15. November 2018
15.11.2018
Mallorca Zeitung

Nachruf: Der Künstler, der in einem Hühnerstall auf Mallorca sein Glück fand

Der gebürtige Potsdamer Hartmut Usedal flüchtete vor reichen Hippies auf Ibiza und baute das Kulturzentrum Sa Taronja auf

15.11.2018 | 12:15
Hartmut Usadel vor einer seiner Vogel-Zeichnungen, die im Kulturzentrum Sa ­Taronja ausgestellt wurden.

Als Hartmut Usadel 1962 nach Mallorca kam, war er auf der Flucht. Er flüchtete vor den Kindern reicher Eltern, die sich auf seiner damaligen Wahlheimat Ibiza „mit dicken Schecks von Papa" als Hippies verwirklichen wollten, wie er 2012 dem MZ-Reporter Thomas Fitzner berichtete. Aus dem Künstler und Galeristen Hartmut Usadel, der von 1954 bis 1958 an der Staatlichen Kunstakademie in Stuttgart bei dem berühmten Maler Willi Baumeister studiert hatte, wurde nach einem kurzen Zwischenaufenthalt in der Karibik auf Mallorca ein Gründer. In Andratx baute er in den 70er-Jahren eine stillgelegte Hühnerfarm am Ortsrand zu dem Kulturzentrum Sa Taronja (Die Orange) um. Zwischen den Ställen hob er einen Graben aus, schüttete Ränge auf und baute ein Theater, in dem einmal im Monat ein Stück aufgeführt werden konnte.

Ein Faible für Vögel

Finanziell lief es mit Sa Taronja nie richtig rund. Usadel verdiente sich sein Geld als Koch auf Yachten, als Gärtner und als Schreiner, der Beruf seiner ersten Lehre. Und natürlich war er Künstler, stellte in New York, London, Berlin und Paris aus. Usadel war kein Kleingeist, seine Bilder – ob Landschaft oder Tier – spiegeln seine großzügige Sicht der Dinge wieder. Er malte gerne Vögel, denn die seien frei, sagte er bei einer seiner Ausstellungen. 1980 nahm der 1933 in Potsdam geborene Maler die spanische Staatsbürgerschaft an. Und 1997 holte er seine langjährige Künstlerkollegin und Freundin Tina Horne mit ins Boot von Sa Taronja.

Tina Horne sollte bald die Leitung übernehmen und 2003 auch das Eigentum. Usadel betrieb noch einige Jahre eine Galerie in s'Arracó. „Er war ein ganz spezieller Mensch, intelligent, nicht immer rational, jemand der sein Leben nach seinen Instinkten steuerte", sagt Tina Horne der MZ . Einer, der mit einem „Das machen wir jetzt" Sachen angepackt habe, ein „liebevoller Macher".

Durch die Wirtschaftskrise gebracht

Bis 2017 hat Tina Horne das Kulturzentrum geleitet und es mit Müh und Not durch die schwere spanische Wirtschaftskrise gebracht. Danach verkaufte sie an ein Paar aus Bratislava (Slowakei). „Ich konnte nicht mehr, aber sie wollen das Zentrum unbedingt erhalten, es wird weiter existieren."

Die Trauerfeier für Usadel fand am Samstag (17.11.) in der Kirche in s'Arracó statt, an die 300 Besucher kamen zusammen. Ein Gottesdienst fand nicht statt, sechs seiner engsten Freunde und Mitglieder seiner Familie würdigten Hartmut Usadel mit ihren Wortbeiträgen, auch Tina Horne sprach zu der Trauergemeinde über die Träume des Verstorbenen. Er habe nie Angst gehabt, sie auch zu verwirklichen. Sie hofft, bald eine Ausstellung mit den Werken des Künstlers in seiner alten Galerie in s'Arracó verwirklichen zu können.

Hartmut Usadel ist am 18. Oktober in seinem Heim auf Mallorca im Alter von 84 Jahren gestorben. Er hinterlässt seine Frau Adrienne und seine beiden Söhne Daniel und Adrian.

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