MZ-Preis für Universal Beach Hotels: Vom Schweizer Standard zur Mallorca-Erfolgsgeschichte
Die Mallorca Zeitung zeichnet Universal Beach Hotels aus – ein Familienunternehmen, das seit drei Generationen Schweizer Hoteltradition mit tiefer Verbundenheit zur Insel verbindet

Javier Fernández
Das erste Buch ist schon erschienen, das zweite ist bereits in der Mache, und das dritte ist eine Frage der Zeit. In dem 1985 erschienenen Band „Wunder dauern etwas länger“ beschrieb der Schweizer Vollblutunternehmer Alfred Erhart, wie er nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst ein Frachtunternehmen mit ausrangierten Militärfliegern, dann einen Reiseveranstalter und schließlich eine Hotelkette auf Mallorca schuf.
In dem neuen Band, der kommendes Jahr, zum 80. Bestehen des von ihm gegründeten Unternehmens erscheinen soll, schildert sein Sohn Philippe C. Erhart, was seither geschah. Derweil sammelt der 45-jährige Enkel des Gründers und heutige Chef von Universal, Yannik Erhart, Material für das, was dereinst in einen dritten Band einfließen könnte. Wobei darin sicherlich auch seine Frau Mirtha Erhart-Zimmerli zu Wort kommen wird. Die Geschichte der Erharts und ihrer heute Universal Beach Hotels genannten Hotelkette ist die eines Familienunternehmens, das mit der Zeit zu gehen wusste und dabei trotzdem immer bei sich und Mallorca blieb.
„Ich glaube, wir sind einfach sehr authentisch. Dieser familiäre Charakter kommt auch bei den Mitarbeitern rüber“, sagt Mirtha Erhart-Zimmerli. Universal Beach Hotels beschäftigt in 17 Häusern auf Mallorca und einem auf Formentera derzeit rund 1.200 Menschen. Etwa 80 Prozent sind Spanier, viele von ihnen arbeiten schon seit Jahrzehnten für die Kette.
Unverkennbar schweizerisch
„Auch die Stammgäste haben uns über viele Jahre die Treue gehalten. Das ist eine Verbundenheit, die andere Unternehmen in dieser Art nicht haben“, sagt Mirthas Schwiegervater Philippe Erhart. „Und wir sind ein Schweizer Unternehmen mit lange Zeit nur Schweizer Gästen – das bringt noch etwas ganz Spezielles in die Hotels.“
Muttergesellschaft der Kette ist bis heute der Reiseveranstalter Universal Mallorca Travel: Alfred Erhart baute zwischen 1963 und 1970 auf der Insel acht Strandhotels, um „seinen“ Urlaubern dort Unterkünfte mit einem „Schweizer Standard“ anzubieten. Die Anfangsfinanzierung für die Grundstückskäufe und den Bau dieser „geldproduzierenden Fabriken“, wie es in dem Buch heißt, bestand in einer gewagten Ausgabe von Anleihen. Es waren die Goldgräberzeiten, wo alles ging und alle daran mitverdienten. Aus den geplanten drei Stockwerken eines Hotels konnten dann schon mal unerlaubt, aber letztlich unbeanstandet fünf werden. Und das direkt am Meer. Die einzelnen Hotels mussten dabei gar nicht unbedingt rentabel sein, das Geschäft lief dank des Reiseveranstalters trotzdem wie geschmiert. Der Firmenpatriarch sprach kein Spanisch, lebte weiter in der Schweiz und blieb umtriebig: Nach Mallorca wandte er sich Antigua zu, wo er eine 1.200-Betten-Hotelanlage eröffnete (Jahre später sollte sich die Gruppe von der Karibikinsel wieder zurückziehen).

Der Unternehmensgründer Alfred Erhart. / Universal
Philippe Erhart, ein gelernter Heilpädagoge, hatte zunächst wenig Lust, in die Fußstapfen des Vaters zu treten. Als dessen Nachfolger vorgesehen war der ältere Bruder, der jedoch 1982 starb. Der Vater machte danach immer weiter, wurde immer älter. Philippe schwante, dass die Unternehmensnachfolge ohnehin auf die eine oder andere Weise auf ihn zukommen würde. „Deshalb habe ich mir gedacht: Besser beteilige ich mich noch, solange er noch lebt. Da kann ich noch eine Einführung haben und mich einbringen“, sagt der heute 74-Jährige, der 1995 in das Unternehmen einstieg.
Erst einmal Seife einführen
Philippe fand schnell Gefallen an den vielfältigen Aufgaben. Wobei es nicht immer einfach war, mit dem Vater zusammen- zuarbeiten. „Er war ein sehr dominanter Mensch und hatte ja auch bis zu einem gewissen Punkt alles richtig gemacht. Aber der Tourismus hatte sich gewandelt. Er hatte Mühe, da mitzukommen. Wenn ich mit neuen Ideen kam, etwa der Anschaffung von Computern, hat er oft gesagt, das brauchen wir nicht, das geht auch so.“ Auch die Bäder im Hotelzimmer mit Seifen auszustatten, war Überzeugungsarbeit – bis dahin mussten die Gäste sie mitbringen. Philippe Erhart schwor sich, nie so zu werden, immer für Neues offenzubleiben.
