"Völlig unverhältnismäßig": Bürgermeister kritisiert die Verhaftung der Anti-Tourismus-Aktivistinnen auf Mallorca
Die beiden Frauen waren am Mittwoch (15.7.) auf offener Straße verhaftet und mit Handschellen abgeführt worden. Sie sollen Immobilienbüros mit Graffiti besprüht haben

Redaktion MZ
Der Bürgermeister von Santa Maria del Camí hat die Verhaftung von zwei Anti-Tourismus-Aktivistinnen am Mittwoch (15.7.) scharf kritisiert. Den beiden Frauen wird vorgeworfen, am 31. Mai gemeinsam mit anderen Personen mehrere Immobilienbüros in der Gemeinde mit Graffiti beschmiert zu haben. Die beiden 28-Jährigen waren nach einem Verhör bei der Guardia Civil und der Vorführung beim Haftrichter noch am Abend freigelassen worden.
"Die Verhaftung war völlig unverhältnismäßig", erklärte Nicolau Canyelles, der der linken Öko-Partei Més per Mallorca angehört und in Minderheit regiert und spielt auf die jungen Frauen an, die mit Handschellen abgeführt wurden. "Jegliche Form von Vandalismus muss verfolgt werden. Aber wir sollten nicht aus den Augen verlieren, worüber wir hier reden: Es handelt sich um ein paar Schmierereien mir Farbe." Durch eine gründliche Reinigung könne man den Schaden vergleichsweise einfach entfernen.
Kein Vergleich zu anderen Fällen von Vandalismus
Der Bürgermeister erklärte, er habe noch nie gesehen, dass in seiner Gemeinde in anderen Fällen von Vandalismus mit solcher Härte vorgegangen sei. Es sei auch in Santa Maria del Camí nicht unüblich, dass Graffiti an Hauswände geschmiert würden. Allerdings würde das sonst nie wochenlange Ermittlungen und Verhaftungen nach sich ziehen. Die Ermittlungen seien in seinen Augen nicht das Problem, sondern, dass mit zweierlei Maß gemessen werde. Statt die Aktivistinnen auf offener Straße zu verhaften, hätte man sie auch vorladen können. "Es gab ebenso effektive, aber weitaus weniger schädliche Alternativen."
Der einzige Més-Abgeordnete im spanischen Parlament, Vicenç Vidal, hat ebenfalls auf die Verhaftung reagiert. Der Politiker, der der Fraktion Sumar angehört, stellte einen Antrag, damit Innenminister Fernando Grande-Marlaska und die Staatssekretärin für Tourismus, Rosario Sánchez (beide von der sozialistischen PSOE) Stellung zum Vorgehen der Guardia Civil nehmen.
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