"Beim Festlegen der Preise den Verstand verloren": Neuer Mieterverband fordert Ende von Ferienwohnungen auf Mallorca
Auf Mallorca wächst die Wut über hohe Mieten und Verdrängung. Ein neuer Mieterverband will Betroffenen Mut machen und fordert klare Grenzen für Spekulation mit Wohnraum.

Óscar Martínez, einer der Sprecher des neuen Mieterverbands Sindicat de Llogateres de Mallorca. / Manu Mielniezuk
Die Wohnungsnot auf Mallorca macht tausenden Menschen täglich zu schaffen. Viele fühlen sich wütend, ohnmächtig und verängstigt - entweder, weil sie Angst haben, aus ihrer Mietwohnung geworfen zu werden, oder weil sie die horenden Kaufpreise für eigene Mieten nicht aufbringen können. Nicht nur Zugezogene gehöhren dazu, sondern auch Mallorquiner selbst. Eine neuer Mieterverband soll den Menschen Mut machen: Die Sindicat de Llogateres folgt dem Vorbild einer katalanischen Gewerkschaft und will denjenigen, die ihre Häuser verlassen müssen, Kraft und Zusammenhalt geben. Die MZ-Schwesterzeitung "Diario de Mallorca" hat den Sprecher der Vereinigung, Óscar Martínez (Sa Pobla, 1970) interviewt.
Was sagen Sie zu dem Vorurteil, dass alle Mallorquiner, die ein Haus besitzen, reich sind?
Nicht alle Eigentümer sind gleich, und nicht alle machen dasselbe mit ihrem Eigentum. Der Anteil der Menschen mit nur einer Wohnung sinkt, während die Zahl derjenigen, die fünf, sechs oder sieben besitzen, schnell steigt. Das begünstigt die Anhäufung von Wohnraum. Es gibt mallorquinische Familien, die das Glück haben, ein Haus zu besitzen, und trotzdem nicht ruhig schlafen können, weil große Fonds jede Schwäche ausnutzen werden, um ihre Wohnungen zu kaufen. In diesem Sinne sind die Eigentümer ein Schlüsselelement zur Lösung des Konflikts.
Die Regierung hat bereits an den guten Willen appelliert und Bauträger und Eigentümer gebeten, die Mieten nicht unverhältnismäßig zu erhöhen...
Es ist kompliziert, einen Eigentümer darum zu bitten, die Wohnung zu vermieten oder sie zu einem angemessenen Preis anzubieten, wegen des Drucks, den er aus seinem Umfeld verspürt, Profit daraus zu schlagen. Nicht alle Eigentümer sind gleich und sollten auch nicht auf dieselbe Weise behandelt werden, denn nicht alles ist dasselbe: Es gibt Investmentfonds, die sehr viele Wohnungen anhäufen. Man kann den Kauf von Zweitwohnsitzen besteuern, um dies zu verhindern und ihn kostspieliger zu machen. Außerdem muss der Ersterwerb erleichtert werden, sofern er der Wohnnutzung dient.
Wie können Eigentümer dem Druck ihres Umfelds entgehen, das sie dazu drängt, Profit zu machen?
Man muss eine Preisobergrenze festlegen, um diesen Versuchungen vorzubeugen. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass es nicht dasselbe ist, einen Luxusgegenstand zu kaufen wie eine Wohnung. Sie wird dir gehören, aber ein Haus ist ein Ort zum Leben. Wir haben rund um den Wohnraum derart spekulative Dynamiken geschaffen, dass wir beim Festlegen der Preise den Verstand verloren haben. Ich bin sicher, dass viele Eigentümer, wenn sie innehalten und darüber nachdenken, wissen, dass es eine Ungeheuerlichkeit ist, von einer Familie 50 Prozent dessen zu verlangen, was sie verdient, und dass sie es in Wahrheit nicht brauchen.
Die Regierung verteidigt sich mit dem Argument, dass dort, wo diese Maßnahme angewandt wurde, das Angebot zurückgegangen sei und der Preis gleich geblieben oder gestiegen sei.
Es gibt reale Daten, und dennoch wird Desinformation verbreitet, um einen Modellwechsel zu verhindern. Vor fünfzehn Tagen veröffentlichte das INE (spanisches Statistikinstitut, Anm. d. Red.) die Daten zum Anstieg der Mieten, und die Regionen, in denen sie am wenigsten gestiegen waren, waren Ceuta, Melilla und Asturien, aus wirtschaftlichen Gründen, und danach Katalonien, das seit 2024 die vierte Region war, in der sie am wenigsten gestiegen waren. Das sind die Daten. Es stimmt, dass einige, als sie ihre Einnahmen begrenzt sahen, nach Alternativen wie der befristeten Vermietung gesucht haben, um weiterhin genauso viel Geld zu verdienen wie zuvor. Deshalb glauben wir, dass man versuchen muss, Ferienwohnungen abzuschaffen: Wohnungen müssen für die Bewohner da sein.
Plädieren Sie also direkt dafür, Ferienwohnungen abzuschaffen?
Ja, wir müssen Stadtviertel und Dörfer zurückgewinnen; es gibt bereits genug Raum, der dem Tourismus gewidmet ist.
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