Rund 1.000 Menschen protestieren sitzend in Palma gegen Tourismusmodell auf Mallorca
Mit einer ruhigen Menschenkette setzten sich die Teilnehmer für stärkere Grenzen des touristischen Wachstums ein

Sitzen, lesen, quatschen: So haben am Abend mehr als 1.000 Mallorquinerinnen und Mallorquiner gegen die Überfüllung der Insel demonstriert. / Guillem Bosch
Enrique Casanova
Erneute Demonstration gegen das Tourismusmodell auf Mallorca: Die Umweltschutzorganisationen GOB und Terraferida haben am Samstagabend (29.8.) mit einer Menschenkette (allerdings im Sitzen) durch die Innenstadt von Palma gegen die aus ihrer Sicht unzureichende Reaktion von Balearen-Regierung und Inselrat auf die zunehmende touristische Überlastung protestiert. Rund 1.000 Menschen beteiligten sich an der Aktion.
Die ersten Teilnehmer trafen gegen 19 Uhr an der Plaça d’Espanya ein. Kurz vor Beginn der Menschenkette erläuterte Tonina Siquier, Vizepräsidentin und Sprecherin des GOB Mallorca, die Forderungen der Organisatoren.
Keine angemessene Reaktion der Politik
Sie kritisierte, die Institutionen hätten auf die bisherigen Proteste nicht angemessen reagiert. „70.000 Menschen auf der Straße verdienen eine Antwort“, sagte Siquier mit Blick auf die große Demonstration Ende Juli, bei der es am Ende zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei gekommen war. Der GOB wolle ein Gespräch mit Ministerpräsidentin Marga Prohens und Consell-Präsident Llorenç Galmés erreichen.

Die sitzende Menschenkette nahe dem Rathausplatz. / Guillem Bosch
Siquier griff auch die Politik der aktuellen Legislaturperiode an. Statt wirksamer Maßnahmen seien Gesetze beschlossen worden, die weitere Bebauung sowie neue Legalisierungen auf ländlichem Grund und in Naturräumen ermöglichten. Das stehe im Widerspruch zu den öffentlichen Ankündigungen der Regierung.
Menschenkette von der Plaça d'Espanya bis zur Lonja
Für die Aktion wurden die Teilnehmer in 30 Gruppen von jeweils etwa 30 bis 50 Personen aufgeteilt. Die Menschenkette zog sich von der Plaça d’Espanya über die Plaça Porta Pintada, den Carrer Sant Miquel, die Plaça Major, den Carrer Jaume II, den Rathausplatz, den Carrer Conqueridor und die Avinguda d'Antoni Maura bis in die Nähe der Lonja und damit möglichst nah an den Regierungssitz Consolat de Mar.
Die Protestform war bewusst ruhig gehalten. Viele Teilnehmer brachten eigene Stühle mit, andere setzten sich auf den Gehweg oder auf mitgebrachte Teppiche. Zahlreiche Menschen trugen weiße, rote und grüne Kleidung in Anlehnung an die Farben der traditionellen mallorquinischen Siurell-Figuren aus Ton. Familien mit Kindern und Menschen aller Altersgruppen beteiligten sich, viele hatten Essen und Spiele mitgebracht. Eine kleine Musikgruppe sorgte für Unterhaltung.
Grenzen für das Wachstum gefordert
Zu sehen waren Transparente mit Parolen gegen Ferienvermietung, touristische Überlastung und den Verlust öffentlichen Raums. Unter den Teilnehmern war auch die Aktivistin Madò Farta mit einem Schild mit der Aufschrift „Prohens, Mallorca està farta!“ (Prohens, Mallorca hat die Schnauze voll), das sich an die balearische Ministerpräsidentin Marga Prohens richtete.

Auch auf der Plaça Major nahmen die Demonstranten Platz. / Guillem Bosch
Mehrere Teilnehmer machten deutlich, dass der Protest nicht grundsätzlich Touristen verurteile, sondern die Überlastung der Insel. Sie forderten Grenzen für das touristische Wachstum und eine stärkere Diversifizierung der Wirtschaft. Neben dem Dienstleistungssektor sollten insbesondere Landwirtschaft und Industrie gestärkt werden.
Keine Kundgebung am Ende, kein Manifest
Während der Aktion konnten die Teilnehmer zudem auf Zetteln festhalten, wie sie sich Mallorca in Zukunft vorstellen. Die mehr als 30 freiwilligen Helfer sammelten die Beiträge ein und brachten sie gegen 21 Uhr zum Consolat de Mar.
Anders als bei früheren Protesten gab es diesmal weder eine Abschlusskundgebung noch die Verlesung eines Manifests. Die Organisatoren wollten den friedlichen Charakter der Aktion betonen und weitere Auseinandersetzungen mit der Polizei vermeiden. Zwischenfälle gab es nicht. Die Beamten baten lediglich darum, in den Straßen ausreichend Platz für Passanten freizuhalten.
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