: Ursprünglich hätten die Arbeiten im November 2025 beginnen sollen, tatsächlich ging es aber erst Mitte Februar los.
Mehrere Geschäftsleute verweisen zudem auf die geringe Zahl der eingesetzten Arbeiter. „Es sind nur fünf oder sechs Leute vor Ort, da müssten viel mehr eingesetzt werden“, meint der Unternehmer. Wie seine Kollegen sorgt auch er sich, weil niemand sagen könne, wann die Arbeiten beendet sind und wieder Normalität einkehrt.

Die Baustelle in Port d'Alcúdia. / DM
Auch ein anderer Unternehmer, Inhaber eines Supermarkts in der jetzigen Epizentrum der Bauarbeiten, spart nicht mit Kritik. „Diese Maßnahme hat uns massiv geschadet. Mehr als 30 Geschäfte in der Gegend könnten morgen schließen und würden damit noch Geld sparen“, sagt er.
Der Händler beschäftigt 14 Mitarbeiter. „Und ich komme nicht einmal auf 4.000 Euro Tagesumsatz. Im September müssen dann auch noch die kommunalen Steuern bezahlt werden“, klagt er. Nach seinen Angaben liegt der Umsatz derzeit nur bei „40 Prozent“ dessen, was zu dieser Jahreszeit üblich sei.
Kein schöner Anblick
Die betroffenen Geschäftsleute verweisen zudem auf das Bild, das in diesem wichtigen Urlauberort im Norden Mallorcas auf Besucher wirke. „Die 3.000 Gäste der Anlage Bellevue müssen jeden Tag an der Baustelle vorbeigehen, und gleichzeitig spricht man davon, hochwertigen Tourismus fördern zu wollen“, sagt er. „Das ist nicht normal. Wir wollen nur arbeiten können, wir bitten nicht um Almosen“, ergänzt der Supermarktbesitzer.

So sieht es derzeit auf der "Dollarstraße" aus. / DM
Gegenüber dem Balearensender IB3 räumte Alcúdias Baustadtrat Rafael Ferrer vor einigen Tagen ein, dass sich die Arbeiten verzögert hätten, weil verschiedene Probleme aufgetreten seien, etwa mehrere gebrochene Leitungen. Er bat Anwohner und Geschäftsleute um „Verständnis“. Zugleich kündigte er an, dass im Oktober die zweite Bauphase beginnen solle, näher an der Straße nach Artà.
Bereits im Februar hatte die Stadtverwaltung darauf hingewiesen, dass das Sanierungsprojekt später als geplant anlaufen werde. Bürgermeisterin Fina Linares der Volkspartei PP nahm die Kritik auf und begründete den Start im Februar mit Verzögerungen bei den Genehmigungen anderer Behörden – insbesondere der Generaldirektion für Wasserressourcen, der Küstenbehörde sowie der endgültigen Erlaubnis der Straßenabteilung des Inselrats. Zudem machte sie die beauftragte Firma dafür verantwortlich, Unterlagen verspätet eingereicht zu haben.
Das Aufwertungsprojekt hat ein Volumen von rund sechs Millionen Euro. Vorgesehen sind die Erneuerung sämtlicher städtischer Versorgungsnetze, darunter Straßenbeleuchtung sowie Trinkwasser- und Abwasserleitungen. Geplant sind außerdem oberirdische Parkplätze, ein Radweg, neue Grünflächen und die Pflanzung neuer Baumarten, die die bisherigen Maulbeerbäume ersetzen sollen.
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