Balearen-Regierung zu den Restriktionen am Tag der Sonnenfinsternis: "Werden Mallorca-Urlauber weder bevorzugen noch benachteiligen"
Die Vizeministerpräsidentin Antònia Maria Estarellas verteidigt das für den 12. August ausgearbeitete Einsatzkonzept. Sie weist den Vorwurf zurück, die Einschränkungen in der Serra benachteiligten die Einwohner, und erklärt, dass die Balearen nicht mit einem außergewöhnlichen Besucheransturm rechnen

Sonnenfinsternis / JCCM/Europa Press
Sind Sie wirklich darauf vorbereitet, einen Tag wie den der Sonnenfinsternis zu bewältigen?
Wir bereiten uns seit Monaten darauf vor. Es werden zwei sehr intensive Minuten sein, die uns auf die Probe stellen werden. Wir sind jedoch überzeugt, dass das Einsatzkonzept darauf abgestimmt ist. Mitten im August ist mit einer extrem hohen Zahl an Menschen zu rechnen. Es wäre unverantwortlich gewesen, nicht zu versuchen, die Situation zu ordnen.
Eine der offenen Fragen betrifft den Einsatz des Militärs. Ist dieser bestätigt?
Offiziell liegt uns noch keine Antwort vor. Eine Absage wäre jedoch nicht nachvollziehbar. Die Genehmigung liegt beim Verteidigungsministerium. Allen Beteiligten ist vollkommen bewusst, dass die Balearen während der Sonnenfinsternis zu den Gebieten mit dem höchsten Besucheraufkommen gehören werden.
Rechnen Sie mit einer außergewöhnlich hohen Zahl an Besuchern?
Uns liegen keine Daten vor, die darauf hindeuten, dass es aufgrund der Sonnenfinsternis zu einem außergewöhnlichen Besucherandrang kommen wird. Vor allem aus der Tourismusbranche wissen wir, dass einige Menschen bereits sehr früh gebucht haben – teilweise vor zwei oder drei Jahren –, um genau zu diesem Ereignis auf den Inseln zu sein. Die touristische Auslastung liegt jedoch praktisch auf dem gleichen Niveau wie im vergangenen Jahr zu dieser Zeit. Die Betriebe sind zu etwa 98 Prozent ausgelastet, wie in einem normalen Sommer. Auch vom Flughafen liegen uns keine Daten vor, die darauf hindeuten, dass es mehr Flüge geben wird als an jedem anderen Tag im August. Das Einsatzkonzept wurde deshalb auf der Grundlage eines Szenarios entwickelt, das dem des vergangenen Sommers sehr ähnlich ist, als bereits ein maximales Besucheraufkommen herrschte.
Noch sind nicht alle Maßnahmen bekannt, mit denen der öffentliche Nahverkehr verstärkt werden soll.
Palma hat bereits angekündigt, das Angebot der städtischen Verkehrsgesellschaft EMT zu verstärken. Ich möchte klarstellen, dass die Einwohner der betroffenen Gemeinden wie gewohnt Zugang haben und die öffentlichen Verkehrsmittel wie an jedem anderen Tag nutzen können. Wer in diesen Gebieten lebt, kann ebenfalls hineinfahren. Es ist allerdings schwierig, das Angebot im öffentlichen Nahverkehr noch deutlich auszuweiten. Wir befinden uns mitten im August, und die Linien sind mit den üblichen Verstärkungen für den Sommer bereits nahezu vollständig ausgelastet.

Antònia Maria Estarellas. / Guillem Bosch
Befürchten Sie ein Chaos auf dem Meer?
