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„Es geht nur noch um Bier, Musik, Adrenalin und Instagram“: Mallorcas Boots-Charter-Unternehmen schlagen Alarm

Nach mehreren Bränden, Untergängen und Kollisionen fordert die Charterbranche auf den Balearen härtere Regeln - und sieht eine gefährliche Tendenz

Der Verband der Bootscharter auf den Balearen fordert strengere Anforderungen für den Erwerb eines Bootsführerscheins

Der Verband der Bootscharter auf den Balearen fordert strengere Anforderungen für den Erwerb eines Bootsführerscheins / Guillem Bosch

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Mehr Party, mehr Randale, mehr Rücksichtslosigkeit - und das auf offenem Meer: Der Verband der balearischen Boots-Charter-Unternehmen AECIB beobachtet diesen Trend rund um Mallorca mit Sorge. Der Vorsitzende Pedro Francisco Gil hat jetzt eine Verschärfung der Prüfungen für Bootsführerscheine gefordert. Denn nicht selten ständen sogar Menschenleben auf dem Spiel.

„Auf dem Meer geht es heute oft nur noch um Bier, Musik, Adrenalin und Instagram“, kritisierte Gil. In den vergangenen 15 Tagen habe es auf den Inseln vier Brände auf Booten, fünf Untergänge, mehrere Kollisionen, Diebstähle an irregulären Ankerplätzen, Plünderungen gesunkener Boote und zahlreiche Strandungen gegeben. Besorgniserregend sei auch der Trend, dass es vielen Menschen nur noch um Posts bei Instagram und Co. ginge. Manche sähen sogar Wracks als Gelegenheit, Likes in sozialen Netzwerken zu bekommen.

Als Beispiele nannte Gil den Diebstahl eines Bootes in Santa Ponça, den Brand eines Segelboots im Hafen von Palma, einen Yachtunfall an einer Steilküste von s’Espalmador auf Formentera sowie mehrere gesunkene Boote.

"Gefahr für Menschenleben"

Pedro Francisco Gil, Vorsitzender der Vereinigung der Charterunternehmen AECIB

Pedro Francisco Gil, Vorsitzender der Vereinigung der Charterunternehmen AECIB / AECIB

Der Vorsitzende des Boots-Charter-Verbands sieht eine gefährliche Entwicklung. „Man verliert den Respekt vor dem Meer“, sagte er. Das Meer sei „der beste Richter, den es gibt“. Je nachdem, wie man sich verhalte, könne die Lage schnell außer Kontrolle geraten. Mit Blick auf die laufende Tourismussaison und die kommenden Sommer fürchte Gil, „dass das explodiert“. Es gehe um Menschenleben.

Früher hätten sich nautische Werte von Generation zu Generation weitergegeben, sagte der Vorsitzende von Aecib. Dazu hätten vor allem Respekt vor dem Meer und Wissen über die Risiken gehört. Heute hörten viele Neueinsteiger, unabhängig vom Alter, nicht mehr zu. Sie orientierten sich an dem, was sie in sozialen Netzwerken sähen, und handelten verantwortungslos.

Unterstützung erhält Gil von José María Jiménez, dem Präsidenten des Verbands der Unternehmen im maritimen Sektor APEAM. Durch die Popularisierung der Nautik sei der Bereich voll von „sehr unbewussten Menschen“, die eigentlich keine Bootsfahrer seien. Man sehe jeden Tag Dinge, „die nicht dem gesunden Menschenverstand entsprechen“.

Forderung nach praktischen Prüfungen

AECIB fordert deshalb strengere Regeln für den Erwerb nautischer Titel. Derzeit müssten angehende Bootsführer je nach Bootstyp vor allem theoretische Kenntnisse und eine bestimmte Zahl an Fahrstunden nachweisen. Eine praktische Prüfung, mit der die tatsächlichen Fähigkeiten überprüft werden, gebe es nicht, kritisierte Gil.Er verglich die Lage mit einem Autoführerschein, der ohne praktische Prüfung vergeben würde.

Durch die Verschärfung sollen Todesfälle vermieden werden. Sein Verband fordere dies seit längerem bei der Generaldirektion der Handelsmarine im spanischen Verkehrsministerium.

Gil verlangt außerdem gleiche Anforderungen für Boote unter ausländischer Flagge und unter spanischer Flagge. Er regte auch eine einheitliche europäische Flagge sowie europäische Freizeit- und Berufstitel für den Wassersport an.

Kritik an fehlender Professionalität im Chartersektor

Laut dem Verband der Bootscharter-Unternehmen kommt es zu immer mehr Vorfällen auf dem Meer

Laut dem Verband der Bootscharter-Unternehmen kommt es zu immer mehr Vorfällen auf dem Meer / Manu Mielniezuk

Der AECIB-Vorsitzende fordert zudem eine stärkere Professionalisierung des Chartersektors. Rund 80 Prozent der Menschen, die auf dem Meer arbeiteten, seien Selbstständige. Das allein belege aber nicht, dass sie gute Fachleute seien, sagte Gil. Wer den nautischen Sektor betreibe, müsse ihn zuerst kennen.

Gil plädierte dafür, Unternehmen stärker zu würdigen, die mit Respekt, Verantwortung und Professionalität arbeiteten. Er hält es für widersprüchlich, dass spanische Unternehmen stärker kontrolliert würden als Anbieter unter ausländischer Flagge.

Zudem forderte Gil mehr Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor. Die Balearen lebten nicht vom Tourismus, sondern von ihrer Natur, sagte er. Gerade diese Natur ziehe die Besucher an. Deshalb müsse man die Inseln schützen und gegen Eindringlinge im Sektor vorgehen.

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