24. Februar 2011
24.02.2011

Später in die Rente, früher ins Grab

03.02.2011 | 11:55

Nun sollen wir auch in Spanien noch mehr Jahre arbeiten, damit unser immer länger werdender Lebensabend finanziert werden kann. Hinter der Rentenreform steckt die Annahme, dass die Lebenserwartung ungebremst weiter ansteigt. Doch das ist durchaus eine Hypothese, die man kritisch betrachten sollte. Einige Experten sehen bereits Anzeichen dafür, dass die im Schnitt linear steigende Lebenszeit stagnieren wird. Es könnte sogar möglich sein, dass erstmals in der Geschichte die Lebenserwartung der Kinder geringer sein wird als die der Eltern. Schuld daran ist eine ungesunde Kombination aus Wohlstand und Turbogesellschaft. In Europa sind heute sechs von zehn Todesfällen auf Erkrankungen zurückzuführen, die nicht übertragen werden. Faktoren wie Stress, Feinstaub und Fast Food kommen auch in Spanien zum Tragen. Statt der viel gepriesenen Mittelmeer-Diät kommt aus Geldmangel oder fehlendem Interesse an gesunder Ernährung Billignahrung auf den Tisch. Die unsichere wirtschaftliche Lage, wachsende Armut, Arbeitslosigkeit bei den einen und Burn-out bei den anderen wirken sich auch nicht gerade förderlich für ein langes Leben aus.

Viele jüngere Spanier werden also ihr Arbeitsleben lang Beiträge für andere einzahlen und selbst wenig von ihrem Ruhestand haben. Die Älteren profitieren davon. Wie auch in Deutschland kam die Reform in Spanien viel zu spät. Von Generationengerechtigkeit kann keine Rede sein.
Lobenswert sind aber zwei Details der neuen Regelung. Praktikanten und Mütter sind in Spanien in Bezug auf ihre Rente nun besser gestellt als vorher. Im Übrigen sollte man die Rentenreform sowieso nicht als endgültig betrachten. Zu erwarten ist vielmehr, dass uns abhängig von der nicht vorhersehbaren wirtschaftlichen Entwicklung in Zukunft noch weitere Verschiebungen der staatlichen Altersvorsorge ins Haus stehen.

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