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„Der Tourismus muss schrumpfen“: Mallorca-Aktivist rechnet mit 40.000 Demonstranten bei der Großdemo am Sonntag

Pere Joan Femenia gehört zum festen Kern der Aktivisten im Kampf gegen die Touristifizierung der Insel

Aktivist Pere Joan Femenia.

Aktivist Pere Joan Femenia. / Manu Mielniezuk

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Pere Joan Femenia (Palma, 1999) ist Sprecher der Plattform Menys Turisme, Més Vida (Weniger Tourismus, mehr Leben), die die Demonstration gegen die negativen Auswirkungen des Massentourismus am Sonntag (26.7.) organisiert. Seit 2019 ist er als Klimaaktivist aktiv: zunächst bei Fridays For Future Mallorca, später bei Fridays For Future España.

Damit Sie ein Gefühl dafür bekommen, um welche Art von Interview es geht: Glauben Sie, dass zur Demonstration an diesem Sonntag mehr Menschen kommen werden als zu den Feiern nach Spaniens WM-Titel?

Uff (lacht). Das waren doch 40.000 auf der Plaça de ses Tortugues und 20.000 beim Public Viewing in Son Fusteret, oder? Wobei bei unseren Demonstrationen die Teilnehmerzahlen immer nach unten korrigiert werden, während man sie bei der Spanien-Feier offenbar eher nach oben addiert hat. Wenn wir uns an den letzten Mobilisierungen orientieren, rechnen wir mit etwas Ähnlichem und hoffen auf 30.000 bis 40.000 Menschen.

Mit welchem Gefühl gehen Sie in die Demonstration an diesem Sonntag?

Wir glauben, dass es eine Massenkundgebung wird, weil sie das Unbehagen widerspiegelt, das es in der mallorquinischen Gesellschaft gegenüber dem Massentourismus und seinen Folgen gibt. Nach den großen Mobilisierungen der vergangenen Jahre haben wir den Eindruck, dass man uns nicht zugehört hat und dass es, statt Veränderungen voranzutreiben, heute mehr Gründe denn je gibt, weiter auf die Straße zu gehen.

Tausende Menschen demonstrieren am Sonntag (15.6.) gegen die Folgen des Massentourismus auf Mallorca

Bei einer Demo gegen die Folgen des Massentourismus im Juni 2025. / Manu Mielniezuk

Glauben Sie, dass die Guardia Civil das Handbuch gegen die Touristifizierung kriminalisiert hat, das Sie veröffentlicht haben?

Ja. Wir denken, dass das Teil einer Strategie ist, die schon seit dem vergangenen Jahr läuft. Damals hat man bereits versucht, uns zu kriminalisieren, indem man die Demonstration mit Graffiti in Verbindung brachte, die Tage zuvor aufgetaucht waren. Und jetzt geht es in dieselbe Richtung weiter. Auch wenn es Aktionen geben mag, mit denen wir nicht einverstanden sind, halten wir die repressive Antwort für völlig unverhältnismäßig. Dahinter stehen wirtschaftliche Interessen, und man versucht, jede Form von Protest zu unterdrücken.

Befürchten Sie, dass diese Kontroverse die Teilnehmerzahl bei der Demonstration verringern könnte?

Anfangs hatten wir Sorge, dass ein Teil der Bevölkerung dadurch abgeschreckt werden könnte. Aber wir haben gesehen, dass sich das Blatt gewendet hat. Wir glauben, dass man mit der Festnahme der beiden Aktivistinnen zu weit gegangen ist, und genau das hat den gegenteiligen Effekt ausgelöst: Viele Menschen haben verstanden, dass es notwendig ist, weiter zu protestieren.

Dann könnte also die Festnahme der Aktivistinnen aus Santa Maria und das Bild, auf dem sie in Handschellen zu sehen sind, der Demonstration am Sonntag sogar helfen?

Ja. Wir glauben, dass dieses Vorgehen nicht genutzt hat. Trotzdem macht uns Sorge, dass Menschen als Exempel oder als Symbol der Repression benutzt werden. Kein Aktivist sollte so behandelt werden, nur weil er gesellschaftliches Unbehagen ausdrückt. Was in Santa Maria del Camí geschehen ist, ist ein Beispiel dafür, was nicht geschehen sollte: den Willen der mallorquinischen Bevölkerung zu unterdrücken, gegen ein Modell zu protestieren, das uns unterdrückt und ausbeutet.

