Aktivisten warnen Urlauber in Santanyí vor illegalen Ferienwohnungen
Schilder an einer Tür im Wohnort des Inselratspräsidenten informieren über illegale Ferienvermietung

Auf Englisch und Katalanisch. Mit diesen Hinweisen warnen Aktivisten in Santayí vor illegalen Ferienwohnungen. / DM
Die Betreiber illegaler Ferienvermietungen schrecken offenbar vor nichts zurück. Es gehört schon eine gewisse Dreistigkeit dazu, eine Wohnung ohne Lizenz ausgerechnet in dem Viertel zu vermieten, in dem der Präsident des Inselrats von Mallorca wohnt – also jener Institution, die gegen illegale Ferienvermietung vorgehen soll.
Llorenç Galmés ist in seinem eigenen Wohnumfeld auf einen mutmaßlich illegalen Ferienvermietungsfall gestoßen. Besonders pikant: Galmés ist nicht nur Präsident des Consell de Mallorca, sondern war zuvor jahrelang Bürgermeister von Santanyí. Man könnte einwenden, dass auf Mallorca niemand genau weiß, womit sich der Nachbar beschäftigt. Es sei denn, an der Tür nebenan hängt ein deutlich sichtbarer Hinweis mit der Aufschrift "Warning/Avís", der auf die mutmaßlich illegale Nutzung der Immobilie hinweist.
Auffällig ist einmal mehr, dass die wenigen verbliebenen Aktivisten auf Mallorca bisweilen effizienter wirken als die Behörden, die für die Bekämpfung solcher Verstöße zuständig sind. Die angebrachten Hinweise richten sich sowohl an die "Bewohner" als auch an den "Eigentümer" der mutmaßlich illegal vermieteten Wohnung. Den Gästen wird mitgeteilt, dass es sich um eine "illegale Immobilie" handele, die über keine ETV-Lizenz verfüge. Zudem sei der Fall dem Inselrat und der Steuerbehörde gemeldet worden.
"Stoppen Sie die illegale Tätigkeit"
An den Eigentümer richtet sich die Aufforderung, die Tätigkeit einzustellen. Verwiesen wird dabei auf das Tourismusgesetz 8/2012 und mögliche Strafen von bis zu 40.000 Euro. Außerdem wird eine sofortige Vor-Ort-Inspektion gefordert, um die mutmaßlich illegale Nutzung zu überprüfen. Am Ende steht die klare Botschaft: "Stoppen Sie die illegale Tätigkeit."
Die an Rollläden und Türen angebrachten Hinweise sind eine Form zivilen Aktivismus. Sie setzen zahlende Gäste unter Druck, ohne Gewalt anzuwenden. Anderswo werden Schlösser mit Silikon unbrauchbar gemacht oder Schlüsseltresore zerstört. In Santanyí setzt man offenbar auf Eigeninitiative – auch aus Misstrauen gegenüber der institutionellen Durchsetzung.
Viele, die sich um die Zukunft Mallorcas sorgen, wundern sich darüber, dass die Behörden bei Hinweisen auf illegale Ferienvermietung oft lediglich den Link zur Anzeige verlangen. Alles soll aus der Distanz erledigt werden, ohne sich vor Ort einzumischen. Genau deshalb scheinen solche Hinweise an den Türen ausländische Eigentümer kaum zu beeindrucken. Sie wissen, dass sich hier kaum jemand in ihre mutmaßlich unsauberen Geschäfte einmischt – anders als möglicherweise in ihren Herkunftsländern.
Bemerkenswert ist auch, dass Santanyí bei Gesprächen über Gemeinden mit besonders vielen städtebaulichen Auswüchsen immer wieder genannt wird. Nicht Palma, nicht Calvià, nicht Andratx stehen dann an erster Stelle – sondern Santanyí. Mutmaßlich.
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