09. Februar 2020
09.02.2020

Ein deutscher Maler hält im Winter die Stellung in S'Arracó auf Mallorca

Udo Poppitz bleibt auf der Insel, wenn im Künstlerdorf in der kalten Jahreszeit die Lichter ausgehen

09.02.2020 | 01:00
Udo Poppitz mit seinem Bild ?„Graciella Bavarica", Acryl, 80 x 120 cm, 2012.

In S'Arracó, dem „Künstlerdorf" bei Andratx, sind im Winter die meisten Künstler ausgeflogen. Nur Udo Poppitz hält (noch) die Stellung. Der 1945 in Fürstenfeldbruck (Bayern) geborene Maler lebt seit 20 Jahren auf der Insel und seit fünf Jahren in S'Arracó, oder genauer: mit Blick auf S'Arracó. Ein Blick, der idyllischer kaum sein kann. Man versteht sofort, warum Poppitz am liebsten an der Staffelei unter einem seiner Bäume steht. Wer dann noch das gut ausgestattete und sorgsam aufgeräumte Mini-Atelier in seinem lediglich zehn Quadratmeter großen Schuppen betritt, möchte am liebsten gleich selbst zum Pinsel greifen.

Doch Udo Poppitz ist kein Sonntagsmaler und malt auch keine Landschaften. Seit 2007 ist er - wieder - ausschließlich als Künstler tätig. Er malt jeden Tag und zeigt seine Bilder in Ausstellungen auf Mallorca (zuletzt in der Senseless Art Gallery in Sencelles) oder München. Seine Werke befinden sich sowohl in privaten als auch in öffentlichen Sammlungen.

Er zeigt uns eine Grafik in Schwarz-Weiß, das Porträt eines Mädchens, das er als 15-Jähriger gemacht hat, lange bevor er in den 60er- Jahren sein Studium an der Akademie für Grafik, Druck und Werbung in Berlin absolvierte und bis Mitte der 70er-Jahre Einzel- und Kollektivausstellungen in Berlin und München bestritt. Anschließend war Poppitz 30 Jahre lang Filmarchitekt und Szenenbildner für deutsche und internationale Film- und Fernsehproduktionen. „Da habe ich des Öfteren mal auf die Schnelle Bilder für das Set ­gemalt", erzählt er, und dass er zwar in dieser Zeit seine Kunst nur auf Sparflamme betrieb, das Feuer aber nie erlosch, bevor es auf Mallorca wieder voll entflammte und sich ausbreiten konnte. Wie viele seiner Künstlerkollegen in S'Arracó hatte er jahrelang ein Atelier in Sa ­Taronja, als die ehemalige Hühnerfarm in ­Andratx noch ein Kultur- und Kunstzentrum war. Nachdem er in Andratx und am Hafen ­lebte (wo es ihm zu laut war, wie er erzählt), ist es jetzt seine kleine Finca mit eben jenem Blick, die wie eine offene Galerie wirkt.

Altes in neuem Licht

Udo Poppitz malt Bilder , die sich nicht auf den ersten Blick erschließen, sondern in die man sich reinfinden muss. Er ist ein Kind des fantastischen Realismus. Dieses „Spiel mit der Fantasie" ist für ihn außerordentlich wichtig: „Ich greife gern Archetypen auf und be­schäftige mich mit dem, was mir in der Däm­merung, im Halbschlaf durch den Kopf geht." ­Tatsächlich: Wer seine Interpretation von ­Frida Kahlo oder die einer Höhlenmalerei ­näher studiert, entdeckt umso mehr Details, je länger er hinschaut. Figürliche Elemente, die wie von selbst entstehen, nichts, was geplant ist, sondern spontan und überraschend.

Und das gilt nicht nur für den Betrachter: „Ich muss mich selbst überraschen, immer weitermachen und neue Aspekte entdecken", erklärt er. „Manchmal werden mir Dinge auf Bildern erst nach Jahren bewusst, ein neues Detail, in einem anderen Licht, und dann male ich an dem Bild, vorausgesetzt es ist nicht verkauft, einfach weiter." Es sind Bilder, auf denen sich alles wieder verändern kann, und die eine Leichtigkeit mit Tiefgang vermitteln, die ein bisschen an Chagall erinnert. Poppitz arbeitet mit Acrylfarben und Mischtechniken mit Pigmenten oder Kreide. Einige Farben gewinnt er selbst, so das Rostrot aus den eisenhaltigen Felsen auf seinem Grundstück. Auch Ocker- und Brauntöne mischt er sich selbst an.

Bonvivant und Weltenbummler

Dann erzählt Poppitz noch, wie sich die Künstlergemeinde in wärmeren Monaten gern auf ein Glas Wein in der Bar Stefano in Sant Elm trifft: „Beflügelt durch die Gespräche und den Wein male ich dann besonders gern nachts." Weil das nicht geht im Winter, da die Bar zuhat und die meisten ja weg sind, trinkt er stattdessen regelmäßig einen Kaffee in S'Arracós ­Dorfmittelpunkt, der Bar Can Viguet, hält ein Schwätzchen oder geht zum Yoga.

Und wenn auch ihm es allzu ruhig wird, packt er den Koffer, aber nie ohne seinen ­Zeichenblock für spontane Einfälle. Denn ­Poppitz ist auch ein Weltenbummler, der ­früher monatelang in Südamerika und Afrika unterwegs war, „allein mit dem Rucksack im tiefsten Dschungel". Zuletzt ging es eher nach Asien, vor allem Indien. Nicht nur Mallorca inspiriert seine Kunst – das Reisen tut es auch.

Als Nächstes plant Udo Poppitz allerdings einen Abstecher aufs spanische Festland, nach Valencia, um Kontakte zu den dortigen Galerien zu knüpfen. Ansonsten genießt er die Zeit, bis wieder Leben ins Dorf kommt, besonders im Sommer, wenn mit der Kunstnacht von S'Arracó Ende Juli wieder großer Trubel ins Haus steht: Im vergangenen Jahr stellten zur Nit de l'art etwa 150 Künstler in dem kleinen Örtchen aus. „Das ist dann wie Oktoberfest", sagt Udo Poppitz. Bis dahin, so freut er sich, hat er alle Zeit der Welt für das, was er am liebsten tut: malen.

Kontakt zu Udo Poppitz:
Tel.: 600-60 33 85 oder ­Deutschland: 0172-61 02 163, 
E-Mail: upoppitz@aol.com
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