SPANIEN

Thronwechsel mit viel Jubel und wenig Pomp

Der neue König Felipe VI. will durch Volksnähe das Vertrauen der Bürger in die spanische Monarchie wiederherstellen

21.06.2014 | 07:54
Thronwechsel mit viel Jubel und wenig Pomp
Thronwechsel mit viel Jubel und wenig Pomp
Thronwechsel mit viel Jubel und wenig Pomp

Spaniens neuer König Felipe VI. hat die Zeichen der Zeit erkannt und sich zum Ziel gesetzt, volksnah zu herrschen. "Die Krone muss die Nähe zum Bürger suchen", sagte der 46-Jährige am Donnerstag (19.6.) in seiner Antrittsrede im Parlament in Madrid. Das Königshaus müsse wieder zu einer "moralischen Autorität" werden. Spanien sei eine "große Nation, an die ich glaube, die ich liebe und bewundere", sagte Felipe. "In diesem Spanien haben wir alle Platz." Unter Anspielung auf die rapide gesunkene Popularität des Königshauses kündigte Felipe an, seine Amtsführung werde "integer, aufrichtig und transparent" sein. "Die Bürger fordern heute mehr denn je und völlig zurecht, dass die führenden Instanzen des Staates moralisch und ethisch mit gutem Beispiel vorangehen."

Felipe ist jüngster König Europas und Nachfolger seines Vaters Juan Carlos, der nach fast vier Jahrzehnten abgedankt hatte. Affären wie die um Infantin Cristinas Ehemann Iñaki Urdangarin, der der Korruption verdächtigt wird, und die Elefentanjagd des Ex-Herrschers im Frühjahr 2012 in Botswana hatten das Ansehen der Bourbonen-Dynastie im Volke arg ramponiert.

Neben der neuen Königin Letizia und seinen Töchtern Leonor, der neuen Thronfolgerin, und Sofía, schwor Felipe auf die Verfassung. Danach fuhr das Königspaar in einer offenen Limousine zum Zarzuela-Palast und winkte dem Volk zu. Tausende Menschen säumten bei strahlendem Sonnenschein die Straßen und schwenkten Fähnchen in den Nationalfarben.

Anders als beim Amtsantritt von Juan Carlos im November 1975 legte der neue König den Eid auf die demokratische Verfassung ab. Die Eidesformel enthielt keine religiösen Formulierungen. Felipe schwor, die in der Verfassung festgelegten Aufgaben zu erfüllen und die Rechte der Bürger zu respektieren. Vor dem König lagen die Krone und das Zepter - als Symbole der Monarchie - auf einem roten Samtkissen. Die etwa ein Kilo schwere Krone aus dem 18. Jahrhundert wurde dem Monarchen nicht auf das Haupt gesetzt. Dies ist im spanischen Königshaus nicht üblich.

Juan Carlos war bei der Amtseinführung Felipes im Parlament nicht dabei. An der Zeremonie nahmen auch keine Staatsgäste aus dem Ausland und Vertreter anderer Königshäuser teil. Spanien hatte sich angesichts der Wirtschaftskrise zu einem Thronwechsel ohne Pomp entschieden.

Die Abgeordneten der Vereinten Linken und kleinerer Linksparteien boykottierten die Sitzung. Sie fordern ein Referendum über die Staatsform. Die Polizei hatte für die Zeit der Amtseinführung des Königs alle Protestkundgebungen im Madrider Stadtzentrum verboten. Dennoch demonstrierten kleinere Gruppen von Anti-Royalisten gegen die Monarchie. Mehrere Teilnehmer wurden festgenommen.

Offiziell war Felipe bereits kurz nach Mitternacht neuer König geworden. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Abdankung von Juan Carlos im Amtsblatt veröffentlicht und damit rechtskräftig. Felipe erhielt am Morgen von seinem Vater die Schärpe des Oberbefehlshabers der Streitkräfte umgebunden. An dem militärischen Akt nahmen auch Letizia, ihre Vorgängerin Sofía, die Thronfolgerin Leonor und der Generalstab der Streitkräfte teil. Anschließend fuhr das neue Königspaar im Rolls-Royce zum Parlament.

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