Sineu lockert Regeln für Ortskern: Mehr Wohnraum, mehr Solarpaneele — und mehr Hotels
Der neue Sonderplan gibt der Gemeinde mehr Kontrolle über Baugenehmigungen und ermöglicht Umbauten im historischen Zentrum. Kritik gibt es, weil künftig auch neue Hotels in der Altstadt entstehen dürfen

Der Ortskern von Sineu soll sich in Zukunft verändern. / Més per Sineu
Das Stadtbild im historischen Zentrum von Sineu könnte sich in Zukunft deutlich verändern. Der Gemeinderat hat eine neue Fassung des Sonderplans zum Schutz des historischen Ortskerns verabschiedet, die der Verwaltung erlauben soll, die städtebaulichen Zuständigkeiten für das historische Zentrum wieder zu übernehmen. Diese lagen seit der Erklärung des gesamten mittelalterlichen Ensembles von Sineu zum Kulturgut von besonderem Interesse, einem sogenannten BIC, vor 16 Jahren nicht mehr beim Rathaus, sondern beim Inselrat. Die Änderung dürfte die städtebaulichen Verfahren beschleunigen und den Bewohnerinnen und Bewohnern des Ortszentrums mehr Rechtssicherheit verschaffen.
Neben der Rückübertragung der Zuständigkeit für Baugenehmigungen bringt der Sonderplan weitere Neuerungen mit sich. So soll künftig mehr Flexibilität bei der Erweiterung von Wohnhäusern möglich sein, um bislang ungenutzte häusliche Bereiche besser nutzbar zu machen.
Bürgermeister Tomeu Mulet (konservative Volkspartei PP) erklärt, dass mit dem neuen Sonderplan „die meisten Baugenehmigungen“ wieder vom Rathaus erteilt werden könnten. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass es im historischen Ortskern verschiedene Schutzstufen gebe, je nach historischem Wert der jeweiligen Gebäude. Bei den in Sachen Denkmalschutz bedeutendsten Immobilien werde der Inselrat weiterhin das letzte Wort haben.
Gebäude dürften in die Höhe wachsen
Auch Erweiterungen von Wohnhäusern innerhalb der BIC-Zone sollen künftig möglich sein. Laut Mulet erlaubt der Sonderplan den Gebäuden, „innerhalb bestimmter Grenzen in die Höhe zu wachsen“. Konkret betrifft dies die oberen Stockwerke vieler Häuser, die derzeit nicht als Wohnraum genutzt werden und in Sineu als „sales“ bekannt sind — Räume, „in denen viele Menschen ihre Sobrasadas aufhängen“, so Mulet. Diese Bereiche könnten „um einige Zentimeter in der Höhe wachsen“, um neue Zimmer einzurichten und damit die bewohnbare Fläche der Häuser im Zentrum zu vergrößern. Der Bürgermeister betont jedoch, dass solche Erweiterungen nur genehmigt würden, wenn die Projekte „die Ästhetik der Straßen respektieren“.
Von dieser Maßnahme könnten zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner des historischen Ortskerns von Sineu profitieren. Nach Angaben des Bürgermeisters gäbe es in diesem Bereich „eine große Nachfrage“. Derzeit seien viele Dachsanierungen blockiert, solange die endgültige Genehmigung des Sonderplans für das historische Ensemble noch aussteht.
Darüber hinaus hebt Mulet hervor, dass das städtebauliche Dokument auch einen klaren Rahmen für die Installation von Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Altstadt schaffen werde. Solarenergie soll demnach erlaubt sein, sofern die Paneele unauffällig integriert werden und von der Straße aus kaum sichtbar sind.
Kontroverse um touristische Nutzungen
Die wichtigste Oppositionsgruppe im Gemeinderat, Més per Sineu, bewertet die Genehmigung des Sonderplans grundsätzlich positiv — „nach 16 Jahren seit der Erklärung des alten Ortskerns zum BIC und nach jahrelangen Verzögerungen bei der Bearbeitung“. Gleichzeitig äußert die Partei jedoch „Besorgnis“ darüber, dass das Regierungsteam der PP einen ursprünglich vorgesehenen Punkt gestrichen hat: das Verbot neuer touristischer Nutzungen im Bereich des historischen Zentrums. In der neuen Fassung des Sonderplans können im historischen Ortskern von Sineu künftig neue Hotels eröffnet werden.
Der Sprecher der linksökologischen Partei, Andreu Matas, hält ein solches Verbot für „vollkommen kohärent mit der Notwendigkeit, das Zentrum von Sineu als Lebensraum zu bewahren und es nicht schrittweise in eine touristische Postkarte zu verwandeln“. Més weist darauf hin, dass die Gemeinde bereits über ein „hohes touristisches Angebot“ verfüge. Deshalb soll vermieden werden, dass große Herrenhäuser im Zentrum in Boutique-Hotels oder touristische Unterkünfte umgewandelt werden — zulasten von Wohnraum oder sozialen Einrichtungen.
Bürgermeister Mulet teilt diese Einschätzung nicht. Er sieht in der Umwandlung großer, derzeit ungenutzter Gebäude in touristisch genutzte Immobilien eine „gute Lösung“, da dadurch „Häusern, die verfallen, eine Nutzung gegeben wird“.
In den vergangenen Jahren wurden bereits mehrere Boutique-Hotels in alten Herrenhäusern im Zentrum von Sineu eröffnet. Diese Entwicklung könnte sich mit der Zustimmung zur neuen städtebaulichen Regelung nun sogar beschleunigen. Tatsächlich gibt es bereits ein Projekt, im ehemaligen Kloster ein Hotel einzurichten. Vor vier Jahren hatte das Rathaus die ergänzenden Bauvorschriften geändert, um auf dem Grundstück des früheren religiösen Komplexes Wohnräume und eine touristische Nutzung zuzulassen. Der Komplex steht seit 2012 leer. Damals wurden die letzten verbliebenen Ordensschwestern nach 149 Jahren in eine andere Gemeinde versetzt.
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