Der Naive und der Zyniker: Mallorca-Film über Woody Allen gewinnt Goya

Trotz der Sex-Vorwürfe: Ein auf der Insel entstandener animierter Kurzfilm mit einem Kneipen­gespräch zwischen dem jungen und dem alten Woody Allen erhielt am Samstag (3. 2.) den spanischen Filmpreis in der Kategorie animierter Kurzfilm

04.02.2018 | 11:38
Laura Gost, Jaume Carrió, Aline Tur, Miquel Santander (v. l.).

Erfolg für die Filmszene auf Mallorca: Bei der Verleihung des wichtigsten spanischen Filmpreises "Goya" in Madrid haben am Samstagabend (3.2.) zwei mallorquinische Filmemacher triumphiert: Regiesseur Jaume Carrió (Esporles, 1983) und Drehbuchautorin Laura Gost (Sa Pobla, 1993) freuten sich über die Auszeichnung ihres Films "Woody&Woody" über den US-Filmemacher Woody Allen als bester Animations-Kurzfilm des Jahres. Sichtlich bewegt nahmen die Mallorquiner den Preis entgegen.

Laura Gost kennt sich aus: Schon als Teenagerin sog die aus Sa Pobla stammende Drehbuchschreiberin jeden neuen Film des ob seines neurotisch-lustigen Verhaltens seit Jahrzehnten weltbekannten New Yorker Kult-Regisseurs in sich hinein. „Für das Thekentheater-Festival Teatre de Barra schrieb ich 2014 mit Regisseur Jaume Carrió sogar ein 15-minütiges Theaterstück auf Katalanisch über ihn", so die 24-Jährige im Gespräch mit der MZ. „Woody & Woody" ist ein vergnügliches Kneipengespräch zwischen einem jungen und einem alten, gereiften Woody Allen über Liebe, Tod, Religion, Jazz-Musik und Kino. Die Zitate sind Filmen, Büchern und Interviews von Woody Allen entnommen.

Und so entstand Gosts Film, ein Animationsfilm, den sie als Studentin der Filmschule CEF mit einem 30-köpfigen Team – darunter Jazz-Musikern für den Soundtrack – in Palma gedreht hat. Neben den Schulleitern Aline Tur und Miquel Àngel Santander war auch der 34-jährige Jaume Carrió wieder mit von der Partie. Das Team bediente sich neben der 3-D-Animation einer weiteren Technik, der Rotoskopie. Dabei werden die Szenen Einzelbild für Einzelbild von hinten so auf eine Mattglasscheibe projiziert, dass ein Zeichner sie gewissermaßen abpausen kann.

Herausgekommen ist ein ästhetischer 13-minütiger Film, der durch die in Spanien allseits bekannte Synchron-Stimme von Woody Allen, Joan Pera, noch aufgewertet wird. Die Juroren der 32. Ausgabe des Goya-Filmpreises – der spanischen Oscars – waren von ihm so angetan, dass sie den Film, neben neun weiteren, für einen Goya nominierten. Und tatsächlich wurde „Woody & Woody" am Samstag (3.2.) als bester animierter Kurzfilm ausgezeichnet.

Und das, obwohl Woody Allen momentan ziemlich „out" ist – erst recht bei Filmschaffenden. Denn im Zuge des Skandals um sexuelle Übergriffe von Hollywood-Bossen wie Harvey Weinstein hat Allens inzwischen 32-jährige Adoptiv-Tochter Dylan ihn unlängst erneut beschuldigt, sie als siebenjähriges Kind unsittlich berührt zu haben. Eine Anschuldigung, die deren Mutter, Allens Ex-Frau Mia Farrow, bereits vor 25 Jahren vorgebracht hatte. Damals ermittelte die Polizei, konnte dem Regisseur aber nichts nachweisen. Woody Allen bestreitet weiter die Vorwürfe. „Für uns gilt die Unschuldsvermutung" , sagt Regisseur Jaume Carrió. „Mit unserem Film würdigen wir den Künstler und nicht den Menschen."

„Dieser geniale Film-Künstler", ruft Laura Gost aus. Woody Allen habe ein ganz eigenes Genre geschaffen. „Keine Figur ist perfekt in seinen Filmen, erst recht nicht er selbst." Woody Allen karikiert bekanntlich meisterhaft ein pseudointellektuelles New Yorker Milieu, wobei er sich selbst besonders kunstvoll parodiert. Auch die Frauen kriegen ihr Fett weg: „Die Figuren, die Diane Keaton oder Mia Farrow darstellen, sind besitzergreifend, neurotisch, merkwürdig", sagt Laura Gost. Deshalb könne sie auch nachvollziehen, dass viele Frauen Allens Film nicht mögen.

Auch „Woody & Woody" ist ganz in diesem Genre gehalten. Er lebt davon, dass der junge Allen ausgesprochen naiv und der alte ausgesprochen zynisch ist. Im Hintergrund erklingt permanent Jazz – die Lieblingsmusik des Meisters. „Wir habe das bewusst so melodiös gehalten, wie das Henry Mancini immer tat, der Komponist der Filmmusik vom 'Rosaroten Panther'", sagt Laura Gost. Durch das Wechselspiel von Dialog und Musik entstehe eine „eigene Komik".

Für einen Studentenfilm hatte „Woody & Woody" ein stattliches Budget: 40.000 Euro. Die Mallorca Film Commission, der Inselrat und der öffentliche Sender IB3 unterstützen die Produktion „Wir waren selbst überrascht, dass hier ein Projekt gefördert wurde, das thematisch nichts mit den Balearen zu tun hat", sagt Laura Gost.

Ob Woody Allen himself schon von dem Film weiß, der auf dem vergangenen Evolution Mallorca International Film Festival Premiere feierte, wissen die Macher nicht. „Wir versuchen, mit ihm Kontakt aufzunehmen, aber das hat bislang noch nicht geklappt", so Laura Gost. Durch den Erfolg bei den Goyas dürften die Chancen steigen.

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