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Der Ferienvermietungslobbyist auf Mallorca über sein Business: „Unsere Gäste stören niemanden“

Jordi Cerdó führt die Föderation der Ferienvermieter an. Von den Meinungen der Hoteliers und der Demonstranten hält er wenig

Jordi Cerdó ist Ferienvermieter.

Jordi Cerdó ist Ferienvermieter. / DM

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Sophie Mono

Sophie Mono

Jordi Cerdó ist niemand, der sich mit seiner Meinung zurückhält. Mit der MZ spricht der Gründer und Vorsitzende der Federación de Estancias Turísticas Vacacionales – ein Zusammenschluss von Eigentümern und Agenten privater Ferienhäuser – über Overtourism und Wohnungsnot.

Vertreten Sie nur frei stehende Ferienhäuser?

Unserem Verband sind etwa 9.000 touristische Ferienunterkünfte angeschlossen. Von den knapp 17.000 insgesamt auf Mallorca vertreten wir also fast die Hälfte. Vor allem sind es Häuser und Fincas, nur wenige Wohnungen.

Gerade Ferienhäuser gelten als wenig nachhaltig. In einem Hotel teilen Hunderte Gäste einen Pool, hier kommt ein Pool auf eine Gruppe. Zudem braucht es ein Auto etc.

Es ist ein kleiner Luxus, für den man bezahlt, genau wie für die Ruhe. Es ist einfach eine andere Art, Urlaub zu machen.

Aber für die Umwelt nicht unbedingt besser.

Beim Finca-Urlaub ist aber der Verbrauch geringer. Weniger Strom, weniger Wasser. Acht Personen statt 1.000 Personen in einem Hotel. Nachhaltigkeit ist also sehr relativ. Außerdem lässt der Finca-Gast sein Geld hier auf Mallorca, wenn er auswärts isst oder im Supermarkt.

Das sind wirtschaftliche Aspekte …

Man kann Finca-Tourismus beziehungsweise den Ferienvermietungstourismus nicht mit Hotels vergleichen. Unsere Gäste suchen Ruhe, Sicherheit und Privatsphäre. Sie suchen nicht den touristischen Trubel und nicht die Masse. Sie fahren auch nicht ständig mit dem Auto herum. Es ist für sie ein Transfermittel: vom Flughafen zur Unterkunft, zum Einkaufen, zum Abendessen oder zum Shoppen. Mehr nicht. Wie bei jedem Einwohner Mallorcas. Und sie stören niemanden.

Die Hotellobby sieht angesichts der Proteste gegen die Auswirkungen des Massentourismus die Schuld an der Überfüllung bei der Ferienvermietung. Ist da was dran?

Das ist ein bisschen Demagogie und falsch. Wir haben 103.000 offizielle Betten auf ganz Mallorca. Seit der Pandemie haben wir hier 50.000 Betten reduziert. Wir wurden gezwungen, Betten abzubauen. Außerdem beschweren sich die Hoteliers immer. Es gibt ein grundlegendes Problem: Vor 30 Jahren, als es noch keine touristischen Ferienunterkünfte gab, hatten sie auf Mallorca ein Tourismusmonopol. Sie verkauften „Sonne und Strand“, obwohl Sonne und Strand ihnen nicht gehören. Wir tun das nicht. Wir verkaufen unser eigenes Angebot: unser Haus, unsere Ruhe, unser Wohlbefinden. Eine Umfrage ergab, dass nur zwei Prozent der Finca-Urlauber zum Strand fahren. Meist bleiben sie am Pool. Es interessiert mich nicht, was die Hoteliers machen. Wir mischen uns bei ihnen nicht ein. Aber sie sich bei uns. Es reicht nicht zu sagen, wir seien schuld am Massentourismus. Das stimmt nicht. Ich bitte sie, uns in Ruhe zu lassen.

Sie waren selbst Hotelier. Warum nicht mehr?

Wegen persönlicher Gründe, der Scheidung.

Ist die Ferienvermietung Schuld an der Wohnungsnot und den hohen Mietpreisen?

