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In Bauerntracht und mit Totenkopfmaske: Mallorcas stille Kämpferin gegen den Massentourismus hat die Schnauze voll

Halb Bauersfrau, halb Totenkopf. Still protestiert die Kunstfigur Madó Farta gegen den alltäglichen Wahnsinn auf Mallorca. Was steckt dahinter?

„Überfülltes Mallorca, vertriebene Anwohner“: Madó Farta bei einem ihrer Auftritte.

„Überfülltes Mallorca, vertriebene Anwohner“: Madó Farta bei einem ihrer Auftritte. / F.: MORA

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Madó Farta schreit nicht. Madó Farta, „Doña, ich bin’s satt“, so die Übersetzung ihres Namens, sperrt keine Straßen, unterbricht nichts, braucht kein Megafon. Sie erscheint einfach. Sie stellt sich schweigend zwischen Koffer, voll besetzte Café-Terrassen und auf überfüllte Plätze. Manchmal geht sie zwischen Urlaubern hindurch, die nicht recht verstehen, was sie da sehen; manchmal muss sie sich von betrunkenen Partygängern anpöbeln lassen. Doch genau darin liegt die Kraft der Figur: in dieser stillen, unbequemen und schwer zu ignorierenden Präsenz, die sie unter @mado_farta auch in die sozialen Medien trägt. Die Frau mit Totenkopfgesicht in der typisch mallorquinischen Bauerntracht stellt eine Frage: Was wird von der Insel bleiben, wenn wir weiterleben, als wäre deren Ressourcen unendlich? Die MZ-Schwesterzeitung „Diario de Mallorca“ hat mit der anonymen Schöpferin der Kunstfigur gesprochen, die am Sonntag auch bei den Protesten am Es Trenc aufgetreten ist.

Wie ist Madó Farta entstanden?

Madó Farta entstand nicht aus einer vorgefassten Idee heraus. Sie entstand aus Situationen, die ich erlebt habe und die mich denken ließen, dass etwas nicht stimmt. Eine der ersten war ein Ausflug nach Andratx und Sa Mola. Auf dem Weg dorthin sah ich ununterbrochen Kräne und riesige Häuser, die direkt am Meer klebten. Als ich ankam, hatte ich das Gefühl, an einen völlig anderen Ort geraten zu sein: Luxusautos mit ausländischen Kennzeichen, Baufirmen und Immobilienentwickler von außerhalb und viele Menschen auf der Straße, die nicht unsere Sprache sprachen. Es war ein seltsames Gefühl, als wäre ich plötzlich in einem anderen Land. Ein anderes Mal ging ich um sechs Uhr morgens an der Playa de Palma spazieren. Ich hatte erwartet, dort Ruhe zu finden, aber was ich sah, war eine Promenade voller Menschen, die noch vom Feiern kamen, und überall lag Müll auf dem Boden. Während ich das betrachtete, kam ein Polizist auf mich zu und wies mich darauf hin, dass ich eine Strafe bekommen könnte, wenn ich meinen Hund nicht anleine. Als ob das in der Situation das Wichtigste wäre. Aus solchen Erlebnissen entstand Madó Farta. Sie ist die Stimme einer Mallorquinerin, die ihre Heimat liebt und die Müdigkeit, die Ohnmacht und die Widersprüche ausdrückt, die viele von uns empfinden.

Warum eine Bäuerin mit Totenkopfgesicht?

Die Bäuerin steht für die Wurzeln, für das Mallorca, das wir geerbt haben, für die Kultur, die Sprache und eine Art, das Leben zu verstehen, die über Generationen hinweg unsere Identität geprägt hat. Der Totenkopf symbolisiert die Gefahr, dass all das verschwindet, wenn wir es nicht schützen.

Sie haben sich entschieden, anonym zu bleiben. Warum?

Madó Farta soll im Mittelpunkt stehen. Wenn meine Identität in den Vordergrund rückte, bestünde die Gefahr, dass die Botschaft durch die Person beeinflusst würde und nicht durch den Inhalt. Natürlich bietet mir die Anonymität auch einen gewissen Schutz. Wir leben in einer Zeit, in der es Folgen hat, bestimmte Meinungen zu äußern. Ich will meine Mitmenschen nicht beeinträchtigen.

Ihre Aktionen sind still. Warum haben Sie diese Ausdrucksform gewählt?

Ich glaube, dass Stille manchmal viel stärker sein kann als ein Schrei. Wir leben umgeben von Botschaften, Slogans und Lärm. Ich wollte mit Madó Farta eine andere Sprache wählen, eine, die nicht alle Antworten vorgibt, sondern Fragen stellt.

