Nach Palma jetzt Sóller: Erneut großer Protest gegen Massentourismus auf Mallorca
Die Protestbewegung gegen Massentourismus auf Mallorca macht in Sóller mobil. Rund 2.000 Menschen waren am Samstagmorgen (8.8.) bei der Demonstration dabei

Zahlreiche Leute demonstrierten am Samstag (8.8.) in Sóller gegen die Auswirkungen des Massentourismus / Thomas Fitzner
In Sóller ist am Samstagmorgen (8.8.) eine weitere Demonstration gegen die Auswirkungen des Massentourismus auf Mallorca gestartet. Nach der Großdemo am 26. Juli in Palma hatte erneut die Bürgerplattform "Menys Turisme, Més Vida" zu der Protestkundgebung aufgerufen, diesmal in Kooperation mit der lokalen Bewegung Moviment Jove de Sóller.
Nach Schätzungen der MZ vor Ort fanden sich gegen 10 Uhr zunächst rund 500 Menschen zur Demo ein, ständig stießen weitere hinzu. Gegen 10.20 Uhr waren es schon deutlich mehr als 1.00 Teilnehmer, gegen 11 Uhr knapp 2.000. Später sprachen die Veranstalter von rund 2.500 Teilnehmern, die Sicherheitskráfte von etwa 1.000.
Der Protestzug begann an der Plaça dels Estiradors und führte unter anderem über die Haupteinkaufsstraße Carrer de sa Lluna und bis zum Marktplatz - an dem gleichzeitig auch der überfüllte Wochenmarkt stattfindet. Allerdings hatten die Händler angesichts der Großveranstaltung ihre Stände eingeräumt, auch die Außenterrassen der Cafés am Platz blieben dicht.
Sprechgesänge gegen "Guiris"
Schon zu Beginn der Demo riefen die Veranstalter ausdrücklich dazu auf, den Protest friedlich zu gestalten - wohl auch im Kontext der Bilder der Nationalpolizei von Steinewerfern bei der Großdemo in Palma. Unter den Demonstranten befanden sich auch viele Familien mit Kindern, die Stimmung war zunächst friedlich. Immer wieder waren aber auch Sprechgesänge gegen Guiris (Inselbesucher aus Mittel- und Nordeuropa) zu hören. Allerdings richtete sich der Unmut nicht gegen einzelne Urlauber: Pöbeleien gegen Touristen, die dem Demo-Zug entgegen kamen, gab es nicht.

Die Stimmung war friedlich - trotz der Anti-Guiri-Sprüche / Thomas Fitzner
Dennoch: Die Wut einiger Mallorquiner war an diesem Samstag spürbar. Wie die MZ beobachtete, schlug ein Demonstrant gegen die Schaufensterscheibe eines chinesischen Geschenkartikelladens, nachdem der Besitzer ein Schild entfernt hatte, das Protestler daran geklebt hatten und das auf ein ehemals mallorquinisches Geschäft hinwies, das sich wohl einst in diesem Lokal befunden hatte. Zerstört wurde jedoch nichts.

Auch die Symbolfigur des Toruismusprotests, Madó Farta, war in Sóller dabei / Thomas Fitzner
Derweil beobachteten viele Urlauber den Protestzug am Rande. Die meisten, die mit der MZ ins Gespräch kamen, gaben an, zuvor nichts von der geplanten Demo gewusst zu haben. Viele zeigten Verständnis für den Unmut der Einheimischen. "Gut so", kommentierte eine Französin.
Bei der Abschlusskundgebung am Marktplatz betonten die Veranstalter noch einmal, dass sie keine Bilder von Ausschreitungen sehen wollten - ein Wunsch, der erfüllt wurde: In keinem Moment musste die Polizei eingreifen. Überhaupt hielten sich die uniformierten Sicherheitsbeamten der Ortspolizei und der Guardia Civil dezent im Hintergrund und traten auf dem Marktplatz so gut wie gar nicht in Erscheinung. Zum Abschluss der Veranstaltung sangen die Teilnehmer gemeinsam die Mallorca-Hymne La Balanguera. Gegen kurz vor 12 Uhr löste sich die Menge auf.
Tourismuskritische Schmierereien, die Unbekannte Medienberichten zufolge in der vorherigen Nacht an Immobilienbüros geschmiert hatten, waren am Samstagvormittag bereits entfernt worden.

Thomas Fitzner
Kritik und Rückhalt der Geschäftsleute
Im Vorfeld der Veranstaltung in Sóller hatte es Diskussionen über den Zeitpunkt der Kundgebung gegeben. Der örtliche Einzelhandelsverband kritisierte, dass die Demo ausgerechnet an einem Samstagvormittag stattfindet, in einem Ort, in dem es ohnehin oft überlaufen ist - was wiederum einer der Hauptkritikpunkte der Demonstranten ist. Gleichzeitig betonten mehrere Geschäftsleute, den Inhalten der Kundgebung grundsätzlich nah zustehen. Viele Unternehmer, die ihre Lokale direkt auf der Demo-Route haben, schlossen die Geschäfte am Samstagvormittag.

Mit zahlreichen Plakaten zogen die Demonstranten durch die Straßen / Thomas Fitzner
Tatsächlich ist der große Besucherandrang des Bergstädtchens auch in den Wintermonaten schon lange ein Thema, das viele Anwohner besorgt. Bereits im Frühling gab es Meldungen über Verkehrskollaps bei der Zufahrt zum Ort. Viele Bewohner empfinden den massiven Besucherzulauf als störend - nicht zuletzt, weil gerade Pendler täglich unter dem hohen Verkehrsaufkommen leiden. Auch die Wohnungsnot und die horrenden Miet- und Kaufpreise als Folge des wachsenden Markts ausländischer Immobilienkäufer und Objekten, die zur Ferienvermietung angeboten werden, bereiten vielen Menschen Sorgen.
Der Demo am Samstag schlossen sich nicht nur Sóllerics an. Auch aus anderen Orten der Insel kamen zahlreiche Kritiker des Massentourismus, um ihre Forderungen kundzutun. Wie die Veranstalter bekannt gaben, reisten mehrere Demonstranten mit einem bereitgestellten Shuttlebus aus Palma und einem aus Manacor an.
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