Die Insel hat ihren nächsten "Was auf Mallorca passiert, bleibt auf Mallorca"-Skandal
Ein riesiges Banner an einem Hotel in Cala Ratjada sorgt diesmal für Ärger. Die Bürgermeisterin von Capdepera hat die Faxen dicke und lädt Tourismusbranche und Vertreter des Nachtlebens zu einem Runden Tisch ein

Ziel von trinkfreudigen Abschlussfahrten und Sportmannschaften: die Cala Agulla. / Miquel Ángel Dora
Eigentlich hätten die Verantwortlichen des Hotels in Cala Ratjada im Nordosten von Mallorca gewarnt sein müssen: Überdimensionierte Banner an Fassaden anbringen und darauf unzweideutige Botschaften für Sauftourismus in die Welt hinauszusenden, kommt auf Mallorca nicht gut an.
Das hat schon die Sparkassen-Gruppe mit ihrem Plakat am Flughafen und der Aufschrift "Was auf Mallorca passiert, wird auf Malle beglichen" zu spüren bekommen. Diesmal hat es ein Hotelier in der Urlauberhochburg in der Gemeinde Capdepera zu bunt getrieben. Die Empörung im Ort ist riesig, die beiden Banner inzwischen wieder abgehängt.
Cala Ratjada hat die Schnauze voll
In Cala Ratjada ist man ohnehin schon Mitte Juni ziemlich genervt davon, wie die Tourismussaison gestartet ist. Den gesamten Mai über soll es bereits hoch hergegangen sein, wie es aus dem Rathaus verlautet, wie es aber auch Anwohner und Geschäftsleute bereits mehrfach kritisiert haben. Schulabschlussfahrten suchen den kleinen Ort dann heim, Sportmannschaften machen sich in der Cala Agulla breit und beschallen die gesamte Bucht mit lauter Musik.
Da waren die Banner, die in den vergangenen Tagen dann an einem Hotel auftauchten, nur die Tropfen, die das Fass zum Überlaufen brachten. Darauf stand unter anderem zu lesen "Lo que pasa en Mallorca, se queda en Mallorca", der bekannte eigentlich auf Las Vegas gemünzte Spruch (What happens in Vegas, stays in Vegas), der einen klaren Bezug zu Exzessen herstellt und eine Einladung ist, alle Hemmungen fallen zu lassen.
Banner inzwischen abgehängt
Die Banner hingen dann allerdings nicht lange, denn das Rathaus von Capdepera forderte die Verursacher dazu auf, die Schriftzüge rasch abzunehmen. Was dann auch wirklich geschah. Am Samstagmorgen waren die Banner laut Informationen der lokalen Nachrichtenplattform "Cap Vermell" bereits wieder abgehängt.
Die Debatte war aber trotzdem längst eröffnet. Der Gemeindeverwaltung reicht es ohnehin schon lange. Die neue Bürgermeisterin Núria García (Ökopartei Més per Mallorca) ruft deshalb nun zum Handeln auf.
Runder Tisch auch mit Ortspolizei und Vertretern aus Ministerien
Für den 25. Juni hat sie zu einem Runden Tisch geladen, um unter anderem mit den Akteuren aus der Tourismusbranche über die Zukunft des Ortes zu sprechen. Das Treffen trägt den Namen "Mesa para la Transformación del destino y contra el Turismos de Excesos". Eine klare Ansage für einen Wandel des Urlaubsortes und gegen den Sauftourismus.
Geladen sind zu dem Treffen neben Hoteliers und anderen Beteiligten aus der Tourismusbranche und des Nachtlebens auch die Ortspolizei, die Guardia Civil sowie Vertreter des Umwelt- und des Tourismusministeriums. Bis es zu greifbaren Ergebnissen kommt, dürfte die Tourismussaison allerdings nahezu vorbei sein - und einmal mehr den Ruf von Cala Ratjada beschädigt haben.
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