Globalia: vom Gastarbeiter-Express zum verzweigten Tourismuskonzern

10.10.2016 | 08:48

Wie weitverzweigt das Firmen­imperium rund um Air Europa ist, zeigt ein Blick an die Wand in der Lobby des Unternehmenssitzes in Llucmajor. Ein Logo drängt sich hier ans andere: Air Europa, Halcón Viajes, Viajes Ecuador, Travelplan, Pepecar, Be Live – Globalia umfasst neben der Airline auch Reisebüros, Reiseveranstalter und Hotels. Der größte spanische Tourismuskonzern mit einem Jahresumsatz von mehr als 3,3 Milliar­den Euro ist heute Arbeitgeber für mehr als 11.000 Angestellte. Firmengründer Juan José Hidalgo ist an diesem Freitag (23.9.) jedoch nicht im Haus, er weile meistens in Madrid oder woanders in der Welt, so seine Sprecherin.

Der heute 75-Jährige stammt aus einem Dorf der Provinz Salamanca und hat ein filmreifes Leben hinter sich. Als Zwölfjähriger verließ er die Schule, um seine Familie zu ernähren. Er arbeitete auf dem Feld, in der Metzgerei oder im Tanzsaal, bevor er im Alter von 19 Jahren in die Schweiz ging, um als Kuhhirte und Anstreicher Geld zu verdienen. Er chauffierte in einem gebrauchten Mercedes Landsleute in die Heimat, tauschte den Mercedes gegen immer größere Busse und eröffnete schließlich sein erstes Reisebüro.

Noch bevor der Workaholic 1991 die bereits 1986 gegründete Fluggesellschaft Air Europa erwarb, brachte er mit Charterflugzeugen Gastarbeiter in die Schweiz, auf dem Rückweg Urlauber nach Mallorca und im November 1988 bereits die ersten Reisenden auf dem Flug Madrid–New York in die USA.

Mit der Liberalisierung des Flugverkehrs in Spanien 1993 nahm Air Europa reguläre Linienflüge im Inland auf – und arbeitete sich am Konkurrenten Iberia ab. Der Wettstreit zieht sich wie ein roter Faden durch die Unternehmensgeschichte und umfasst auch die Passagierabfertigung – Globalia Handling –, die Flugzeugwartung oder die Seniorenreiseprogramme Imserso.

Der Unternehmenssitz in Llucmajor wurde im Jahr 1999 bezogen, kurz darauf musste Hidalgo von hier aus eine von mehreren schweren Krisen des Unternehmens meistern: Infolge der Turbulenzen im Luftverkehr nach den ­Terroranschlägen vom 11. September 2001 verloren reihenweise Mitarbeiter ihren Job. Auch ein erstes Projekt für einen regionalen Low-Cost-Carrier in Palma, schon damals Air Europa Express genannt, wurde eingestellt. Eine weitere Krise beutelte das Unternehmen 2012.

Auch wenn Hidalgo sich zuweilen abschätzig über den mangelnden Fleiß seiner drei Kinder äußerte – sie hätten eben nicht die harte Nachkriegszeit erlebt –, sitzen diese heute auf Führungspositionen im Konzern. Für seinen Sohn Javier schuf er jetzt den Posten des geschäftsführenden Direktors, der Familienpatriarch bleibt aber weiterhin Präsident. Dass er die mühsamen Anfänge nie vergessen hat, machte Hidalgo senior zuletzt im Juni klar, als er die Route Madrid–Zürich eröffnete. Diese sei für ihn „sentimental wie wirtschaftlich? von großer Bedeutung.

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