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Mallorca-Anekdoten

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Blog Mallorca-Anekdoten - Thomas Fitzner

Thomas Fitzner

Der Journalist und Autor Thomas Fitzner war stellv. Chefredakteur der MZ und hat mehrere Mallorca-Romane veröffentlicht. Noch mehr Anekdoten gibt es in "Wo zum Kuckuck sind die Palmen?"

Über diesen Blog | Gesellschaft

Anekdoten vom Mittelalter bis in die Gegenwart: Schwedische Könige kommen genauso vor wie Pornos schauende Fußballer, Superhelden in der Tramuntana oder eine Präsidententochter im Rotlichtviertel.


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  • 29
    September
    2017

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    Mallorca Gesellschaft

    Schubumkehr im stillen Örtchen

    Warum sich der Käufer eines Hauses auf Mallorca plötzlich sehr beschissen fühlte

     

     

    Dass Neubauten auf Mallorca nicht immer den höchsten Qualitätskriterien gerecht werden, ist eine milde Untertreibung. Auf der Insel kann sich jeder, der einen Ziegel von einem Holzbalken unterscheiden kann, Baumeister nennen, und entsprechend dramatisch und ärgerlich siSchubumkehr im stillen Örtchennd die Überraschungen, die vor allem ausländische Käufer erleben, wenn sie den Lebensqualitäts-turbo anwerfen und in ihrem frisch erstandenen Haus die Atmosphäre des mediterranen Paradieses genießen wollen.

     

     

     

    Eines Tages bat einer dieser Kunden um fachkundige Prüfung eines klassischen Mallorca-Defekts: Das Haus litt an chronischer Feuchtigkeit in allen Wänden. Der Sachverständige fand die Sache von Beginn an merkwürdig, denn in 90 Prozent der Fälle ist Feuchtigkeit, die aus dem Boden-bereich aufsteigt, für das Pro-blem verantwortlich. Doch im konkreten Fall handelte es sich um ein nagelneues Gebäude – normalerweise -vergehen Jahre, bis sich das Problem in sicht- und riechbarer Weise bemerkbar macht. Girharz nahm Proben von den Salzausblühungen, die die Wände verunzierten, und siehe da: Nitrate. Das deutete auf Fäkalien hin, wahrscheinlich ein Schmutzwasserrohrbruch, möglicherweise war der Sickergraben voll.

     

     

    Also rief man einen Tankwagen, um die Brühe aus dem Rohrsystem abzupumpen. Doch der Techniker, der am Lkw die Pumpe bediente, war an diesem Tag zerstreut. Als ihm das Zeichen gegeben wurde, dass der Schlauch angeschlossen war, drückte der Mann aufs Knöpfchen, allerdings aufs falsche, womit der mächtige Pumpmotor in die falsche Richtung zu arbeiten begann, was insofern ungünstig war, als der Behälter des Fahrzeugs bereits voller Fäkalien war – von einem vorherigen Kunden.

     

     

    Das Ergebnis war filmreif: Mit Verve presste die Pumpe die Brühe in das Abwassersystem des schmucken Hauses, in der Folge schoss das Zeug aus allen Öffnungen. Braunes Inferno. Hätte in diesem Moment jemand auf dem WC gesessen, wäre er von dem gewaltigen Gülle-Strahl, der vertikal aus der Kloschüssel pfauchte, an die Decke katapultiert worden.

     

     

    Insofern war es ein Glück, dass niemand physisch zu Schaden kam. Die Moral freilich war am Boden. Binnen Sekunden hatte sich die Mallorca-Traumvilla in ein stinkendes Inferno verwandelt.

     

     

    Doch wie Girharz später herausfand, war nicht nur in diesem Sinn die Situation ziemlich beschissen. Nachdem im zweiten Anlauf alles ordentlich abgepumpt und ein Reinigungsteam das Haus wieder auf Hochglanz gebracht hatte, führte der Bausachverständige eine Kamera-sonde in das Abwasserrohr ein. Zu seiner Verblüffung stellte er fest, dass nicht ein Rohrbruch die Feuchtigkeitsprobleme verursacht hatte, sondern ein nahezu surrealistischer Fehler beim Bau des Hauses: Das Abwasserrohr mündete nicht in die Sickergrube, sondern endete auf halbem Weg mitten im Erdreich.

     

     

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