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"Dürfen sie nicht wie Kriminelle behandeln": Warum immer weniger spanische Abiturienten ihre Abschlussfahrt auf Mallorca machen

Laut dem balearischen Reisebüroverband Aviba ist die Zahl der Teilnehmer in den vergangenen zwei Jahrzehnten um mehr als die Hälfte gesunken

Spanische Abiturienten im Urlaub: Wenn die Fähre nach Mallorca zum Partyboat wird

Redaktion MZ

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Mallorca verliert als Ziel für Abschlussfahrten spanischer Abiturienten weiter an Bedeutung. Immer weniger Jugendliche reisen nach ihren Hochschulzugangsprüfungen für fünf Tage auf die Insel. Nach Angaben des balearischen Reisebüroverbands Aviba ist die Zahl der Teilnehmer in den vergangenen zwei Jahrzehnten um mehr als die Hälfte gesunken.

„Wir sind von rund 30.000 Schülern Ende der 90er- und Anfang der 2000er-Jahre auf heute 12.000 bis 14.000 Schüler zurückgegangen“, sagt Aviba-Präsident Pedro Fiol. Für 2026 rechnet der Verband mit ähnlichen oder sogar niedrigeren Zahlen als im Vorjahr. Der Rückgang bereitet der Branche Sorgen, weil Studienfahrten über Jahrzehnte zu den wichtigen Geschäftsfeldern zum Saisonbeginn gehörten.

Gesellschaftliche Abneigung

Fiol führt die Entwicklung unter anderem auf die gesellschaftliche und politische Ablehnung dieser Form des Tourismus zurück. Abiturienten dürften nicht allein deshalb wie Kriminelle behandelt werden, weil sie in Gruppen reisten, sagt er. Es gehe darum, konkrete Fälle von Fehlverhalten zu ahnden, nicht aber eine ganze Generation zu stigmatisieren. Die große Mehrheit der Jugendlichen verhalte sich korrekt und verantwortungsbewusst.

Auch die räumliche Verteilung der Gruppen hat sich verändert. Während sich die Hotels an der Playa de Palma über viele Jahre hinweg im Juni mit Schülergruppen füllten, macht die Urlauberhochburg heute nur noch rund ein Viertel dieses Marktes aus. Weitere Ziele sind Magaluf, Cala Ratjada und der Norden der Insel. Zudem suchten viele Gruppen inzwischen Angebote jenseits des Nachtlebens, etwa Volleyball, Ausflüge oder Veranstaltungen wie das Mallorca Live Festival.

Obwohl sich alle an der Playa de Palma tummeln, hatten deutsche Urlauber wahrscheinlich wenig Kontakt zu den spanischen Abiturienten.

In den vergangenen Jahren zog es immer weniger Abiturienten an die Playa de Palma. / Foto: Ingo Wohlfeil

Ein weiterer Grund für den Rückgang sind die gestiegenen Preise. Ende der 90er-Jahre habe der Juni noch als Zwischensaison gegolten, weil sich die touristische Hauptaktivität auf Juli und August konzentriert habe. Inzwischen sei der Juni volle Hochsaison, was die Unterkünfte deutlich verteuert habe. Auch die Anreise sei teurer geworden. Viele Abiturienten kämen mit der Fähre aus Barcelona oder Valencia, Flugpreise hätten sich laut Fiol nahezu verdoppelt.

Andere Gästeprofile rentabler

Als Wendepunkt nennt der Aviba-Präsident die Corona-Pandemie. Danach seien die Inflation, internationale Unsicherheiten und der allgemeine Preisanstieg hinzugekommen. Zugleich gebe es immer weniger Hotels, die mit Schülergruppen arbeiten wollten, weil andere Gästeprofile rentabler seien. Der Arbeitskräftemangel erschwere die Lage zusätzlich: Viele Betriebe böten keine Vollpension mehr an, obwohl diese für organisierte Studienfahrten eine wichtige Voraussetzung sei.

Auch das Profil der Reisenden hat sich verändert. Weil die Reisen teurer geworden sind, kommen laut Fiol heute vor allem Schüler, die gerade die Hochschulzugangsprüfungen abgeschlossen haben. Ein Paket für fünf Nächte mit Vollpension kostet derzeit im Schnitt zwischen 700 und 850 Euro, abhängig vom Hotel und den enthaltenen Aktivitäten.

Spanische Abiturienten im Jahr 2022.

Spanische Abiturienten im Jahr 2022. / DM

Nach Einschätzung von Aviba hat Mallorca zudem gegenüber anderen Reisezielen an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Während diese Art von Tourismus auf der Insel stark kritisiert worden sei, hätten andere Ziele wie Malta oder Marokko versucht, diese Nachfrage anzuziehen. Viele Schüler entschieden sich mittlerweile für günstigere Ziele, an denen sie sich willkommener fühlten.

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