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Deutsche Nachbarn auf Mallorca zeigen illegale Ferienwohnung an - und nichts tut sich

Die Anwohner sind von den ständig wechselnden Urlaubern genervt. Der Eigentümer der Ferienwohnung stellt auf Durchzug. Und der Inselrat kommt nicht in die Gänge

Ein solches Schild würde wahrscheinlich im vorliegenden Fall kaum einen Unterschied machen.  | FOTO: CATI CLADERA/EFE

Ein solches Schild würde wahrscheinlich im vorliegenden Fall kaum einen Unterschied machen. | FOTO: CATI CLADERA/EFE

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Johannes Krayer

Johannes Krayer

Die illegale Ferienvermietung auf Mallorca bleibt ein Dauerthema. Der Inselrat hat in den vergangenen Jahren viel Wert darauf gelegt, öffentlich den Eindruck zu vermitteln, dass konsequent gegen Vermieter vorgegangen wird, die ihre Wohnungen Urlaubern widerrechtlich zur Verfügung stellen. In der Praxis stellt sich den Nachbarn von illegal vermieteten Wohnungen allerdings immer wieder die Frage, wie ernst es die Behörden mit der Verfolgung der Anbieter ohne Lizenz tatsächlich meinen.

So haben sich nun deutsche Anwohner einer offensichtlich illegalen Ferienwohnung in der Gemeinde Alcúdia an die Mallorca Zeitung gewandt, weil aus ihrer Sicht der Inselrat nicht in die Gänge kommt. Es geht dabei um den Fall eines Vermieters - laut dem Anwohner Ulf Kreuzer (Name geändert), ein Mallorquiner - der in einer Hausgemeinschaft mit fünf Wohnungen zwei davon an Urlauber vermietet.

Urlauberin an der Playa de Alcudia im Oktober 2023 (Symbolbild).

Urlauberin an der Playa de Alcudia im Oktober 2023 (Symbolbild). / Nele Bendgens

Zwei Wohnungen, nur eine Lizenz

Kreuzer lebt mit seiner Familie seit 2024 dauerhaft in dem Mehrfamilienhaus und hatte dort bereits seit 2020 zeitweise gewohnt. Er sowie andere Nachbarn aus der Umgebung stören sich schon seit Längerem an der illegalen Ferienwohnung. „Eine der Wohnungen hat keine Lizenz, die andere hat erst seit 2024 eine, wurde aber auch bereits davor vermietet“, berichtet Kreuzer. Auch bezüglich der Wohnung, die inzwischen eine Vermietungslizenz besitzt, sei der Vermieter nicht auf die Nachbarn zugegangen, um ihr Einverständnis für eine Vermietung einzuholen. Das ist auf den Balearen vorgeschrieben.

Seit Jahren liegt die Familie Kreuzer mit dem Vermieter im Clinch. Auch weil die Feriengäste sich laut Ulf Kreuzer regelmäßig am Eigentum der Familie zu schaffen machen oder es nutzen. So soll beispielsweise eine Gruppe Fahrradurlauber eines der Räder der Familie, das vor der Haustür in einem separaten und abgeschlossenen Eingangsbereich geparkt war, entwendet, im angrenzenden Garten der Ferienwohnung abgestellt und auch benutzt haben.

Vermieter soll versucht haben, den Anwohner zu erpressen

Im August 2024 wurde dann das neue Auto der Familie Kreuzer in der Garage von anderen Feriengästen zerkratzt, die Dashcam habe das damals aufgezeichnet, so Kreuzer. „Der Vermieter sagte uns zu, dass er für den Schaden aufkommen würde, knüpfte seine Zusage später aber an die Bedingung, dass wir künftig die Vermietung an Feriengäste tolerieren würden. Das haben wir natürlich abgelehnt.“

Für Kreuzer kommt hinzu: Er ist in der Hausgemeinschaft fast der Einzige, der sich gegen die illegale Vermietung wehrt. Es gebe noch einen russischen und einen mallorquinischen Eigentümer, der russische sei allerdings nur zwei Wochen im Jahr vor Ort und mische sich deshalb nicht ein. Der mallorquinische Eigentümer lebe ganzjährig dort, habe aber offensichtlich kein Interesse, einen Konflikt mit dem Vermieter zu riskieren.

Legale Ferienvermietungen auf Mallorca bekommen so ein Schild.

