Sparkassen-Werbung am Flughafen Mallorca: Uni-Professor reicht Beschwerde ein
In seiner Beschwerde macht Jordi Cubain geltend, die Kampagne könne gegen die im Werbekodex festgelegten Grundsätze sozialer Verantwortung verstoßen

Das Sparkassen-Banner am Flughafen Mallorca. / GOIB
Die Debatte um das umstrittene deutschsprachige Werbeplakat einer Sparkassen-Gruppe am Flughafen Mallorca geht weiter. Nun ist eine Beschwerde bei der spanischen Werbeselbstkontrollstelle Autocontrol eingereicht worden. Der Wirtschaftsprofessor Jordi Cubain von der Balearen-Universität (UIB) fordert darin die Entfernung der Kampagne. Zuvor hatte bereits die balearische Regierung Aena erfolglos aufgefordert, die Werbeplane entfernen zu lassen.
In seiner Beschwerde macht Cubain geltend, die Kampagne könne gegen die im Werbekodex festgelegten Grundsätze sozialer Verantwortung verstoßen. Sie verbinde das Image Mallorcas mit Verhaltensweisen, die mit Urlaubsenthemmung und negativen Klischees über das Reiseziel verbunden seien.
Zwar enthalte die Werbung laut der Beschwerde keine ausdrücklich rechtswidrigen Botschaften. Sie nutze jedoch eine Erzählweise, die mit Ausnahmezustand, Kontrollverlust und der zeitweisen Aussetzung gesellschaftlicher Normen verbunden werde.
Botschaft könnte dem Image Mallorcas schaden
Cubain argumentiert außerdem, solche Botschaften könnten zur Entstehung kollektiver Vorstellungen über Mallorca beitragen und dem Image der Insel schaden. Dies gelte besonders vor dem Hintergrund der wachsenden gesellschaftlichen Sensibilität für die Folgen des Massentourismus.
Die Beschwerde verweist auch auf die breite gesellschaftliche und mediale Debatte, die der Slogan ausgelöst hat. Cubain fordert die Werbejury auf, die Kampagne auf ihre Vereinbarkeit mit den Grundsätzen sozialer Verantwortung und redlicher Werbung zu prüfen und sich zu einer möglichen Entfernung oder Änderung zu äußern.
Das steht auf dem Plakat
Auf dem Banner steht auf Deutsch der Satz: „Was auf Malle passiert, wird auf Malle beglichen.“ Der Slogan bezieht sich auf Wero, ein Echtzeit-Bezahlsystem, mit dem Sparkassen-Kunden Geld von Handy zu Handy senden können – ähnlich wie bei Bizum in Spanien. Der Ärger entzündet sich vor allem an der Doppeldeutigkeit des deutschen Slogans. Wörtlich spielt „beglichen“ auf das Bezahlen kleinerer Geldschulden an. Auf Mallorca empört jedoch die Anspielung auf die Formel „Was auf Mallorca (oder in Las Vegas oder wo auch immer) passiert, bleibt auf Mallorca (oder in Las Vegas oder wo auch immer)“.
Diese Redewendung wird im Spanischen häufiger im Party-Kontext benutzt - im Sinne von alles geht, solang keiner davon erfährt. Kritiker sehen deswegen in der Sparkassen-Werbung eine Botschaft, die die Insel als rechtsfreien Partyraum für deutsche Urlauber erscheinen lasse.
Das ist Autocontrol
Autocontrol ist ein unabhängiges Organ der Selbstregulierung der spanischen Werbebranche. Die Einrichtung ist zudem als private Stelle zur alternativen Streitbeilegung von der spanischen Regierung anerkannt.
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