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Wie gastfreundlich ist Mallorca noch? Das sagen die MZ-Leser

Eine MZ-Umfrage mit 442 Teilnehmern zeigt: Fast 70 Prozent der Befragten erleben die Menschen auf Mallorca als freundlich. Vereinzelte Erfahrungen fallen dennoch negativ aus

Freundlich und geduldig: Kellnerin in Palma.

Freundlich und geduldig: Kellnerin in Palma. / BERNARDO ARZAYUS

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Sarah López

Sarah López

„Mallorca ist nicht mehr wie früher. Wir fühlen uns hier nicht mehr so willkommen.“ Solche und ähnliche Aussagen hört man immer wieder von deutschen Residenten und Urlaubern. Doch sind die Mallorquiner tatsächlich weniger gastfreundlich geworden? Und in welchen Situationen fühlen sich Inselgäste und Zugezogene unfreundlich behandelt? Diesen Fragen ist die MZ in einer Online-Umfrage nachgegangen.

Zwischen Donnerstag (16.7.) und Sonntag (19.7.) beteiligten sich insgesamt 442 MZ-Leser an der Befragung. Repräsentativ ist die Studie nicht, dennoch liefert sie ein aufschlussreiches Stimmungsbild. Denn eine klare Mehrheit erlebt die Menschen auf Mallorca weiterhin als freundlich. 36,4 Prozent der Befragten wählten die Antwort „sehr freundlich“, weitere 33,5 Prozent „eher freundlich“. Damit entfallen insgesamt 69,9 Prozent auf die beiden positiven Antwortmöglichkeiten. Nur 6,1 Prozent empfinden die Menschen auf der Insel als eher oder sehr unfreundlich. 24 Prozent antwortete mit „teils, teils“.

Wie erleben Sie die Menchen auf Mallorca?

Wie erleben Sie die Menchen auf Mallorca? / MZ

Auch die These, die Gastfreundschaft habe in den vergangenen Jahren grundsätzlich nachgelassen, bestätigt sich nur teilweise. 61,3 Prozent sind der Ansicht, dass sie gleich geblieben ist. 11,8 Prozent nehmen sogar eine Verbesserung wahr. Allerdings meint auch mehr als jeder Vierte, die Gastfreundschaft habe sich deutlich verschlechtert. Ähnlich gemischt fällt die Antwort auf die Frage aus, ob Mallorca heute noch so herzlich sei wie früher: 46,2 Prozent stimmen zu, 32,8 Prozent widersprechen, 21 Prozent bleiben neutral.

Die heikelsten Situationen

35,7 Prozent der Teilnehmer nannten den Straßenverkehr als den Bereich, in dem sie die Menschen auf Mallorca am ehesten als unfreundlich erleben. Fast ebenso viele, 33,5 Prozent, gaben allerdings an, kaum oder gar keine negativen Erfahrungen zu machen. Mit deutlichem Abstand folgen Behörden mit 13,6 Prozent, Restaurants und Bars mit 10,2 Prozent sowie Geschäfte mit 7 Prozent.

Wo erleben Sie am ehesten Unfreundlichkeit oder Gereiztheit?

Wo erleben Sie am ehesten Unfreundlichkeit oder Gereiztheit? / MZ

Beim Service fällt das Gesamturteil positiv aus. 72,4 Prozent bewerten ihre Erfahrungen in Restaurants, Bars, Geschäften oder Supermärkten als gut oder sehr gut. Nur 6,8 Prozent beurteilen den Service als eher oder sehr schlecht. Bei Behörden überwiegen die positiven Antworten weniger deutlich: 52,7 Prozent fühlen sich dort gut oder sehr gut behandelt, 34,2 Prozent antworteten mit „teils, teils“, 13,1 Prozent negativ. Besonders eindeutig ist das Urteil zur Kinderfreundlichkeit: 80,8 Prozent erleben Mallorca als eher oder sehr kinderfreundlich.

Verstehen und verstanden werden

Eine zentrale Rolle spielt offenbar die Sprache. Für 72,6 Prozent ist sie sehr oder eher wichtig, um sich freundlich behandelt zu fühlen. Das spiegeln auch die mehr als 80 Berichte wider, die die Teilnehmer in einem Freitextfeld hinterlassen konnten. Mehrere von ihnen schreiben, schon wenige Worte Spanisch würden Türen öffnen. „Die meisten freuen sich, dass man sich bemüht, und sind gleich noch freundlicher“, heißt es in einer Antwort. Andere schildern dagegen, dass gerade durch die Sprachbarrieren Konflikte entstehen – etwa in überfüllten Bussen oder bei Behördengängen.

Wie wichtig ist Sprach für Ihr Gefühl, freundlich behandelt zu werden?

Wie wichtig ist Sprach für Ihr Gefühl, freundlich behandelt zu werden? / MZ

Die freien Antworten zeigen zugleich, wie unterschiedlich Gastfreundschaft erlebt wird. Eine Teilnehmerin berichtet von einer älteren Café-Betreiberin, die die Gäste nach Feierabend trotzdem noch bediente. Nachdem sie die Rollläden bereits heruntergelassen hatte, öffnete sie diese sogar noch einmal, um zu fragen, ob jemand die Toilette benutzen müsse.

Ein anderer Leser erzählt von einem Emaya-Mitarbeiter, den er nach den benötigten Dokumenten und der Beantragung einer neuen Karte für die Biomüllcontainer gefragt habe. Der Mann habe gelächelt, zur Seite gegriffen und ihm kurzerhand eine Karte überreicht. Dazu habe er gesagt: „Solo me necesitas a mí, no tienes que ir a ningún sitio“ – „Du brauchst nur mich, du musst nirgendwo hingehen.“

Dem stehen Berichte über lange Wartezeiten in Restaurants, abweisende Reaktionen in Geschäften und Beschimpfungen im Straßenverkehr gegenüber. Ein Teilnehmer hat den Eindruck, dass auch das Kennzeichen eine Rolle spielt: „Seit das Auto ein spanisches Kennzeichen hat, ist es im Straßenverkehr leichter geworden. Man wird schneller einmal vorgelassen, und ein Fehler wird eher verziehen.“

Solche Erlebnisse bleiben im Gedächtnis, auch wenn sie nicht die Mehrheit der Erfahrungen bilden. Mehrere Befragte betonen zudem, Gastfreundschaft sei keine Einbahnstraße. Sie berichten von unhöflichen Urlaubern und verweisen auf Stress, Hitze, Personalmangel und Wohnungsnot, die die Lebensumstände auch komplizierten.

Worin sich 95,3 Prozent der Befragten einig sind: Freundlichkeit ist für das Mallorca-Erlebnis wichtig oder sehr wichtig.

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