Rückblick: Als Cala Ratjada Geschmack am Tourismus fand
Die Hoteliersvereinigung von Capdepera feiert ihr 50-Jähriges bestehen. Die Mitglieder sind zumeist Familienbetriebe – und halten bis heute zusammen. Zeit, zurückzublicken

Maria Antònia Moll von der Hoteliersvereinigung und Ministerpräsidentin Marga Prohens begrüßen Gabriel Gamundi, eines der Gründungsmitglieder des Verbands. / Matías Marín, Paulina Kaulfers
Der erste Job: Kellner in einem kleinen Hotel in Cala Ratjada, dem Hotel Castillo. Geld verdienen, Erfahrungen sammeln, von den Eltern unabhängig werden. 1960 war das und Gabriel Gamundi gerade einmal 19 Jahre alt. Dass das Hotelgewerbe einmal sein ganzes Leben und das seiner Nachkommen bestimmen würde, hätte er nicht geahnt, damals, vor 66 Jahren. Und auch nicht, dass er im Jahr 2026 einmal in feierlichem Rahmen für seine Dienste geehrt werden würde.
Feierstunde mit Ausblick
Es ist warm auf der großen Dachterrasse des Hotels Parque Nereida in Cala Ratjda, erst als die letzten Sonnenstrahlen geradezu malerisch hinter der Cala Agulla verschwinden, macht sich eine angenehme Kühle breit. Hier, auf dieser paradiesichen Aussichtsterrasse, hat sich an diesem Freitagabend (26.6.) alles versammelt, was auf Mallorca in der Tourismuswelt Rang und Namen hat. Die balearische Ministerpräsidentin Marga Prohens ist gekommen, Inselratspräsident Llorenç Galmés erreicht das Event mit Verspätung, auch die Riege des Rathauses von Capdepera ist hier. Und natürlich die Hauptpersonen: Hoteliers aus Capdepera und Umgebung, die geladen haben, um das 50-jährige Bestehen ihrer lokalen Hoteliersvereinigung Asociación Hotelera Cales de Capdepera zu feiern.

Vor der Kulisse der Cala Agulla feierten die Hoteliers mit geladenen Gästen das 50. Jubiläum ihrer Vereinigung / Cap Vermell
Gabriel Gamundi hört ihren Reden zu, lächelt manchmal, wirkt stellenweise in Gedanken versunken. Als er nach vorne gerufen wird, um die Ehrung entgegenzunehmen, die er als einer der Gründer der Vereinigung erfährt, wirkt er stolz.
Hochgearbeitet
Bereits seine Vorfahren seien tief mit Capdepera verbunden gewesen, berichtet er später der MZ. Sein Großvater sei Töpfer gewesen, einige andere Familienmitglieder Fischer. Dass er selbst es einmal zum Hotelier schaffen würde, kam für viele überraschend. „Nach meinem ersten Job als Kellner gefiel mir die Welt des Tourismus“, sagt Gamundi. An einer Tourismusschule in Palma vertiefte er sein Wissen, arbeitete sich dann in Cala Ratjada hoch. Zum Hoteldirektor, dann zum Eigentümer des Hotel Baviera. „Es war mutig“, sagt er. Aber auch genau das Richtige.
Noch immer lässt sich der 85-jährige täglich im Baviera blicken, obwohl er die Leitung mittlerweile in die Hände seiner Kinder gelegt hat. Als er vor 50 Jahren gemeinsam mit 30 anderen Hoteliers aus dem Ort die Vereinigung gründete, sei Cala Ratjada noch ganz anders gewesen. „Mit dem, wie es heute ist, hatte es wenig zu tun.“ Nicht nur dass das Dorf sich hauptsächlich auf den Bereich um den Hafen erstreckte. Auch der Tourismus sei noch ein ganz anderer gewesen. Begeisterungsfähiger.
Früher war mehr Begeisterung
Das empfindet auch Jorge Galmés so, eines der weiteren Gründungsmitglieder der Hoteliersvereinigung, die an diesem Abend zur Feierstunde geladen sind. „Damals war die Stimmung anders, die Urlauber kamen hierhin und fanden alles schön. Sie waren mit allem zufrieden. Eine schöne Zeit“, sinniert er. Genau wie Gabriel Gamundi kann auch Jorge Galmés trotz des Ruhestands noch nicht ganz abschalten und schaut seinen Kindern, die mittlerweile das Lago Garden und weitere Familienhotels im Ort führen, weiter über die Schulter. In seinem Fall hatte bereits sein Vater Anfang der 50er-Jahre Hotels eröffnet, er selbst kaufte weitere dazu. Ein gutes Auskommen für seine Nachkommen, aber auch ein emotionales Lebenswerk, auf das er nun zurückblickt. Es zu schaffen, die steigenden Ansprüche der Urlauber zu befriedigen, gehöre dazu.

Barkeeper in den Anfangszeiten der 1976 gegründeten Hoteliersvereinigung. / Foto aus dem Buch "Fotografies del Senyors d'Ahir"
Dass die Nachfrage nach Urlaub in Cala Ratjada seit der Gründung der Vereinigung 1976 bis heute ungebrochen ist, betont auch Maria Antònia Moll in ihrer Rede mehrfach. Die aktuelle Vorsitzende der Hoteliersvereinigung setzt sich derzeit für 78 Hotelbetriebe im Gemeindegebiet Capdepera ein. „Die meisten davon Familienbetriebe. Wir stehen enger zusammen denn je“, sagt Moll.
Kein Wunder: Die vergangenen Jahrzehnte haben nicht nur Probleme und Herausforderungen für die Hotelbranche mit sich gebracht, wie beispielsweise die Pandemie oder das veränderte Reiseverhalten durch Internet und Social Media, sondern auch Höhepunkte wie das Davis-Cup-Spiel Deutschland gegen Spanien 1997, als die Tenniswelt nach Cala Ratjada blickte. Immer mehr Hotels würden heute hohen qualitativen Ansprüchen gerecht.
Neue Herausforderungen
„Man kann die jüngere Entwicklung Capdeperas ohne die Hoteliers kaum erzählen“, so die linksgrüne Bürgermeisterin Núria Garcia. Doch natürlich sind es nicht die Unterbringungen allein, die die Menschen anziehen. Gleichzeitig sei es vor allem der Ort, der die Menschen begeistere – und das bringe noch ganz andere Herausforderungen mit sich als noch vor 50 Jahren. „Es geht nicht mehr darum, die Menschen von Cala Ratjada zu überzeugen. Stattdessen müssen wir bewahren, was diese Gemeinde einzigartig macht: die Kultur, die Landschaft, die Traditionen“, mahnt Garcia.
Das finden auch Hoteliers wie Gabriel Gamundi. Mallorcas Osten sei ein besonderes Urlaubsziel. Bodenständig und erhebend zugleich. Heute genau wie damals.
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