"Es wird ein schwieriger Sommer": Veranstalter der geplanten Großdemo gegen Auswüchse des Massentourismus machen mobil
Mehr als 50 Organisationen rufen für den 26. Juli zu einer großen Demonstration gegen Massentourismus in Palma auf. Auch im Vorhinein soll es Proteste geben

Aktivisten des Bündnisses Menys Turisme, Més Vida am Sonntagmittag (7.6.) vor Palmas Kathedrale / Guillem Bosch
Alles ist bereit für die große Demonstration gegen die Auswüchse des Massentourismus, zu der das Bündnis Menys Turisme Més Vida für den 26. Juli in Palma aufruft. Inmitten zahlreicher Touristen und mit drei großen Kreuzfahrtschiffen im Hintergrund erläuterten die Organisatoren am Sonntagmittag (7.6.) vor Palmas Kathedrale die Gründe für den geplanten Protest. Mehr als 50 Organisationen rufen die Bevölkerung dazu auf, sich Ende kommenden Monats zu mobilisieren und Palma „lahmzulegen“. „Es wird ein schwieriger Sommer für die Mallorquiner. Wir müssen das Recht verteidigen, auf einer Insel zu leben, die zu einem Themenpark geworden ist.“
Autolimit nur "leere Ankündigung"
Menys Turisme Més Vida, vertreten durch die Aktivisten Dani Comas und Cristina Vaquero, bezeichnete die Tourismussaison 2026 als besonders entscheidend. Es sei die letzte vor den für Mai 2027 erwarteten Wahlen. Zugleich machten sie sowohl Balearenpräsidentin Marga Prohens als auch Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez für die zunehmende Überlastung der Insel verantwortlich. Beide betrieben eine Politik der „falschen Begrenzung“.
„Die Regierungen von Llorenç Galmés, Marga Prohens und Pedro Sánchez setzen weiter auf touristisches Wachstum, Werbung und Deregulierung, um wirtschaftliche Interessen zu begünstigen. Gleichzeitig leidet die einheimische Bevölkerung unter einer beispiellosen Wohnraumkrise und einer fortschreitenden Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen“, kritisierte die Plattform. Das angekündigte Gesetz zur Begrenzung der Fahrzeugzahl auf der Insel bezeichnete sie als „leere Ankündigung“.
Sorge vor Kollaps zur Sonnenfinsternis
Begleitet wurden die Organisatoren bei der Pressekonferenz unter anderem von Vertretern von Gewerkschaften, Aktivisten, Politikern und Umweltorganisationen. Sie warnten außerdem vor den Folgen der totalen Sonnenfinsternis am 12. August für Mallorca. Das Ereignis habe bereits dazu geführt, dass viele Hotels für diesen Zeitraum ausgebucht seien. „Die Sonnenfinsternis wurde von der Tourismusindustrie als Geschäftsmöglichkeit in ihre Werbemaschinerie aufgenommen. Es ist absehbar, dass dadurch sämtliche Grenzen der Belastbarkeit überschritten werden – in Hotels, auf Straßen und im öffentlichen Raum“, erklärten sie.
Gleichzeitig wiesen die Organisatoren Versuche zurück, das gesellschaftliche Unbehagen über den Massentourismus durch reaktionäre Diskurse auf „falsche Schuldige“ zu lenken, während die wirtschaftlichen Interessen der Verantwortlichen geschützt würden. Die Plattform kündigte einen „kämpferischeren“ Sommer an. Vor der Demonstration am 26. Juli um 19 Uhr auf der Plaza España sollen weitere Aktionen gegen die Überlastung folgen.
Wohnraumkrise als größtes Problem
Nach Ansicht der Organisatoren beschränkt sich der Unmut längst nicht mehr auf die Sommermonate. Täglich gebe es Nachrichten über die Zerstörung des Territoriums, überlastete öffentliche Dienste, die Wohnraumkrise, den Kollaps der Infrastruktur und die wachsende Schwierigkeit, sich auf Mallorca ein Leben aufzubauen. „Diese Probleme werden nicht mehr als Einzelfälle wahrgenommen, sondern als direkte Folge eines Wirtschaftsmodells, das touristisches Wachstum zum Selbstzweck gemacht hat“, hieß es.
Menys Turisme Més Vida verwies zudem auf die Folgen des Massentourismus für den Wohnungsnotstand. Die Plattform warnte vor einer „Entführung“ des Wohnungsbestands durch Geierfonds und Ferienvermietungen, die die Preise in die Höhe trieben. „Touristen und Expats kaufen Luxusimmobilien oder wohnen darin nur zweitweise und verschwenden unsere Ressourcen, während Menschen, die im Tourismussektor arbeiten, gezwungen sind, in Wohnmobilen, Zelten oder Baracken ohne Wasser und Strom zu leben“, erklärte das Bündnis.
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