Ex-Premier vor Gericht: Auch Estarás belastet Matas

Fall Palma Arena: Die frühere Vizepräsidentin gibt Matas die Verantwortung für die manipulierte Ausschreibung rund um seinen Redenschreiber

22.01.2012 | 19:04
Ex-Premier vor Gericht: Auch Estarás belastet Matas
Ex-Premier vor Gericht: Auch Estarás belastet Matas

Im Prozess gegen den früheren balearischen Ministerpräsidenten Jaume Matas ist dieser auch durch Aussagen der Ex-Vizepräsidentin belastet worden. Rosa Estarás gab am Donnerstag (12.1.) als Zeugin vor Gericht an, dass Matas die offenbar gefälschte Ausschreibung zur Rekrutierung des Redenschreibers Antonio Alemany autorisiert habe. Die Ausschreibung sah PR-Arbeiten durch die Agentur vor, laut Staatsanwaltschaft floss das Geld aber an den Journalisten Alemany.

"Gewöhnlich werden solche Ausschreibungen vom Ministerpräsidenten genehmigt, und wir alle gingen davon aus, dass dies auch in diesem Fall so war", sagte Estarás, die heute EU-Abgeordnete der Volkspartei (PP) ist. Sie selbst habe die Unterlagen nur aus formellen Gründen unterschrieben, aber ansonsten nichts mit dem Vertrag zu tun gehabt. Matas habe sich persönlich um die Kommunikationspolitik gekümmert, deswegen habe sie diese Vorgänge auch nicht kontrolliert.

Matas werden in diesem ersten Prozess des Falls Palma Arena unter anderem Amtsmissbrauch, Veruntreuung öffentlicher Gelder, Betrug und Dokumentenfälschung vorgeworfen. Der Politiker soll in der Zeit seiner Regierung (2003-2007) mittels einer manipulierten Ausschreibung den Journalisten Antonio Alemany als Redenschreiber engagiert haben. Dabei floss angeblich auch Geld für nicht geleistete Arbeiten. Im Gegenzug habe Alemany in seiner Online-Zeitung und seiner Nachrichtenagentur Lobeshymnen über die Matas-Regierung verbreitet. Die Zahlungen seien über den Umweg einer PR-Agentur geleistet worden, um die Identität des Journalisten zu verschleiern. Der Schaden wird auf insgesamt 483.000 Euro beziffert. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Haftstrafe von 8,5 Jahren.

Matas hatte am Dienstag die Vorwürfe, eine öffentliche Ausschreibung rund um seinen Redenschreiber Antonio Alemany manipuliert zu haben, zurückgewiesen. In seiner Vernehmung führte er die Beschuldigungen der Mitangeklagten darauf zurück, dass diese eine Einigung mit der Staatsanwaltschaft zur Minderung ihrer voraussichtlichen Strafe erreicht hatten. Auch ein Teil der Mitangeklagten hatte Matas belastet.

Eine ausführliche Reportage vom Gerichtsprozess lesen Sie im E-Paper der Mallorca Zeitung:
epaper.mallorcazeitung.es.

Report

Abschied von den Nonnen in Sineu: Ein Hotel wird es erst mal nicht

In Sineu sind 433 Jahre klösterliches Leben im früheren Königspalast zu Ende gegangen. Jetzt fehlt...

Industrieerbe auf Mallorca: vergessene Schätze unter Taubenkot

Industrieerbe auf Mallorca: vergessene Schätze unter Taubenkot

Die Insel ging im Zeitalter der Industrialisierung ihren eigenen Weg. Erst jetzt werden...

Keine Angst vor Lufthansa und Ryanair

Keine Angst vor Lufthansa und Ryanair

Mallorcas Flugunternehmen Air Europa baut sein Amerika-Geschäft aus, bastelt an einer...

Die Großen Fünf jenseits von Palma

Die Großen Fünf jenseits von Palma

Calvià, Marratxí, Manacor, Llucmajor und Inca: Sie alle haben Stärken und Schwächen, wie Zahlen...

Mallorcas Brunnen, das vergessene Erbe

Mallorcas Brunnen, das vergessene Erbe

Die Bauwerke zeugen davon, wie die Insel über Jahrhunderte hinweg nachhaltig mit der Ressource...

Empfohlene Links: Inselradio 95,8 | Mallorca mal 365 |