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Der Chef der Boat Show auf Mallorca: „Die Organisation hat sich sehr verkompliziert“

Zum 42. Mal steigt die Palma International Boat Show im Hafen. Organisator Chema Sans über die Aufbauarbeiten, die Schwierigkeiten und die Trends bei der Messe

Chema Sans ist der Herr über die Boote und den Aufbau bei der Palma Boat Show.

Chema Sans ist der Herr über die Boote und den Aufbau bei der Palma Boat Show. / NELE BENDGENS

Johannes Krayer

Johannes Krayer

Am langen ersten Mai-Wochenende ist Zeit für die Boat Show auf Mallorca. Diesmal ist die viertägige Veranstaltung bereits am Mittwoch (29.4.) gestartet und schließt am Samstag ihre Pforten. Chema Sans ist seit rund 35 Jahren der Hauptverantwortliche für den Aufbau der Messe. Wohl auch deshalb schafft er es, der MZ zwei Tage vor der Eröffnung seelenruhig mitten in der heißen Phase ein Telefoninterview zu geben.

Sie koordinieren jetzt schon länger als Ihr halbes Leben den Aufbau der Messe. Gibt es immer noch Dinge, die Sie auf dem falschen Fuß erwischen?

Es gibt immer irgendetwas. Die Boat Show ist jedes Jahr ein bisschen anders. Die Erfahrung hilft, und dennoch ist immer wieder Improvisation gefragt.

Wo mussten Sie diesmal überall improvisieren?

Wir haben eine neue Ausstellungsfläche eröffnet, die Marina Port de Mallorca direkt am Hotel Meliá Victoria, deshalb können wir statt zwölf großen Segelyachten wie vergangenes Jahr diesmal 24 dieser Yachten ausstellen. Da ploppen immer unvorhergesehene Probleme auf – mal mit der Elektrik, dann mit dem Shuttleservice. Aber ich habe ein tolles Team, und wir müssen eben diese typisch mediterrane Improvisationskunst an den Tag legen.

Sie meinen, in Deutschland könnte man die Messe so nicht veranstalten?

Wahrscheinlich nicht. Es ist diese uns eigene Kreativität und das Arbeiten unter Druck. Viele hier arbeiten besser, wenn das Wasser bis zum Hals steht. Wir finden dann immer eine Lösung.

Welche Vorgaben für die Messe sind mit der Zeit strenger geworden?

Die Verwaltung verlangt immer mehr Genehmigungen, immer mehr Auflagen bei Themen wie Umweltschutz oder Sicherheit. Dahingehend hat sich die Organisation der Messe sehr verkompliziert.

Wo kommen diese Auflagen her?

Das sind vor allem europäische Richtlinien. Es muss alles abgenommen und zu vielen Themen eigene Projekte ausgearbeitet werden. Zum Glück habe ich ein Team, das sich exklusiv darum kümmert. Das entwirft auch den Notfallplan. Wir müssen alles vorhersehen. Angefangen dabei, dass jemand ins Wasser stürzen könnte über Brände bis hin zu einem Terroranschlag. Das macht die Messe natürlich immer teurer. Die Zelte müssen homologisiert sein, sie müssen feuerfest sein. Die Organisation hat nichts mehr mit der von vor 30 Jahren zu tun. Da waren es vielleicht zehn Prozent der Auflagen. Wichtig ist auch, die Kapazität des Messegeländes genau einzuhalten. Wir messen in Echtzeit, wie viele Menschen in jedem Moment da sind. Wenn das Limit von etwas über 5.000 Besuchern zusätzlich zu den knapp 2.000 Ausstellern und deren Mitarbeitern erreicht ist, schließen wir die Tore. In den vier Tagen werden dann wieder rund 35.000 Besucher erwartet.

Dieses Jahr haben Sie 310 Aussteller. Wie haben Sie es geschafft, auf dem vollgestopften Messegelände noch einmal ein paar mehr Firmen unterzubringen?

Wir haben neben der neuen Marina Port de Mallorca auch den zur Verfügung stehenden Platz weiter optimiert und die Standgrößen für Aussteller verkleinert. Wir befinden uns in einer Zwickmühle, weil wir eine Warteliste haben und jedes Jahr auch neue Aussteller zulassen wollen. Die Unternehmen wollen gerne viele Boote mitbringen, aber wir haben sie auf drei bis vier Boote begrenzt. Wir wollten mehr Angebot haben, das macht die Veranstaltung für alle attraktiver.

Besteht da nicht die Gefahr, dass Aussteller nicht mehr kommen wollen, weil es sich für sie nicht lohnt?

Nein, ich glaube, die Aussteller sind eher dankbar dafür. Sie müssen sich beschränken und ihre drei besten und modernsten Boote mitbringen. Das kommt im Endeffekt auch den Ausstellern zugute. Und wer mehr Boote mitbringen möchte, der mietet an einer anderen Stelle einen Liegeplatz und bringt die Interessenten dahin. Dahingehend ist es für uns ein Problem, dass die Boote immer länger und vor allem breiter werden. Gerade die Breite nimmt viel Platz an den Anlegestegen weg.

Was gibt es in der Marina Port de Mallorca zu sehen?

Da haben wir die weithin beste Ausstellung von großen Segelschiffen ab 24 Metern. Diesmal sind auch Boote mit Längen von 50 bis 70 Metern dabei.

Gibt es genügend Kunden für solche großen Boote?

Von diesen Booten werden nicht viele hergestellt. Sehr produktive Werften schaffen vielleicht zehn, 15 Boote im Jahr. Das ist exklusiv genug, dass es genügend Millionäre gibt, um diese Boote zu kaufen.

Was bedeuten die Superyachten für die Insel?

Der Bootsbau ist hierzulande nicht so wichtig, das ist eher in Deutschland oder anderen nördlichen Ländern der Fall. Spanien hat sich aber stark auf Refit und Wartung spezialisiert. Die Balearen mit den größten Werften des Landes haben sich einen sehr guten Ruf bei Refit für Schiffe bis 80 Meter erworben. Das es ist etwas, worauf Bootseigner nicht verzichten können. Das Refit ist aus meiner Sicht ein besseres Geschäft als der Bau.

Gibt es genügend Personal dafür auf Mallorca?

Im Großen und Ganzen ja. Natürlich wäre es gut, noch mehr Leute zu haben, aber es wird ja bereits versucht, mit speziellen Studiengängen oder Ausbildungen nachzuhelfen. Es ist eine sehr gut bezahlte Arbeit.

Was brauchen die Yachten heute, um sich gut zu verkaufen?

Viel Elektronik. Die Boote werden immer komplizierter. Segelboote werden schneller und effizienter. Die Motoren haben sich sehr weiterentwickelt, nachdem sich lange Zeit wenig getan hat. Inzwischen gibt es eine regelrechte Besessenheit für die Geschwindigkeit beim Segeln.

Wie sieht es aus mit Elektromotoren bei Superyachten?

Die gibt es so gut wie nicht. Bei kleineren Booten in Häfen oder auch bei Segelbooten sind Elektromotoren schon verbreitet.

Was ist dieses Jahr noch angesagt?

Katamarane sind sehr beliebt. Sie verwandeln sich in eine sehr ernst zu nehmende Alternative zu anderen Booten und sind bestens für Charter geeignet in einem Moment, in dem die Verkäufe etwas schwächeln. Bei Motorbooten sind Day Boats immer beliebter. Einen Tag Spaß auf dem Meer haben und abends schläft man dann zu Hause oder im Hotel. Das liegt voll im Trend.

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