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Der Nationalpark Cabrera ist Mallorca so nah – ein Ausflug dorthin ist trotzdem kaum zu bezahlen

Die idyllische Inselgruppe ist immer einen Ausflug wert – wenn die Überfahrten mit nur zwei Bootsunternehmen nicht so teuer wären

Der Hafen von Cabrera und oben rechts die Burg. Wer die kurze Tour bucht, schafft es mit Kindern gerade so hin und zurück, bis das Boot wieder ablegt.

Der Hafen von Cabrera und oben rechts die Burg. Wer die kurze Tour bucht, schafft es mit Kindern gerade so hin und zurück, bis das Boot wieder ablegt. / ATIENZA/EFE

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Johannes Krayer

Johannes Krayer

Er liegt nur eine knappe Stunde Bootsfahrt südlich von Mallorca: der Nationalpark Cabrera mit seinen unberührten Fischgründen und reizvollen Spazierwegen. Eigentlich wäre das ein schöner Wochenendausflug für viele Familien, die auf Mallorca leben, oder auch eine geeignete Exkursion für Schulklassen.

Doch vor allem die öffentlichen Schulen schrecken vor dieser Fahrt aufgrund der Preise zurück, wie Antonia Wicht festgestellt hat. Die Mutter zweier Kinder aus Palma hat das Glück, bereits häufiger im Nationalpark gewesen zu sein. „Das aber auch nur, weil ich Leute kannte, die ein Boot besaßen. Cabrera ist leider ein Nationalpark für Yachtbesitzer.“

Es gibt nur zwei Anbieter

Alle anderen sind auf die beiden Unternehmen angewiesen, die von Colònia de Sant Jordi aus die Ausflüge nach Cabrera anbieten: Excursions a Cabrera und Mar Cabrera. Beide gewähren zwar für Schulklassen Rabatte. Excursions a Cabrera verlangt für Grundschulkinder 24 Euro für Hin- und Rückfahrt, für Jugendliche der Sekundarstufe ESO 26 Euro und für Oberstufenschüler 29 Euro.

Hinzu kommt dann aber noch die Busfahrt nach Colònia de Sant Jordi, 2 Euro pro Schüler für die Begleitung einer Fachkraft auf Cabrera sowie Proviant. Unter 40 Euro ist ein solcher Ausflug nicht zu machen. Der MZ liegt die Abrechnung einer halbstaatlichen Schule in Palma vor, die für die Fahrt im Oktober 2025 in der sechsten Klasse 42 Euro kassierte. Bei Mar Cabrera gibt es ebenfalls Sondertarife für Schulklassen, die sich nicht wesentlich von denen der Konkurrenz unterscheiden.

Als vierköpfige Familie ist man mindestens 150 Euro los

Als Familienausflug kommt die Fahrt nach Cabrera angesichts der (dann nicht vergünstigten) Preise für viele noch weniger infrage. Für eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern kostet die günstigste Variante mindestens 150 Euro. „Das kann man mal zum Geburtstag der Oma organisieren, aber es ist nicht für einen gewöhnlichen Sonntag geeignet“, findet Antonia Wicht, die sich darüber wundert, dass die Bootsfirmen keinerlei Rabatte für Residenten der Balearen anbieten.

Die sogenannte Express Tour des Anbieters Excursions a Cabrera für zwei Erwachsene und zwei Kinder schlägt mit 150 Euro zu Buche. Dafür hat man dann aber auch lediglich 45 Minuten Zeit auf Cabrera – mit kleinen Kindern kommt man da nicht weit. Sofern es der Wellengang erlaubt, ist ein Abstecher in die sogenannte Cova Blava, die blaue Grotte, inbegriffen.

Danach geht es auf schnellstem Weg wieder zurück nach Colònia de Sant Jordi. Bei Mar Cabrera kostet der günstigste Ausflug, der sogenannte desembarco corto, 154 Euro. Wer etwas mehr Zeit auf Cabrera verbringen will, muss die insgesamt sechsstündige Tour buchen, die 178 Euro respektive 180 Euro kostet.

Das sagen die Unternehmen

Die Verantwortliche von Excursions a Cabrera, Joana Serra, teilt auf MZ-Anfrage mit, dass es keine Residentenrabatte mehr gibt, seit die Europäische Kommission die Betreiber der historischen Bahn nach Sóller aufforderte, die Rabatte für Residenten zurückzunehmen. Ein deutscher Urlauber hatte sich 2016 bei der Kommission beschwert.

Brüssel argumentierte, dass es sich um eine nicht akzeptable Benachteilung aufgrund der Staatszugehörigkeit handle. Da gelte auch für die Fahrten nach Cabrera, so Joana Serra: Man würde ja gerne Preisnachlässe gewähren, so wie früher, aber schrecke nach der Ansage aus Brüssel davor zurück.

Der Nationalpark Cabrera umfasst rund 90.000 Hektar. Die Spitze oben auf der Karte ist der südlichste Zipfel von Mallorca.

Der Nationalpark Cabrera umfasst rund 90.000 Hektar. Die Spitze oben auf der Karte ist der südlichste Zipfel von Mallorca. / Ministerio para la Transición Ecológica

Boote können nur etwa 140 Tage im Jahr fahren

Bei Mar Cabrera begründet eine Mitarbeiterin die Tatsache, dass es keine Residentenrabatte gibt, damit, dass das Unternehmen weder von der Balearen- noch von der Zentralregierung Subventionen bekomme. Davon abgesehen seien die Tarife im Vergleich zum Vorjahr praktisch unverändert.

Hinzu komme, dass die Boote laut Vorschriften des Seefahrtsamtes nur zwischen dem 1. Februar und dem 31. Oktober unterwegs sein dürfen. „Und wenn man dann noch im restlichen Zeitraum die Tage mit ungünstigem Wetter abzieht, bleiben uns vielleicht 140 Tage im Jahr, an denen wir fahren können“, sagt die Mitarbeiterin von Mar Cabrera.

Joana Serra von Excursions a Cabrera ergänzt weitere Einschränkungen, die die Preise nach oben treiben: „Es gibt ein Limit an Personen, die pro Tag in den Park dürfen, ein Limit an täglichen Fahrten und ein Limit, was die Zugangszeiten für den Nationalpark betrifft.“ Hinzu kämen noch Sicherheitsvorkehrungen sowie Personalkosten.

Die Balearen-Regierung hält sich heraus

Die Balearen-Regierung sieht offenbar aktuell keinen Handlungsbedarf. Zwar wird hinter verschlossenen Türen bedauert, dass vielen Familien verwehrt bleibt, den Nationalpark kennenlernen zu können.

Eine Anfrage bei der Sprecherin der Parkdirektion Maria Valens ergibt lediglich, dass man sich zur Preispolitik der Unternehmen nicht äußern werde, diese sei Privatsache. Man kümmere sich lediglich darum, dass das Besucherlimit von 300 Personen am Tag eingehalten werde.

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