Das Einsatzkonzept fällt in die Zuständigkeit der Schifffahrtsbehörde Capitanía Marítima. Vorgesehen ist, die Überwachung rund um Mallorca mit einem zusätzlichen Patrouillenboot zu verstärken. Hinzu kommt der reguläre Einsatz der spanischen Seenotrettung. Auch die 22 Boote der Balearen-Regierung, die bereits im vergangenen Sommer ihren Betrieb aufgenommen haben, werden an diesem Tag zur Unterstützung im Einsatz sein. In sämtlichen Häfen wurde eine Informationskampagne mit speziellen Empfehlungen für diesen Tag durchgeführt. Besonderes Augenmerk liegt auf der sicheren Schifffahrt, der Erinnerung an die geltenden Vorschriften für Bootsführer, der Kontrolle irregulärer Aktivitäten und dem Schutz geschützter Gebiete. So soll beispielsweise verhindert werden, dass auf Seegraswiesen geankert wird. Ziel ist es, dass alle, die die Sonnenfinsternis vom Meer aus verfolgen möchten, dies bei größtmöglicher Sicherheit und mit Rücksicht auf die Meeresumwelt tun können.
Einige Gemeinden in der Tramuntana verfügen kaum über eigene Ressourcen.
Wir haben eine Verstärkung der Guardia Civil beantragt, damit sie an diesem Tag stärker präsent sein kann. Außerdem wurden die Ortspolizeien anderer Gemeinden um Unterstützung gebeten. Mehrere Rathäuser haben bereits ihre Unterstützung zugesagt.
Die Einschränkungen in der Tramuntana haben Kritik hervorgerufen, weil Mallorquiner keinen Zugang haben sollen. Menschen mit einer touristischen Reservierung dürfen dagegen hinein.
Die Balearen-Regierung trifft ihre Entscheidungen nicht danach, ob jemand Einwohner oder Urlauber ist, seit zwei Tagen auf der Insel ist, dauerhaft hier lebt oder einen Zweitwohnsitz besitzt. Zu keinem Zeitpunkt ging es darum, die einen zu bevorzugen und die anderen zu benachteiligen. Die Sonnenfinsternis wird praktisch von jedem Ort auf den Balearen aus zu sehen sein. Wäre die Serra de Tramuntana der einzige Ort, von dem aus man sie beobachten könnte, könnte ich diese Kritik vollkommen verstehen. Das ist jedoch nicht der Fall. Die Einwohner der betroffenen Gemeinden können ihre Orte wie gewohnt erreichen. Auch der Zugang zu Fuß oder mit dem Fahrrad ist möglich. Wer dort eine Wohnung oder einen Zweitwohnsitz besitzt, darf ebenfalls hineinfahren. Es geht nicht darum, jemanden zu diskriminieren.
Haben Sie mit den Hotels gesprochen?
Wir haben die touristischen Betriebe darum gebeten, Aktivitäten zu organisieren, damit ihre Gäste die Sonnenfinsternis erleben können, ohne dafür in die Tramuntana fahren zu müssen. Die Entscheidungen beruhen auf zwei Kriterien: dem Schutz der Menschen und dem Schutz der Natur. Es besteht ein sehr hohes Waldbrandrisiko, und die Temperaturen sind sehr hoch. Deshalb wurden sämtliche Maßnahmen mit Blick auf die Sicherheit entwickelt – unabhängig davon, ob die Person, die die Sonnenfinsternis beobachten möchte, hier lebt oder zu Besuch ist.
Abonnieren, um zu lesen
- Dramatischer Vorfall in Palma: Mann springt von Hochhaus und fällt auf Gäste einer Caféterrasse
- Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez: Wie der Mallorca-Muffel hier früher Herzen brach
- Gleich zwei Waldbrände auf Mallorca - zwischenzeitlich auch Menschen in Gefahr
- Weil mitten im Sommer die Strandliegen fehlen: Balearen-Regierung feuert oberste Küstenchefin
- Nach Palma jetzt Sóller: Erneut großer Protest gegen Massentourismus auf Mallorca
- Angst vor Chaos zur Sonnenfinsternis auf Mallorca: Warum ab Montag (10.8.) auch Soldaten zum Einsatz kommen
- Nach Überfall mit Pistole: Wie die Polizei Lübeck einem Mallorca-Urlauber half, sein Portemonnaie an der Playa de Palma zurückzubekommen
- Zahl der Kontrollen von Autos mit ausländischen Kennzeichen spürbar erhöht': Veranstalter streicht Oldtimertreffen Mallorca Car Week