Alfred Erhart starb 1998 im Alter von 80 Jahren in Vaduz (Liechtenstein), wo Universal bis heute seinen Unternehmenssitz hat. „Für mich war das immer ein bisschen so, dass mein Vater gesehen hat, es läuft. Der Junge kann’s, ich kann gehen“, sagt Philippe Erhart. Der Sohn sollte die Hotelkette, zu der Anfang der 80er-Jahre drei weitere Häuser hinzugekommen waren, grundlegend modernisieren, von den Buchungssystemen über die Installationen bis hin zu den Freizeitangeboten für die Gäste. Hinzu kamen über die Jahre weitere Hotelübernahmen, drei davon in Colònia de Sant Jordi, eines an der Playa de Muro, sowie die Zusammenarbeit mit Finca- Hotels. Bei alledem blieb aber auch der Lebensmittelpunkt von Philippe Erhart Maienfeld in der Schweiz.
Anders als seinem Vater war Yannik Erhart schon immer klar, dass er eines Tages das Unternehmen übernehmen würde. „Wir waren hier als Kinder immer in den Ferien, in Canyamel oder Sant Elm, und wenn ich gefragt wurde, was willst du mal werden, antwortete ich nicht Feuerwehrmann oder Polizist, sondern Großpapi Mallorca“, sagt er. Später wählte er zunächst eine Berufsschule in einem Reisebüro, studierte und arbeitete eine paar Jahre beim Reiseveranstalter Kuoni in Zürich.
Yannik Erhart trat 2012 in die Firma ein und baute zunächst den Verkauf um. „Der Markt hatte sich mit Booking, Expedia und Direktverkauf komplett verändert“, sagt er. Bis dahin kamen praktisch hundert Prozent der Gäste mit dem eigenen Schweizer Reiseveranstalter. Yannik Erhart arbeitete erst ein paar Monate bei Universal Travel – und zog dann gemeinsam mit seiner Frau nach Mallorca. „Mirtha und ich waren schon sehr lange zusammen, und wir hatten schon sehr früh besprochen, dass wir einmal auf Mallorca leben wollen“, sagt er.
„Wir kommen nicht wieder“
Die beiden meldeten sich direkt in der Schweiz ab und auf Mallorca an. „Alle fragten: ‚Wann kommt Ihr wieder?‘. ‚Wir kommen nicht wieder‘, haben wir geantwortet“, sagt Mirtha Erhart-Zimmerli. Das sei auch für das Unternehmen wichtig gewesen: „Viele alteingesessenen Hoteldirektoren haben damals gesagt: Es braucht einen Erhart auf Mallorca.“

Alles begann mit einem Reiseveranstalter: Universal-Urlauber in den 50er-Jahren. / Universal
Acht Jahre sollte der Enkel des Firmengründers als Verkaufschef arbeiten und sich mit dynamischen Preisen und Schnittstellen zu anderen Veranstaltern beschäftigen. Statt nur Schweiz und Deutschland als Herkunftsländer der Universal-Urlauber, kamen verstärkt andere Märkte hinzu: Skandinavien, England, Italien, Osteuropa, Spanien. Die Bedürfnisse der Kunden änderten sich und damit auch das Angebot. Die Kette schnitt die Hotels stärker auf bestimmte Zielgruppen zu , etwa durch die Einführung von Adults-only-Häusern. „Mit unserer Präsenz können wir auch verschiedene Gästegruppen bedienen“, sagt Yannik Erhart. Hinzu kam die Betonung der Marke: Statt nur als „Lido Park“, „Don León“ oder „Marqués“ bekannt zu sein, rückte „Universal“ an die erste Stelle der Hotelnamen.
Keine reine Männerwirtschaft
Mirtha Erhart-Zimmerli, selbst diplomierte Hôtelière, arbeitete zunächst eine Saison bei der Bettenbank Hotelbeds, um sich „nicht mit Yannik auf die Füße zu treten“, übernahm dann aber die Universal- Incoming-Agentur auf der Insel von Miguel Hernández, der die Betreuung der Urlauber über 40 Jahre verantwortet hatte. Mirtha Erhart-Zimmerli prüfte die Abläufe, schloss neue Verträge, verbrachte aber auch schier unendliche Sonntage am Flughafen. Die 40-Jährige steht der Incoming-Agentur bis heute vor, übergab die operative Arbeit mit der Geburt von drei Kindern dann aber an eine Mitarbeiterin.
