Nach Ankündigung von Großdemo: Mallorcas Hoteliers weisen Kritik am Tourismus zurück
Javier Vich, Präsident der Fehm, betont, dass Defizite bei Wohnraum und Infrastruktur auf mangelnde Planung in den vergangenen Jahrzehnten zurückzuführen seien

Fehm-Chef Javier Vich und seine Stellvertreterin Maria José Aguiló. / Fehm
Die Ankündigung einer neuen Demonstration gegen die touristische Überlastung auf Mallorca hat die Debatte über das Wirtschaftsmodell der Insel neu entfacht. Die Plattform Menys Turisme, Més Vida hat für den 26. Juli erneut zu einer Kundgebung aufgerufen. Sie will damit auf die Folgen des touristischen Wachstums für Wohnraum, Mobilität und den Zugang zu den Ressourcen der Insel aufmerksam machen.
Die Hoteliersvereinigung Fehm weist die Darstellung zurück, wonach der Tourismus hauptverantwortlich für diese Probleme sei. Bei der Vorstellung einer neuen Kampagne zur Begrüßung von Urlaubern sagte der Präsident des Hotelverbands, Javier Vich, er habe „größten Respekt“ vor den Menschen, die an der Demonstration teilnehmen würden. Zugleich kritisierte er, dass der Tourismussektor zunehmend zum „Boxsack“ für Forderungen werde, die seiner Ansicht nach eigentlich andere Ursachen hätten.
Kritik auf tatsächliche Ursachen lenken
Viele Proteste, die sich mit Themen wie Wohnraum oder Mobilität befassten, richteten sich am Ende gegen den Tourismus, sagte Vich. „Wir sehen Demonstrationen, die wegen Fragen des Destinationsmanagements wie Wohnraum oder Mobilität einberufen werden, aber am Ende lautet die werbewirksame Schlagzeile der Demonstration dann doch: Tourismussektor.“ Nötig sei es, die Botschaften besser auszurichten und die Kritik auf die tatsächlichen Ursachen zu lenken.
Aus Sicht der Fehm sind Defizite bei Wohnraum, Infrastruktur und öffentlicher Ausstattung vor allem auf mangelnde Planung in den vergangenen Jahrzehnten zurückzuführen. „Wenn wir ein Defizit an Wohnungen oder Infrastruktur haben, etwa bei Parkplätzen in Palma, dann geht das auf ein Defizit an Handeln in den vergangenen zwanzig Jahren zurück“, sagte Vich. Es sei daher „nicht fair, dem Tourismus die Schuld für eine fehlende Planung durch Verwaltungen zu geben, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten das Sagen hatten“.
Ein wesentlicher Teil des gesellschaftlichen Unbehagens habe laut Vich damit begonnen, dass Urlauber nicht mehr nur in den klassischen touristischen Zonen und Hotels untergebracht seien, sondern zunehmend in Wohngebieten. „Als wir begannen, Nutzungsänderungen vorzunehmen, und plötzlich dort Urlauber sahen, wo es vorher keine gab, entstand dieses Gefühl, dass es immer mehr Touristen werden“, sagte er. Das traditionelle Hotelmodell habe die touristische Aktivität besser geordnet und Konflikte im Zusammenleben verringert. „Gesegnet war die Zeit, in der die Urlauber in den Hotels unterkamen, denn die Hotels sind genau zu diesem Zweck entstanden“, so Vich.
Das Problem der Ferienvermietung
Die FEHM sieht deshalb wenig überraschend das Wachstum der Ferienvermietung kritisch. Die Ausweitung touristischer Unterkünfte außerhalb der klassischen Beherbergungsbetriebe habe dazu geführt, dass sich Besucher stärker in Wohngebieten verteilten. Hinzu komme ein illegales Angebot, dessen Umfang nach Angaben des Verbands weiterhin unbekannt sei. „Wir wissen nicht, wie viele illegale Plätze es tatsächlich gibt“, sagte Vich.
Der Hotelverband fordert deshalb mehr Kontrollen und eine entschlossenere Bekämpfung illegaler Angebote. Dabei gehe es nicht nur um Wettbewerb zwischen Unternehmen, sondern auch um die Sicherheit der Gäste. „Man muss das illegale Angebot angreifen. Es ist ein Sicherheitsproblem“, sagte Vich. Zugleich müsse sichergestellt werden, dass regulierte Anbieter die vorgeschriebenen Mindeststandards erfüllten.
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