Son Servera: Gleichung mit acht Unbekannten

Bessere Straßen, neue Urlauber-Angebote, mehr Recycling: In der Gemeinde haben die Bürger in jeder Hinsicht die Qual der Wahl

19.05.2015 | 12:13

In Son Servera ist wählen in diesem Jahr besonders kompliziert. Nicht nur, dass sich für den Urnengang am 24. Mai gleich acht Parteien in Position gebracht haben. Zudem ist der Nachname des Herausforderers von der Volkspartei (PP), Jaime Servera, nicht nur identisch mit dem Namen der Gemeinde, sondern auch mit dem des amtierenden Bürger­meisters der Gemeinde, Antoni Servera, von den Independents.

„Acht Parteien in einem so kleinen Ort!", sagt Natalia Troya, Spitzenkandidatin der Sozialisten, die zusammen mit den Independents sowie den Regionalparteien Convergència per les Illes und PSM regieren. Bis vor zwei Jahren stellten die Sozialisten mit Pep Barrientos auch den Bürgermeister. Sich zu profilieren werde nicht leicht, meint die Gemeinderätin für Kommunikation – zumal man in den vergangenen Jahren weniger in für alle sichtbare Infrastrukturprojekte als in soziale Hilfen investiert habe. Die PP dagegen setzt weiter auf das Ziel absolute Mehrheit – Jaime Servera hat den weiteren Parteien im Gemeinde­rat bis heute nicht verziehen, dass sie alle zusammen die Formation mit den meisten Stimmen in die Opposition geschickt haben.

Die Gemeinde Son Servera, das ist nicht nur der Ort gleichen Namens im Inselosten, sondern auch der Hafenort Cala Bona, die Villensiedlung Costa dels Pins sowie vor allem der touristische Küstenort Cala Millor – zumindest der nördliche Teil. Der südliche Teil wird von der Nachbargemeinde Sant Llorenç verwaltet, mit der aber seit inzwischen zwei Jahren ein gemein­sames Tourismuskonsortium betrieben wird. Die Erfahrungen bei der Vermarktung seien gut, so Bürgermeister Antoni Severa. Das Ziel sei nun, dass neben den Hoteliers auch Einzelhändler und Wirte dem Konsortium beitreten, um gemeinsam noch mehr auf die Beine zu stellen.

Neues für die Urlauber
Der Bürgermeister denkt da etwa an neue Laufveranstaltungen, die neben den Badegästen auch vermehrt Sportler in die Gemeinde locken. Konkret geplant ist ein 60-Kilometer-Trail. Zudem soll das kulturelle Erbe der Gemeinde – von den Talayots bis zur Kirche von Son Servera – über einen Rundkurs erschlossen werden. Der Vorschlag der PP klingt ähnlich, Jaime Servera hat auf seiner Liste aber auch das Projekt für einen Museums­neubau, in dem die Geschichte der Gemeinde Son Servera erzählt werden soll.

Darüber hinaus denkt man beiden Sozialisten vor allem an die Ausbildung der Beschäftigten in der Tourismusbranche: Kandidatin Troya setzt sich für die Gründung einer eigenen Hotelfachschule ein. Schon jetzt werden in Zusammenarbeit mit der Balearen-Universität einzelne Kurse angeboten, in Zukunft aber sollte die Gemeinde angesichts der weiten Entfernung zu Palma eine eigene Zweigstelle haben. „Das würde die Chancen auf einen Job deutlich verbessern."

Unser Dorf wird schöner
Ansonsten kreisen die Vorschläge der Parteien vor allem um die Modernisierung und Verschönerung der Ortsteile. PP-Kandidat Servera hat etwa die Neugestaltung der Plaça d´es Mercat sowie der Straßen Joana Roca und Es Cos im Zentrum von Son Servera im Programm. Die Linksparteien stellen die Verschönerung von Straßen in Cala Bona oder in Costa dels Pins in Aussicht – Straßenbelag, Bänke sowie Laternen sollen erneuert werden. Dass da in den vergangenen Jahren zu wenig passiert ist, wird mit der schwierigen Haushaltslage erklärt. Aber diese sei nun angesichts von Bankschulden von 13 Millionen Euro inzwischen im Griff, versichert Bürgermeister Servera – in den vergangenen zwei Jahren habe man sogar einen Überschuss von 800.000 und 1,8 Millionen Euro erwirtschaftet.

PP-Mann Servera dagegen sieht noch gewaltiges Sparpotenzial im Rathaus – die laufenden Kosten ließen sich um 15 bis 20 Prozent senken. Der Oppositionspolitiker kritisiert etwa die fehlende Transparenz bei Konzessionen für Straßenreinigung und Gärtnerarbeiten und verweist auf seine Kompetenz mit Zahlen und Bilanzen: Servera arbeitet in einer Versicherungs­agentur in Son Servera. Mit einem besseren Finanzmanagement im Rathaus ließen sich letztendlich Abgaben senken und Gelder für neue Investitionen erschließen. Zu den Wahlversprechen zählen schließlich auch Steuervergünstigungen für die Sanierung von Altbauten.

Bei der Sozialpolitik setzen die Parteien unterschiedliche Schwerpunkte: Sozialistin Troya plant etwa ein Programm zur Betreuung von Kleinkindern gerade während der Sommerwochen sowie auch einen Mittagstisch für die Verpflegung von Kindern aus sozial schwachen Familien. Die PP verspricht unter anderem ein Tageszentrum für Senioren in Cala Millor sowie Hilfen für Studenten, die auf die Balearen-Universität gehen und deswegen in Palma eine Wohnung brauchen.

Einiges im Argen liegt nach Ansicht der Independents bei der Müllentsorgung. So dümpelt die Recyclingquote bei 14 Prozent – Bürgermeister Servera würde sie gerne deutlich über 50 Prozent heben. Im Fall von Hotels und Restaurants werden schon jetzt die Wertstoffe sortiert abgeholt. Um das Recycling finanziell attraktiver zu machen, möchte der Bürgermeister per Verordnung Steuervergünstigungen für die Betriebe und Haushalte gewähren, die ihre Wertstoffe auch wirklich getrennt entsorgen.

Wer mit wem?
Was von den Versprechen umgesetzt werden kann, wird letztendlich von der Koalition abhängen, ohne die wohl keine Regierung zustande kommen dürfte. Im linken Lager könnten Sozialisten und Independents dabei auf das regionale Bündnis Més setzen, in der die PSM aufgegangen ist. Auch Guanyem, das Sammelbecken sozialer und linker Bewegungen in Spanien, ist in Son Servera am Start. Im regionalen Lager anzuordnen sind ON Son Servera sowie die Zentrumspartei Pi – ihr könnte genauso wie der neuen Partei Ciudadanos, die im konservativen Lager für eine demokratische Erneuerung kämpft, eine Schlüsselrolle bei der Koalitions­bildung zukommen.

Bei dieser Gleichung mit acht Unbekannten scheint das Mitte-Links-Bündnis mit seiner Regierungserfahrung im Vorteil. „Wir sprechen alles ab, jeder muss mal nachgeben", so Troya – schiebt aber hinterher, dass es manchmal zwischen den Regierungsparteien mehr Streit gab als mit der ihrer Ansicht nach eher schläfrigen Opposition.

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