Nach Großdemo gegen Massentourismus: Mallorcas größte Tourismus-Lobby sucht die Schuld an der Überfüllung bei anderen
Nach der bislang größten Demonstration gegen die touristische Überlastung Mallorcas fordern Hoteliers Konsequenzen. Verantwortung mag Mallorcas größte Tourismus-Lobby aber nicht übernehmen

César Mateu
Mallorcas größte Tourismus-Lobby, der Hotelverband FEHM, hat die Großdemonstration gegen die Auswirkungen des Massentourismus am Sonntag (26.7.) als "Ausdruck gesellschaftlicher Sorgen" bezeichnet, die Politik und Wirtschaft "aufmerksam und verantwortungsvoll behandeln" müssten. Zugleich forderte der Verband in einer Pressemitteilung weniger Polarisierung - und suchte, mal wieder, andere Schuldige.
Dialog statt Konfrontation
Nach Ansicht von FEHM sei der Zeitpunkt gekommen, auf die Forderungen der Bevölkerung zu reagieren. Probleme wie Wohnungsmangel, Mobilität, Ressourcenverbrauch, Lebensqualität und das Entwicklungsmodell der Inseln verlangten strukturelle Lösungen. Die dritte und bislang größte Demonstration gegen die Überlastung Mallorcas müsse einen Wendepunkt markieren.
Die Balearen brauchten eine gemeinsame Antwort, die auf Dialog, Mitverantwortung und langfristigen Vereinbarungen beruhe, ist in der Pressemitteilung zu lesen. Entscheidungen müssten sich auf Daten und tragfähige Vorschläge stützen. „Es ist notwendig, Probleme zu lösen, zu investieren und Ergebnisse sichtbar zu machen“, heißt es in der Mitteilung. Viele der derzeit diskutierten Herausforderungen seien bereits seit Jahren Bestandteil der Vorschläge des Hotelverbands. Dazu gehörten ein besseres Management des Reiseziels und eine objektive Untersuchung der Belastungsgrenzen auf den einzelnen Inseln.
Gleichzeitig warnte FEHM warnte davor, die öffentliche Debatte allein auf eine Verringerung des Tourismus zu beschränken. Damit ließen sich die bestehenden Probleme nicht vollständig lösen. Die Diskussion müsse von politischen Interessen befreit und weniger konfrontativ geführt werden.
Schuld sind die Ferienvermieter
Darüber hinaus forderte die FEHM eine stärkere wirtschaftliche Diversifizierung. Es gehe nicht darum, den Tourismus zu ersetzen, sondern ihn durch neue Wirtschaftszweige zu ergänzen. Die Balearen seien offene Inseln, die ihre Gäste willkommen hießen, erklärte FEHM. Die entscheidende Frage laute nicht, ob es Tourismus geben solle oder nicht. Vielmehr müsse das Reiseziel besser gesteuert werden.
Wie schon so oft in der Vergangenheit schob der Hotelverband gleichzeitig die Verantwortung von sich und kritisierte stattdessen den Ferienvermietungs-Sektor. Dort sei das Angebot in den vergangenen zwölf Jahren um 176 Prozent gestiegen, während die Anzahl der Hotebetten in diesem Zeitraum nur um 6 Prozent gestiegen sei.
Wohnungen müssten vorrangig zum Wohnen genutzt werden statt zur Ferienvermietung, so FEHM. Die balearische Landesregierung und der Inselrat von Mallorca müssten außerdem mehr Mittel für den Kampf gegen illegale Ferienunterkünfte bereitstellen. Deren Beseitigung sei eine der wichtigsten Maßnahmen, um die Überlastung zu verringern.
Habtur widerspricht den Hoteliers
Der balearische Verband der Ferienvermieter, Habtur, forderte dagegen eine Debatte auf Grundlage von Daten und nicht von Wahrnehmungen oder der Suche nach einem einzigen Schuldigen. Der Verband wehrt sich damit gegen Vorwürfe, die Ferienvermietung sei hauptsächlich für die touristische Überlastung verantwortlich. Die Zahl der legalen Ferienplätze sei in den vergangenen zwei Jahren zurückgegangen, während die Zahl der Hotelplätze weiter gestiegen sei, erklärte Habtur. Hotels stellten etwa drei Viertel aller touristischen Plätze auf den Balearen. Auch dieser Anteil müsse bei der Bewertung der Belastung berücksichtigt werden.
Ferienvermietung sei zudem kein neues Phänomen. Sie gehöre bereits seit der Zeit vor dem Ausbau des heutigen Hotelmodells zur Tourismusgeschichte der Balearen. Habtur sprach sich ebenfalls für ein konsequentes Vorgehen gegen illegale Angebote aus. Ausschließlich die legale Ferienvermietung verantwortlich zu machen, sei jedoch ungerecht. Die Zahlen der vergangenen Jahre zeigten außerdem, dass diese Strategie die bestehenden Probleme nicht löse.
Arbeitgeberverband schweigt
Derweil hüllte sich der balearische Arbeitgeberverband Caeb in Schweigen. Man wolle die Demonstration nicht bewerten, hieß es. In der vergangenen Woche hatte die Caeb unter anderem das umstrittene Vorgehen der Polizei bei der Festnahme zweier Aktivistinnen aus Santa Maria als verhältnismäßig bezeichnet. Die Frauen waren wegen Protestparolen an Immobilienbüros festgenommen und mit Handschellen abgeführt worden.
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