Legale Ferienvermietungen auf Mallorca bekommen so ein Schild. / DM

Auch eine Nachbarin erstattete Anzeige

Ulf Kreuzer ist nicht tatenlos geblieben, sondern setzte sich im August 2024 erstmals mit dem Inselrat von Mallorca in Verbindung, um die illegale Vermietung anzuzeigen. Im Frühjahr 2025 zeigte eine weitere Nachbarin die Vermietung an. Der Vorwurf der beiden Deutschen: Der Vermieter der beiden Wohnungen nutze die Lizenz der einen Wohnung für beide Wohnungen.

Der Unternehmer aus Inca ist bereits strafrechtlich verurteilt worden. Vor sieben Jahren wurde er von einem Gericht in Palma zu einem Jahr Haft verurteilt, weil er abgelaufene Fleisch- und Wurstwaren umetikettiert und weiterverkauft hat. Der Unternehmer räumte die Vorwürfe damals ein und zahlte schließlich 28.000 Euro Entschädigung wegen eines Vergehens gegen die öffentliche Gesundheit.

Rollkoffer in Palmas Innenstadt werden ein immer vertrauteres Bild.

Urlauber mit Rollkoffern in der Innenstadt von Palma / Foto: G. Bosch

5.000 Euro die Woche

Mit dem Vermieter zu sprechen, ergebe keinen Sinn, sagt Ulf Kreuzer. Für den Mallorquiner sei die Vermietung eine lukrative Einnahmequelle. Kreuzer schickt der Mallorca Zeitung Screenshots eines Inserats bei Booking.com, auf denen zu sehen ist, dass die geräumige Wohnung in der Hochsaison für bis zu 5.000 Euro in der Woche angeboten wird.

Auch Stichproben der MZ zeigen, dass diese direkt am Meer gelegene Ferienunterkunft stark nachgefragt ist: Im Sommer und Herbst ist sie bei den Abfragen bereits ausgebucht. Verfügbar ist sie noch im kommenden Januar und Februar, dann für rund 2.600 Euro pro Woche.

Dem Inselrat ist der Fall bekannt

Der Inselrat von Mallorca betont, dass man keineswegs untätig geblieben sei. Eine Sprecherin des Tourismusdezernats lässt die MZ wissen, dass der Fall bekannt ist. „Wir können bestätigen, dass die Inspektionsabteilung 2026 in diesem Fall tätig geworden ist und ein Verfahren eingeleitet hat“, erklärt die Sprecherin. Ein solches Verfahren könne mit einer Sanktion enden, sollten sich die Vorwürfe bestätigen. Außerdem, so fügt die Sprecherin hinzu, habe man bereits in derselben Straße in einem anderen Objekt eine Sanktion verhängt.

Allerdings räumt sie ein, dass solche Verfahren häufig länger dauern als von Betroffenen erhofft. „Das spanische Rechtssystem ist da etwas kompliziert. Wir müssen die Schuld beweisen, nicht die Beschuldigten ihre Unschuld“, erklärt die Sprecherin.

Auf Englisch und Katalanisch. Mit diesen Hinweisen warnen Aktivisten in Santayí vor illegalen Ferienwohnungen.

Auf Englisch und Katalanisch. Mit diesen Hinweisen warnen Aktivisten in Santayí vor illegalen Ferienwohnungen. / DM

Illegale Ferienvermieter legen immer wieder Einspruch ein

Das führe zu langwierigen Verfahren. Hinzu komme, dass viele Eigentümer, die wegen illegaler Ferienvermietung eine Strafe zahlen sollen, alle Rechtsmittel ausschöpfen und immer wieder Einspruch gegen die Sanktion einlegten. Das zieht die Strafverfahren erheblich in die Länge, sodass es teilweise erst nach Jahren zu einer Zahlung der Strafe kommt.

Im konkreten Fall geht die Sprecherin davon aus, dass es sich um ein „schweres oder sehr schweres Vergehen“ handelt. Dementsprechend können Geldstrafen zwischen 5.000 und 50.000 Euro oder zwischen 50.000 und 500.000 Euro verhängt werden. „Das entscheiden am Ende die Sachbearbeiter.“ Die Sanktion würde den Eigentümer auch verpflichten, die illegale Vermietung unverzüglich einzustellen. Kommt er dem nicht nach, kann erneut ein Verfahren eröffnet werden.

Der Vermieter bestreitet alles - und droht

Der Eigentümer weist die Vorwürfe auf Nachfrage der Mallorca Zeitung zurück. „Ich weiß nicht, woher Sie das haben, aber es ist nicht wahr. Ich habe keine Ahnung, wovon Sie sprechen“, sagt er am Telefon. Dann fügt er hinzu: „Seien Sie vorsichtig, wenn Sie mich diffamieren wollen.“

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