Auf Mallorca hat man die Wohnungen weitgehend aus dem touristischen Markt genommen. Es gibt nur noch sehr wenige legale touristische Wohnungen. Im Winter gibt es keine Ferienvermietungs-Touristen, weder in Häusern noch in Wohnungen. Und trotzdem gibt es dann keinen Wohnraum. Das Problem beim Vermieten ist weder der Markt noch der Preis, sondern, dass es keine Rechtssicherheit gibt. Deshalb will der Mallorquiner seine Wohnung nicht vermieten. Er hat Angst, kein Geld zu sehen und die Leute nicht rauszukriegen. Er lässt die Wohnung also lieber leer stehen. Ein Hausbesetzer hat mehr Rechte als der Eigentümer. In was für einem Land leben wir?

Und die illegale Ferienvermietung?

Ich würde sie weniger „illegal“ nennen als „alegal“, also außerhalb des Tourismusrechts. Denn nach dem Gesetz des freien Handels kannst du eine Wohnung, wenn sie dir gehört, an jeden vermieten. Was das balearische Gesetz verbietet, ist touristische Werbung für eine Unterkunft zu machen, die keine touristische Lizenz hat. Wenn du aber nicht auf einem Tourismusportal inserieren kannst, sehen es nur wenige Menschen. Und deshalb lassen viele ihre Wohnungen lieber geschlossen.

Was macht Ihnen Sorgen? Dass Tausende gegen den Massentourismus demonstrieren, oder dass Ihre Gäste die Insel selbst als zu voll empfinden könnten?

Dass wegen der Demos weniger Kunden kommen, befürchte ich nicht. Die 103.000 Betten sind mehr oder weniger immer belegt, weil die Gäste dieser Ferienhäuser sehr treu sind. Ja, einige Kunden beschweren sich, dass es zu voll ist, allerdings nur zu Saisonbeginn: Da stören die Radfahrer auf den Straßen sehr. Diese zwei Monate muss man eben aushalten. Und ansonsten beschränkt sich die starke Tourismussaison auf Juni, Juli, August und September. Nur dann ist es voll, aber unsere Gäste gehen wie gesagt eh kaum an überfüllte Strände.

Waren Sie mal im Winter in Sóller? Oder auf dem Wochenmarkt in Artà? Dort ist es sogar im Februar überlaufen.

Im Februar gibt es in Sóller keine Touristen. Wir haben dort und in der Umgebung Mitglieder, und sie schließen ihre Unterkünfte in dieser Zeit. Was passiert, ist, dass viele Mallorquiner, Festlandspanier und Migranten aus dem Senegal oder Marokko oder sonst wo dann nach Sóller fahren.

Migranten machen Sightseeing in Sóller?

Es sind mehr als 100.000 auf der Insel. Am Ende sind es diese Menschen, die stören. Die kommen und bleiben. Und auf dem Markt in Artà sind es wohl Hotelgäste, viele sogar mit All-inclusive-Armband.

Hat Mallorca ein Problem mit Overtourism?

Nein, mit Tourismus nicht. Wir haben eine Überbelegung durch „Patera-Tourismus“. Jeden Tag kommen Menschen mit Migrantenbooten nach Mallorca und bleiben hier.

Fast alle werden zurückgeschickt oder ziehen in andere Regionen Europas weiter.

In Orten wie Muro, Sa Pobla und Manacor müssen inzwischen geeignete Häuser bereitgestellt werden, um diese Migranten unterzubringen. Letztens bin ich mit dem Zug nach Palma gefahren und kam mir vor wie in Casablanca. Es war proppenvoll, aber darunter war kein einziger Tourist.

Und Menschen aus Nord- und Mitteleuropa, die Wohnungen zu überteuerten Preisen kaufen und diese nur wenige Wochen im Jahr nutzen, empfinden Sie nicht als Problem?

Nein, sie treiben die Preise nicht nach oben. Was passiert, ist, dass es keine anderen Käufer gibt. Ein Mallorquiner kauft nicht, weil ja alle Mallorquiner bereits eine Wohnung haben. Oder zwei. Alle Mallorquiner. Wer kauft also? Menschen von außerhalb.

Bei den Demos waren viele Mallorquiner dabei, die eben keine Wohnung finden.

Diese Demonstration ist linke Politik. Man muss Lärm machen, man muss stören. Ich schenke dem keine Beachtung. Sie können sagen, was sie wollen. Aber sie müssen es beweisen. Es soll jemand zu mir kommen und mir im Dezember beweisen, dass es unseretwegen keine Plätze gibt. Die Ferienvermietung ist die schwächste Gruppe im Tourismussektor. Nur deshalb sucht man die Schuld bei uns.

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