Mallorca am Tag nach der Demo: Ein Festgenommener, zwölf Verletzte und Empörung über die Polizeigewalt
Nach der Kundgebung war es am Sonntagabend (26.7.) zu schweren Zwischenfällen gekommen

César Mateu
Am Tag nach der großen Demonstration gegen den Massentourismus dominiert der brutale Polizeieinsatz die Schlagzeilen. Nachdem am Sonntagabend (26.7.) mehrere zehntausend Menschen friedlich durch die Straßen von Palma gezogen waren, waren die Einsatzkräfte der Nationalpolizei mit großer Härte gegen Teilnehmer der Demonstration vorgegangen. Zwölf Personen wurden offiziellen Angaben zufolge verletzt. Wie auf Videos zu sehen ist, die auf Social Media verbreitet wurden, wurde auch mindestens ein Journalist attackiert. Derweil wurde bekannt, dass eine Person am Sonntagabend festgenommen worden war. Was ihr vorgeworfen wird, war zunächst nicht bekannt.
"Verantwortliche zur Rechenschaft ziehen"
Mehrere der Organisationen, die zu der Demo aufgerufen hatten, riefen noch am Abend zum Rücktritt des Leiters der ständigen Vertretung der Zentralregierung auf den Balearen, Alfonso Rodríguez, auf. Die Zentralregierung ist für die Einsätze der Nationalpolizei zuständig. Rodríguez meldete sich auf X zu Wort: "Mit Sorge verfolge ich die Ereignisse nach der heutigen Demonstration. Es gibt Bilder, die inakzeptabel sind", schrieb Rodríguez. "Ich werde einen umfassenden Bericht über die Einsätze sowie die notwendigen Erklärungen anfordern, damit mögliche Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen werden. Ich wünsche den Verletzten eine schnelle Genesung." Von der Balearen-Regierung hingegen gab es eisernes Schweigen. Weder zu der großen Teilnehmerzahl, noch zu dem Polizeieinsatz gab es am Montagmorgen Statements.

Johannes Krayer
Laut Nationalpolizei nahmen an der Demo 25.000 Personen teil. Die Verstalter sprachen von 70.000 Personen. Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen. Allerdings dürfte es sich um die bislang größte Demo gegen die negativen Folgen des Massentourismus gehandelt haben. Im Gegensatz zu Befürchtungen vor der Kundgebung gab es weder Graffiti-Attacken auf Immobilienunternehmen und touristische Betriebe, noch wurden Urlauber im Zuge der Demo belästigt.
Die Umweltschutzorganisation GOB sprach von einem „beispiellosen Erfolg“ der Demonstration: „Das mallorquinische Volk ist lebendig, organisiert und hat genug von Überfüllung, Überlastung und der Missachtung der Grenzen der Insel.“ Der außergewöhnliche Zulauf sei Ausdruck des wachsenden Unmuts einer Bevölkerung, die sich der ökologischen und sozialen Überforderung sehr bewusst sei. Dies hätten auch die Plakate gezeigt, etwa mit Aufschriften wie „Wer Mallorca liebt, zerstört es nicht“, „Schrumpfung jetzt“, „Immobilienspekulation bedeutet sichere Armut“, „Euer Geschäft ist unser Exil“ oder „Weder Luxus- noch Massentourismus“.
- Wegen 'wachsender Deutschenfeindlichkeit': „Goodbye Deutschland“-Mallorca-Auswanderin Anke Dietz verlässt die Insel
- Heimlich den Posten verlassen, zum Flughafen gefahren und in den Sicherheitsbereich eingedrungen: Gericht verurteilt Beamten der Guardia Civil auf Mallorca
- Freie Sicht auf die totale Sonnenfinsternis? Das sagt die Wetterprognose für Mallorca
- Sonnenfinsternis auf Mallorca: Auf diesen Straßen gelten Fahrverbote und Zufahrtsbeschränkungen
- Katarische Königsfamilie auf Mallorca: „Fliegender Palast“ für 360 Millionen Euro landet in Palma
- Wenn der Urlaub im Knast endet: Diese rechtlichen Tretminen auf Mallorca sollten Sie kennen
- Gleich zwei Waldbrände auf Mallorca - zwischenzeitlich auch Menschen in Gefahr
- In diesem Viertel am Meer hat die Königsfamilie auf Mallorca ihren Samstagabend genossen
