Bett erst in 35 Jahren verfügbar: Mallorcas Obdachlosenheime sind völlig überfüllt
Nachdem das Rathaus Palma die Wohnungslosen aus dem alten Gefängnis vertreiben will, werden Alternativen gesucht

Ein Obdachloser an der Playa de Palma, auf einem Archivbild. | FOTO: NELE BENDGENS / Simone werner
Palmas Sozialdienst IMAS bietet mit „Ca l’Ardiaca“ und der „Casa de familia“ zwei Obdachlosenheime an. Die sind ähnlich wie die Heime der privaten Hilfsorganisationen völlig überfüllt. Zudem gibt es starke Zugangshürden in Sachen Alkohol und Drogen.
1 10 Wohnungslose finden in den nach ihren deutschen Sponsoren benannten Tardor-Heimen „Kurt“ und „Inge“ ein Bett. 25 Bewohner aus dem ehemaligen Gefängnis haben in den vergangenen Tagen dort angefragt. Ihre Chance auf Zuflucht tendiert gen null. „Wir haben 352 Leute auf der Warteliste“, sagt Ascensión Sala, die die Heime managt. Zehn Plätze sind im vergangenen Jahr frei geworden. Bei dem Rhythmus würde es 35 Jahre dauern, um alle Leute auf der Warteliste mit einem Bett zu versorgen. Die meisten Anfragen kommen direkt vom Sozialamt oder den Krankenhäusern. „Nur selten melden sich die Wohnungslosen wie jetzt aus Eigeninitiative“, sagt Sala.
Obdachlosenheim kostet auch Miete
150 oder 200 Euro der Sozialhilfe zahlen die Heimbewohner – je nach Unterkunft – als Miete. Wer kein Einkommen hat, verdient sich die Bleibe mit Putzjobs. Das Essen wird von Hotels geliefert, mit denen Tardor kooperiert. Alkohol und Drogen sind verboten. „Wir werfen die Leute aber nicht raus, sondern schicken sie zu Entzugsprogrammen“, sagt Sala. Erst beim dritten Verstoß nach zwei Mahnungen verlieren die Heimbewohner ihr Bett. Im vergangenen Jahr kam das drei Mal vor.
Geschlafen wird in den Zimmern zu zweit oder zu dritt. „Auf der Straße gibt es noch weniger Privatsphäre“, sagt die Leiterin. In Schließfächern können die Bewohner ihre Wertsachen lagern. „In vier Jahren gab es einen Diebstahl bei uns – ein paar Münzen, die auf dem Nachttisch lagen.“ Ascensión Sala hat mit Videokameras die Heime ständig im Blick. Ansonsten dürfen die Wohnungslosen so lange bleiben, wie sie wollen. Manche verbringen dort ihre letzten Tage.
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