Die Rolle der Frau – auch das hat sich im Laufe der Jahre bei Universal verändert. Patricia, die zweite Frau des Unternehmensgründers, war diejenige, die die Visionen ihres Mannes auf den Grund der geschäftlichen Tatsachen zurückholte, aber eben nur im Hintergrund. Monika Erhart, die Frau von Philippe, stärkte, wie er selbst sagt, „ihrem Mann den Rücken“, arbeitete aber nicht in der Firma mit. Dafür kennt Philippes Schwester Annita Erhart als Leiterin der Wanderabteilung nach über 40 Jahren die Touren, Flora und Fauna der Insel besser als viele Mallorquiner. Und Mirtha Erhart-Zimmerli, die seit 2022 auch die Schweizer Honorarkonsulin auf Mallorca ist, entscheidet im Lenkungsausschuss der Gruppe an der Seite ihres Mannes und ihres Schwiegervaters mit. „Wir drei treffen alle strategischen Entscheidungen gemeinsam“, sagt Yannik Erhart.
Premiere mit Lockdown
Den Chefposten übernahm Yannik Erhart im Januar 2020. Zweieinhalb Monate später schickte Spaniens Premier Pedro Sánchez sein Land wegen des Corona-Virus in den Lockdown. Kaum im Amt, musste der neue Chef seine Mitarbeiter schon in Kurzarbeit schicken und die Hotels schließen. „Es gab einen Riesenwiderstand“, sagt Yannik Erhart. Zugleich bot die Atempause der Pandemie aber auch die Möglichkeit, Abläufe zu überprüfen, neue Strukturen einzuführen. Sorge vor einem unternehmerischen Aus habe hingegen nicht bestanden. „Wir waren finanziell solide aufgestellt, natürlich wussten wir nicht, wie lange das anhalten würde, natürlich wurden wir ausgebremst, aber wir haben auch eine Strategie entwickelt, umso schnell wie möglich da wieder raus zu kommen“, sagt Yannik Erhart.
Tatsächlich ging Universal gestärkt aus der Pandemie hervor. Die Kette investiert seither kräftig in aufwendige Renovierungen und dringt zudem in für sie neue Märkte vor – mit dem Hotel Neptuno in die deutsche Urlauberhochburg Playa de Palma und mit dem Mar Suites Formentera erstmals auf eine der Nachbarinseln. Weitere Umbauprojekte stehen noch an, auch weitere Zukäufe auf Ibiza und Menorca oder gar auf dem Festland will Yannik Erhart nicht ausschließen. „Wir wollen auf jeden Fall weiterwachsen, haben aber keinen Druck“, sagt er.
Der Großvater flog noch ein und aus, sein Sohn lernte Spanisch, und sein Enkel und dessen Frau leben jetzt fest auf der Insel. Mirtha Erhart-Zimmerli hat Mallorquinisch gelernt. „Jede Sprache, die man mehr spricht, ist ein Geschenk, und wir sind es der Insel schuldig, dass wir ihre Sprache respektieren“, sagt sie. . So gesehen ist die Geschichte der Universal-Kette auch eine des Ankommens auf Mallorca. „Die Insel hat uns viel gegeben, wir möchten davon möglichst viel zurückgeben“, sagt Philippe Erhart.
Was das konkret heißt, führen sein Sohn und seine Schwiegertochter aus. Mirtha hat die Nachhaltigkeitsstrategie bis 2030 vorangetrieben. Es geht darin um die Lebensqualität der Angestellten am Arbeitsplatz und darüber hinaus um die faire Bezahlung kleiner örtlicher Produzenten, denen so ein Auskommen ermöglicht wird, um die Reduzierung des Wasser- und Ressourcenverbrauchs, um die Zusammenarbeit mit Organisationen wie Cleanwave, die sich für den Schutz des Meeres vor den Hotels engagieren. „Wir wollen mit dem, was wir hier machen, schließlich keinen negativen, sondern positive Auswirkungen für die Gesellschaft und die Insel haben“, sagt Yannik Erhart.
- Großteil der Belegschaft ausgetauscht und neuer Name für das 'Schatzi' von Krümel: So soll das Chalet X 'das beste Clubrestaurant im Südwesten Mallorcas' werden
- Die Insel hat ihren nächsten 'Was auf Mallorca passiert, bleibt auf Mallorca'-Skandal
- Mallorca wird zum Brutkasten: Ist die 40-Grad-Marke fällig?
- Das Mandarin Oriental Punta Negra hat auf Mallorca eröffnet: Die Insel ist in der internationalen Luxusliga angekommen
- Mallorca, aber bitte diskret: Warum Unternehmer 100.000 Euro pro Woche für Ferienimmobilien zahlen
- Wir haben keinen Piloten': Flug ab Mallorca verspätet sich um acht Stunden
- Hat Jürgen Klopp Bayern-Legende Martín Demichelis im Mallorca Country Club abgeworben?
- Zum zweiten Mal dieses Jahr: Junger Mann nach Sturz an Mallorcas beliebtester Bucht schwer verletzt
