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„Spaß ja, Exzesse nein“: Reisebüro-Verband kritisiert Werbung für Abifahrten nach Cala Ratjada

Aviba-Präsident Pedro Fiol kritisiert aggressive Marketingkampagnen von Festlandagenturen, die Mallorca als Ziel ohne Einschränkungen bewerben

Spanische Abiturienten im Jahr 2022 auf Mallorca.

Spanische Abiturienten im Jahr 2022 auf Mallorca. / DM

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Aviba, der Verband der Reiseagenturen der Balearen, zeigt sich besorgt darüber, wie Cala Ratjada als Ziel für Abifahrten beworben wird. Dabei geht es um Botschaften, die auf fehlende Einschränkungen oder die Möglichkeit anspielen, das sogenannte Exzessgesetz zu umgehen.

Aviba-Präsident Pedro Fiol reagierte damit auf die Kampagne einer Reiseagentur vom spanischen Festland. Diese betonte unter anderem, dass Cala Ratjada „nicht unter das Anti-Exzess-Gesetz“ fällt. Deshalb könne man dort „echtes All-inclusive“ anbieten. „Das eine ist, eine jugendliche Sprache zu verwenden, um 17- oder 18-jährige Schüler anzusprechen. Etwas ganz anderes ist es, das Fehlen von Grenzen zu einem Verkaufsargument zu machen“, erklärte Fiol. Da an vielen dieser Reisen auch Minderjährige teilnähmen, sei die Verantwortung von Reiseagenturen, Veranstaltern, Unterkünften und weiteren Beteiligten besonders groß.

Nach Angaben des Aviba-Präsidenten hat sich ein Teil der Vermarktung von Schülerreisen nach Mallorca in den vergangenen Jahren zu Agenturen vom Festland verlagert. Diese hätten gegenüber balearischen Unternehmen Marktanteile gewonnen, auch wegen deutlich aggressiverer Marketingkampagnen. Fiol betonte zugleich, die Reiseagenturen der Balearen hätten Mallorca nie als Exzessziel darstellen müssen, um solche Reisen zu verkaufen.

"Immense Mehrheit der Schüler vernünftig"

Aviba vermeidet es jedoch, das Verhalten der Jugendlichen zu verallgemeinern. Die „immense Mehrheit“ der Schüler verhalte sich vernünftig, sagte Fiol. In vielen Fällen zeigten sie sogar mehr Verantwortungsbewusstsein als manche Werbebotschaften, mit denen sie angelockt würden. Ein großer Teil der Veranstaltungen und Aktivitäten im Zusammenhang mit den Reisen finde zudem innerhalb der Hotelanlagen statt. Das ermögliche eine geordnetere Betreuung der Gruppen und könne dazu beitragen, Zwischenfälle im öffentlichen Raum zu verringern.

Fiol wies außerdem darauf hin, dass die Bedeutung dieses Segments auf Mallorca in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen sei. Abifahrten machten derzeit nur noch etwa die Hälfte des Volumens aus, das vor 20 Jahren erreicht worden sei. Das liege nach seiner Einschätzung nicht an einem ausdrücklichen Verbot, sondern an der Entwicklung des touristischen Angebots auf der Insel. Andere Segmente seien rentabler, zudem werde das verfügbare Unterkunftsangebot für solche Gruppen immer begrenzter.

"Nicht auf rechtliche Ebene beschränken"

Der Verbandchef wollte nicht bewerten, ob dabei gegen Vorschriften verstoßen wurde. Das sei Aufgabe der zuständigen Behörden, sagte Fiol. Zugleich betonte er, die große Mehrheit der Anbieter in diesem Segment halte sich nach Kenntnis des Verbands an die Vorschriften für Pauschalreisen und an die jeweiligen Verpflichtungen. Fiol warnte jedoch davor, die Debatte allein auf die rechtliche Ebene zu beschränken. „Das eine ist die Legalität, etwas ganz anderes ist die Botschaft, die vermittelt wird“, sagte er. Aviba sehe es mit Sorge, wenn Mallorca oder Cala Ratjada als Ziele „außerhalb des Anti-Exzess-Gesetzes“ oder als Orte beworben würden, an denen scheinbar alles erlaubt sei.

Fiol sprach sich dafür aus, Abifahrten weiterhin zu ermöglichen, allerdings ohne Werbung, die auf Exzesse setzt. „Unsere Botschaft ist klar: Spaß ja, Exzesse nein; Abifahrten ja, aber immer mit Respekt vor dem Reiseziel, den Anwohnern und dem Image Mallorcas“, sagte Fiol. Sollte es zu einem Rechtsverstoß gekommen sein, müsse „das gesamte Gewicht der geltenden Vorschriften“ zur Anwendung kommen.

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