Halten Sie die Festnahme der beiden Aktivistinnen für unverhältnismäßig?

Wir glauben, dass man mit diesem Vorgehen einschüchtern und Angst bei all jenen erzeugen wollte, die sich mobilisieren wollen. Der Effekt war aber genau der gegenteilige. Außerdem fällt uns das Schweigen der politisch Verantwortlichen auf, auch das der Sozialisten. Das erweckt den Eindruck, als seien sie von dem, was geschehen ist, selbst befangen oder verunsichert.

Pere Joan Femenia demonstriert gegen die Kreuzfahrtschiffe.

Hier demonstriert Pere Joan Femenia gegen Kreuzfahrtschiffe. / Ralf Petzold

Fühlen Sie sich politisch nicht vertreten?

Nein. Wir suchen nicht die Unterstützung irgendeiner Partei. Unser Ziel ist es, das gesellschaftliche Bewusstsein zu wecken und die Bürger zu mobilisieren. Wir glauben, dass es uns gelungen ist, die Debatte über die Touristifizierung wieder ins Zentrum der öffentlichen Agenda zu rücken.

Die Demonstration greift Fragen auf, die über den Tourismus hinausgehen. Warum?

Weil die negativen Folgen des Massentourismus viele Bereiche betrifft: Wohnen, prekäre Arbeitsverhältnisse, den Verlust von Kultur, die Sprache, Mobilität oder Verkehrsstaus. Alles hängt miteinander zusammen, und wir glauben nicht, dass es ein Widerspruch ist, all diese Themen bei derselben Demonstration zu thematisieren.

Besteht nicht die Gefahr, Unterstützung zu verlieren, wenn man so viele Themen zugleich anspricht?

Das war eine Frage, die wir uns selbst gestellt haben. Aber im vergangenen Jahr haben wir gesehen, dass das entweder nicht passiert ist oder nur in sehr geringem Ausmaß. Natürlich wird es immer Menschen geben, die nicht alle Forderungen teilen, aber wir glauben, dass das eine Minderheit ist.

Was sind Ihre wichtigsten Forderungen an die balearische Landesregierung, den Inselrat von Mallorca und die spanische Zentralregierung?

Wir fordern ein geplantes Schrumpfen des Tourismus, eine Begrenzung der städtebaulichen Entwicklung, mehr öffentlichen Wohnungsbau, weniger institutionelle Werbung für den Tourismus, eine Begrenzung der Gästebetten und der Mietwagen sowie Fortschritte hin zu einer Mitverwaltung der Flughäfen, um die Zahl der Flüge besser steuern zu können.

Was verstehen Sie unter Gewalt?

Für uns ist Gewalt das, was diejenigen erfahren, die hier leben – infolge der Wohnungskrise, der Klimakrise oder prekärer Lebensverhältnisse. Gewalt ist für uns auch die Repression gegen Aktivisten. Davon unterscheiden wir Akte des Ungehorsams oder symbolischen Vandalismus gegen Unternehmen oder Infrastrukturen, solange dabei keine Menschen angegriffen werden.

Wie haben Sie diese zwei Wochen seit der Veröffentlichung des Handbuchs erlebt?

Es hat uns überrascht, dass manche Medien uns beinahe als terroristische Gruppe bezeichnet haben. Das halten wir für völlig unverhältnismäßig. Das Handbuch verteidigt gewaltfreie direkte Aktionen und hat eine interne wie gesellschaftliche Debatte darüber ausgelöst, welche Formen des Handelns als legitim angesehen werden können.

Würde ein Schrumpfen des Tourismus auch einen Bevölkerungsrückgang bedeuten?

Wahrscheinlich ja. Das ist eine schwierige Debatte, weil Mallorca eine Insel mit begrenzten Ressourcen ist. Wir glauben, dass das wirtschaftliche Wachstum auch das Bevölkerungswachstum angetrieben hat und dass eine Begrenzung des einen dazu beitragen kann, auch das andere zu bremsen. Am Ende hängt das eine mit dem anderen zusammen.

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