Ferienvermietung aus Sicht der Hoteliers: „Da gibt es ständig Reinfälle für die Urlauber“
María José Aguiló führt die Geschäfte der Hoteliersvereinigung FEHM auf Mallorca. Sie ist kein Fan von Ferienwohnungen

María José Aguiló mit dem Präsidenten der Hoteliersvereinigung Fehm, Javier Vich. / FEHM
María José Aguiló ist die Vizepräsidentin der mallorquinischen Hoteliersvereinigung FEHM und nimmt die Gegenposition zu Jordi Cerdó ein, der die Ferienvermietung auf Mallorca verteidigt.
Was genau ist die FEHM, und wen repräsentiert sie auf Mallorca?
Die mallorquinische Hoteliersvereinigung ist einer der größten und wichtigsten Hotelverbände. Auf Mallorca vertreten wir fast 900 Unterkünfte mit insgesamt 206.000 Gästebetten. Bei uns ist alles transparent, alle Zahlen sind auf unserer Website nachlesbar. Für andere Organisationen in der Tourismusbranche gilt das so nicht. Bei der Ferienvermietung etwa gibt es mehrere Verbände, die die Branche vertreten. Da weiß man nicht, wie viele Gästebetten sie repräsentieren. Man weiß deshalb nie, ob es sich um einen validen Gesprächspartner handelt und welche Unternehmen er vertritt.
Welchen Prozentsatz machen die fast 900 Hotels aus, die Sie vertreten?
Ich habe gerade keine aktuellen Daten vorliegen, aber ich kann sagen, dass es die überwiegende Mehrheit der Hotels auf der Insel ist, für die wir sprechen. Und durch unsere Struktur der verschiedenen Untervereinigungen in den Touristenorten können wir an mehreren Stellen ansetzen: sowohl auf kommunaler Ebene als auch auf regionaler Ebene. Dazu kommen andere Themen, wie etwa Technologie, Weiterbildung, Umwelt. Wir kümmern uns also auch um das Urlaubsziel Mallorca an sich.
Bleiben wir direkt auf Mallorca: Finden Sie es gerade jetzt im Sommer auf der Insel zu voll?
Die Hotelbranche hat in den zurückliegenden zehn, zwölf Jahren einen sehr moderaten Wachstumskurs hingelegt. Zugenommen hat die Zahl der Gästebetten nur in einem ganz bestimmten Bereich, und zwar in Stadthotels und Boutique-Hotels. Das Ziel war hier, historisch wertvolle Gebäude herzurichten, die nicht mehr bewohnt oder heruntergekommen waren. In dieser Zeit ist die Zahl der Gästebetten in Hotels um sechs Prozent gewachsen. Andere Unterkunftsformen, wie etwa die Ferienvermietung, haben ihr Angebot um 176 Prozent ausgebaut. Wir als Hoteliers können unsere Aktivität nur auf Grundstücken ausüben, die klar als Areale für touristische Nutzung gekennzeichnet sind. Die Raumordnungspläne sind ja extra so ausgelegt, dass es ein Gleichgewicht gibt. Als plötzlich Tausende von Ferienwohnungen autorisiert wurden und zusätzlich viele illegale Angebote auf den Markt kamen, wurde dieses Gleichgewicht zerstört. Und es muss ja gar keine böse Absicht dahinterstecken, aber Urlauber haben andere Bedürfnisse und verhalten sich anders als Bewohner, die am nächsten Tag zur Arbeit müssen.
Dennoch gibt es natürlich die Nachfrage nach der Ferienvermietung. Wollen Sie diese Urlauber alle von der Insel fernhalten?
Nein, das haben wir nie gesagt. Viele Jahre lang gab es ein gutes Miteinander von Hotels und legaler Ferienvermietung. Dann ist die Branche aber irgendwann sehr chaotisch gewachsen – durch zahlreiche neue Lizenzen und das Aufkommen von einschlägigen Plattformen im Internet – und vor allem dort, wo es keinen Platz für diese Angebote gibt. Bei Fincas auf dem Land ist das weniger ein Problem, da stört die Ferienvermietung ja kaum.
Derzeit gibt es rund 1 15.000 zugelassene Gästebetten in der Ferienvermietung. Ist Ihnen das zu viel? Zum Vergleich: Die Hotelbranche bietet 430.000 Betten auf den Balearen an.
Das exponentielle Wachstum der legalen Angebote sowie die Zunahme der illegalen Gästebetten ist eindeutig zu viel. Und dazu kommt, dass sich die Zahl der Aufenthalte deutlich erhöht hat. Wir haben kürzere Urlaube, also viel mehr Urlauber, aber wir haben nicht mehr Aufenthalte. Das sorgt für mehr Unruhe.
Versucht die FEHM, Zahlen zum Angebot der illegalen Ferienvermietung zu sammeln?
Nein, das können wir nicht leisten. Das ist Sache der Verwaltung. Diese muss dafür sorgen, dass es in dem Bereich eine Kontrolle gibt.
Sie stehen im ständigen Austausch mit der Politik. Welche Rückmeldungen bekommen Sie aus Landesregierung und Inselrat über die Richtung, die in Sachen Ferienvermietung eingeschlagen werden soll?
Ich glaube, dass die Politik ernsthaft vorhat, die illegale Ferienvermietung zu bekämpfen. Und auch in anderen Bereichen, wie etwa dem Transportwesen oder der Freizeitgestaltung, will die Politik gegen Eindringlinge vorgehen. Das illegale Angebot betrifft nicht nur die Qualität im Reiseziel, sondern auch die Verlässlichkeit und die Sicherheit, die wir als Hoteliers den Urlaubern geben. In der Ferienvermietung beispielsweise glänzen diese Dinge durch Abwesenheit, da gibt es ständig Reinfälle für die Urlauber. Die Hotels haben sehr viel investiert, um die Qualität zu erhöhen.
Vor allem Familien kämpfen mit den stark gestiegenen Hotelpreisen, einige kommen nicht mehr zum Inselurlaub. Haben es die Hoteliers übertrieben mit den Preiserhöhungen?
Die Preise richten sich nach dem Angebot, das die Hotels bieten. All die millionenschweren Investitionen müssen berücksichtigt werden, und ich glaube, die Preise sind in den meisten Fällen gerechtfertigt. Und ich bin auch der Meinung, dass Mallorca nach wie vor für jeden Geldbeutel etwas bietet. Es gibt auch für Familien weiterhin bezahlbare Unterkünfte. Ich glaube nicht, dass wir bestimmte Urlaubergruppen von der Insel vertreiben.
Manchmal wundert man sich als Außenstehender ein wenig über den scharfen Ton zwischen Ferienvermietern und Hoteliers, wo doch das gemeinsame Ziel ist, das Reiseziel Mallorca als Ganzes voranzubringen. Könnten Sie sich in Zukunft einen konzilianteren Ton vorstellen?
Ich glaube, wir als FEHM haben uns nie zu einer konkreten Auseinandersetzung mit den Ferienvermietern oder sonst einer Vereinigung hinreißen lassen. Trotzdem glaube ich, dass wir auf der Insel abwägen müssen, welche Modalität für die Bevölkerung mehr bringt. Und da glaube ich, dass wir als Hoteliers die Sache ganz gut gemacht haben. Es braucht einfach gewisse Qualitätsmaßstäbe in der Tourismusbranche, und die existieren bei der Ferienvermietung nicht. Es geht hier um den Ruf der Destination, nicht darum, wer mit wem diskutiert oder streitet. Wenn die andere Seite einen Krieg gegen die Hoteliers führen will, dann bitte schön. Wir beteiligen uns nicht daran.
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