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Österreichs Altkanzler Sebastian Kurz im MZ-Interview: „Ohne starke Wirtschaft wird es unseren Sozialstaat bald nicht mehr geben“

Der ehemalige österreichische Bundeskanzler war vergangenes Wochenende beim Wirtschaftsforum Neu Denken auf Mallorca zu Gast. Die MZ hat ihn interviewt

Sebastian Kurz beim Wirtschaftsforum Neu Denken im Gespräch mit Sabine Christiansen.

Sebastian Kurz beim Wirtschaftsforum Neu Denken im Gespräch mit Sabine Christiansen. / Plattes Group

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Patrick Schirmer Sastre

Patrick Schirmer Sastre

Zehn Jahre lang war Sebastian Kurz zunächst als Staatssekretär, später als Außenminister und Bundeskanzler in der österreichischen Regierung aktiv. 2021 zog er sich zurück. 2022 stieg er beim israelischen Cybersicherheit- und KI-Unternehmen Dream Security ein und ist mittlerweile vor allem als Unternehmer in Europa und im Nahen Osten aktiv. Am Freitag (29.5.) war der 39-Jährige beim Wirtschaftsforum Neu Denken auf Mallorca zu Gast. Die MZ sprach mit ihm im Anschluss an seinen Vortrag.

In letzter Zeit ist es in Mode gekommen, auf die Politik zu schimpfen, wenn es in der Wirtschaft nicht läuft. Was geht Ihnen als erfahrenem Politiker durch den Kopf, wenn Sie das hören?

Ich glaube, es gibt nicht die Politik auf der einen und die Menschen auf der anderen Seite. Das sind kommunizierende Gefäße. Immer mehr Menschen wird in den nächsten Jahren bewusst werden, dass die Veränderung, die da auf uns zukommt, eine ganz gravierende ist. Dass die künstliche Intelligenz fast alle Bereiche der Wirtschaft massiv verändern wird. Und gleichzeitig wird der Wettbewerb mit China und anderen Teilen der Welt in der Industrie immer größer werden. Was es braucht, ist ein gemeinsames Wollen, um diesen Kampf nicht zu verlieren. Und ich hoffe sehr, dass irgendwann in der Politik, in der öffentlichen Debatte und auch in der Bevölkerung das Bewusstsein geschaffen wird, dass ein Sozialstaat, wie wir ihn kennen, ohne starke Wirtschaft bald nicht mehr vorhanden sein wird.

Was sind Ihrer Ansicht nach die wichtigsten Voraussetzungen, damit Europa wettbewerbsfähig bleibt?

Ein ganz zentraler Punkt sind die hohen Arbeits- und Lohnkosten, aber auch die Energiekosten in Europa. Insofern muss es gelingen, in allen anderen Bereichen besser zu sein als andere. Wir haben zudem ein viel zu hohes Ausmaß an Regulierung, die Vielen die Freude und Begeisterung an Innovation nimmt.

Hat Europa sich zu lange auf seinem Wohlstand ausgeruht?

Ja, wahrscheinlich. Und ich glaube, dass man lange Zeit einfach geglaubt hat, dass dieser Wohlstand etwas Gottgegebenes ist, dass Europa auf diesem Level Bestand haben wird. In den letzten Jahren merken immer mehr Menschen, dass das eben nicht der Fall sein wird, dass unser System auf Dauer nicht so funktionieren wird.

Braucht es mehr Unternehmer in der Politik, um mehr Innovationsgeist in politische Entscheidungen zu bringen?

Wir haben in der Zeit unserer Regierung sehr viele Menschen von außerhalb der Politik geholt. Teilweise als Minister, aber auch in anderen Funktionen. Davon haben wir sehr profitiert. Der Austausch ist wichtig, damit Politik und Wirtschaft nicht als getrennte Systeme existieren.

Was haben Sie als Unternehmer gelernt, das Sie als Politiker gerne früher gewusst hätten?

Tatsächlich fühle ich mich nun in vielem bestätigt, wofür ich als Politiker gekämpft habe, insbesondere etwa, was aus unternehmerischer Sicht den Kampf gegen Bürokratie und Regulierung angeht.

Sie sind mittlerweile KI-Unternehmer. Der Papst hat sich kritisch mit den möglichen Folgen künstlicher Intelligenz auseinandergesetzt. Beeinflusst das Ihre Arbeit oder Ihren Blick auf KI?

Bei jeder großen und historischen Transformation ist es richtig und sinnvoll, sich auch damit auseinanderzusetzen, was die Risiken vor allem einer falschen Verwendung sind. Und natürlich gibt es diese Risiken und Gefahren im Bereich der künstlichen Intelligenz. Ich denke aber, dass es in Europa jetzt wichtig ist, vor allem über die Vorteile zu reden. Dass wir uns auf die Produktivitätssteigerung und auf die neuen Möglichkeiten fokussieren. Wenn wir das nicht tun, dann werden wir wirtschaftlich bald völlig abgehängt sein.

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