Blog 
Ein Kiosk an der Playa

Blogger

Blog Ein Kiosk an der Playa - Sabina Pons

Sabina Pons

Sabina Pons, mallorquinische MZ-Autorin, betreibt einen Tabakladen am Ballermann. Und macht dort allerlei Bekanntschaften

Über diesen Blog | Gesellschaft

Interessante Geschichten über Gestalten und Besucher eines Tabakladens an der Playa de Palma


Archiv

  • 07
    September
    2017

    Kommentieren

    Teilen

    Twittern

    Mallorca Gesellschaft

    Meine Ente und ich

    Alles klar. Nicht alle jungen Deutschen sind gleich. Nicht alle sind in zerrütteten Familien aufgewachsen mit kaputten Müttern und abwesenden Vätern. Nicht alle von uns nutzten den Urlaub auf Mallorca, um alle Verrücktheiten zu begehen, die wir bei uns zu Hause unterdrücken müssen.

    Ich bin nicht so. Ich bin ein ganz normaler junger Mann. Aber ich bin zwanzig Jahre alt, mein Herz schlägt mit unbändiger Kraft, meine Hormone vermehren sich sturzbachartig und ich habe unglaubliche Lust zu leben, zu trinken bis zum Umfallen, zu rauchen, zu tanzen, Wahnsinnssachen zu machen. Wer kann mir das vorwerfen?

    Ich sage euch, wer mir das vorwerfen kann: mein Gewissen. Ich bin Mitglied einiger Umweltorganisationen, ich gehöre zur Anti-Lärm-Liga, bin Abstinenzler, Nichtraucher und gehe seit 13 Jahren mit meiner Freundin, der ich hartnäckig treu bin. Ich führe ein geordnetes und glückliches Leben … bis der Juni kommt und meine Freunde anfangen, zu singen „Malle is nur einmal im Jaaaaaahr!!!” Und dann beginnt der große Kampf: Meine Überzeugungen gegen meine Instinkte.

    Bis zu diesem Jahr hat mithilfe von Eli immer meine helle Seite gewonnen. Aber diesen Sommer konnte ich nicht mehr widerstehen, und ich habe meinen Kumpels zugesagt, mit ihnen nach Mallorca zu fahren, aber mit meiner Ente! 

    Meine Ente erlebt mit mir zusammen alles, was die Insel für einen Zwanzigjährigen bereithält. Sie ist der Kompromiss, den ich mit meinem Gewissen geschlossen habe, um endlich nach Mallorca fahren zu können. 

    Meine Ente hat Hierbas probiert, Palo amb sifón und den Kaffee mit Amazonas und dabei den Rausch ihres Lebens erlebt. Meine Ente raucht wie ein Schlot (auf dem Bild links sieht man meine Ente, wie sie Zigaretten ohne Filter am Strandkiosk kauft) und liegt stundenlang in der Sonne ohne Schutzcreme.

    Meine Ente geht abends aus und kommt morgens erst ins Hotel zurück, sie tanzt auf den Tischen, schmettert die erbärmlichsten deutschen Lieder und pöbelt hübsche Mädchen an: „Nenaaa, küss meinen …! Heeee, Blondine! Magst du ein bisschen mit mir im Pool plantschen?“

    Ich begleite meine Ente überall hin und freue mich, zu sehen, wie sie das alles genießt. Meine Ente schmeißt ihre Zigarettenstummel in den Sand und lässt ihre Bierflaschen einfach überall stehen, meine Ente schnattert zu jeder Tages- und Nachtzeit und lässt die Gäste in den Nachbarzimmern nicht schlafen.

    Meine Ente ist außer Kontrolle. Vor ein paar Stunden kam sie völlig aufgeladen hier an, zog sich nackt aus, ging auf den Balkon unseres Hotelzimmers im achten Stock, plusterte ihre Flügel auf und krächzte: „Yuhuuuuu! Auf in den Poooooooool!“ Und sie ist gesprungen.

    Meine Ente und ich
    Auf dem Bild oben sieht man den Zustand meiner Ente, nachdem sie eine Nacht im Krankenhaus Son Espases verbracht hat. Ein weiterer Fall des Balconing, der in die Statistik aufgenommen werden kann.

     

    In Twitter teilen
    In Facebook teilen