Wenn Sie sich am Flughafen oder mitten in von Urlaubern überfüllten Straßen aufstellen, was sollen die Menschen empfinden, die Sie sehen?

Ich erwarte nicht, dass alle dasselbe empfinden. Das zu verlangen, wäre ein Fehler. Es wird Menschen geben, die es sofort verstehen, andere, die es ablehnen, wieder andere, die nur teilweise zustimmen, und manche, die einfach neugierig sind. Was ich aber hoffe, ist, dass die Menschen für einen Moment innehalten. Dass sie sich eine Frage stellen. Dass sie Dinge nicht mehr als normal hinnehmen, die es vielleicht gar nicht sind.

Richtet sich die Botschaft gegen die Urlauber oder gegen ein Wirtschaftsmodell?

Diese Unterscheidung ist entscheidend. Madó Farta richtet sich nicht gegen den einzelnen Urlauber, sondern gegen ein Wirtschaftsmodell und gegen politische Entscheidungen, die zur Überfüllung Mallorcas führen. Der Druck auf das Land, die Grundversorgung und den Alltag der Menschen, die hier leben, ist untragbar. Allerdings muss man auch klar sagen: Nicht alles ist akzeptabel. Ein Teil der Touristen führt sich respektlos auf, schwelgt im Konsum und ist völlig von der Realität der Insel entkoppelt. Das sieht man besonders in Gegenden wie der Playa de Palma oder Santa Ponça, wo seit Jahren Verhaltensweisen toleriert werden, die an keinem anderen Ort akzeptabel wären. Deshalb glaube ich, dass es nicht mehr reicht, den Tourismus „besser zu steuern“. Es muss eine echte Begrenzung der Besucherzahlen geben.

Warum glauben Sie, dass Madó Farta so viele Menschen erreicht?

Madó Farta erreicht die Menschen, weil sie nicht von einem Podest herab spricht und auch nicht einen politisch korrekten Diskurs führt. Stattdessen kanalisiert sie die Wut und die Frustration, die viele Menschen empfinden, sich aber nicht immer trauen, laut auszusprechen. Wenn jemand zum Ausdruck bringt, was viele im Stillen denken, entsteht sofort Identifikation.

Wenn Sie Ihr Plakat vor denjenigen aufstellen könnten, die über die Zukunft Mallorcas entscheiden, welche Botschaft würden Sie ihnen übermitteln wollen?

Ich würde ihnen sagen, dass sie innehalten und hinschauen müssen, was sie mit Mallorca machen. Dass man nicht weiter Entscheidungen treffen kann, als wären die Ressourcen unendlich und als wäre das Leben der Menschen, die hier wohnen, zweitrangig. Die Überfüllung hat direkte Folgen für den Wohnungsmarkt, für die Dienstleistungen, für die Umwelt und für die psychische Gesundheit der Menschen. Und vor allem würde ich ihnen sagen: Schluss mit den leeren Worten. Während immer wieder behauptet wird, „der Tourismus ist unser Wohlstand“, erleben viele Menschen, wie ihre Lebensqualität sinkt, wie sich ihre Viertel verändern und wie es jeden Sommer schwieriger wird, ein normales Leben zu führen.

Wie sollte Mallorca in Ihren Augen in ein paar Jahren aussehen?

Ich würde mir ein Mallorca wünschen, das wieder bewohnbar ist, ohne auf seine Identität und seine Würde verzichten zu müssen. Ein Mallorca, das nicht erschöpft lebt, sondern im Gleichgewicht. Und vor allem eine Insel, die keine Angst hat zu sagen: Bis hierhin und nicht weiter. Grenzen zu setzen sollte nicht radikal sein, sondern normal. Ich wünsche mir ein Mallorca, das die einfachen Dinge zurückgewinnt. Eine Insel, auf der die Menschen wieder auf der Straße, in ihrem Viertel und in ihrem Dorf leben können, ohne das Gefühl zu haben, dass alles nur für die schnelle Durchreise der Urlauber gedacht ist. Ein Mallorca, in dem es kein Bild der Vergangenheit ist, vor der eigenen Haustür die Abendfrische zu genießen, mit den Nachbarn zu plaudern oder in Schaukelstühlen zu sitzen, sondern alltägliche Realität. Ein Mallorca, dessen Lebensrhythmus nicht von Überfüllung, Lärm und ständiger Eile bestimmt wird.

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