Bierstraße: Sechs Kneipen, eine Marke, mehr Niveau

Am Ballermann, der deutschen Partymeile auf Mallorca, startet jetzt auch die "Calle del Jamón" eine Qualitätsoffensive. Das Motto der Wirte: mehr mediterranes Flair, weniger Wurst

20.04.2015 | 09:49
„Wir sind schließlich auf Mallorca, lasst uns also hier ein kleines Mallorca schaffen", sagt Mika, einer der Wirte der zu dieser Jahreszeit noch ruhigen Carrer Miquel Pellisa
Fotogalerie: Das tut sich in Schinken- und Bierstraße

Eigentlich ist alles noch streng geheim. Denn die Konkurrenz ist gnadenlos an der Playa de Palma, und im Kampf um die vielen Tausend Partyurlauber vergisst so mancher Gastronom schon mal die guten Manieren. „Da wird alles kopiert, bis hin zur Speisekarte", sagt Mika, der zusammen mit seinem Bruder 1979 die Pilsbar Köpi eröffnet und damit gewissermaßen den Grundstein für die Bierstraße gelegt hat – die er nun zusammen mit fünf anderen Wirten aus der Carrer Miquel Pellisa neu erfinden will.

Denn die glorreichen Zeiten der ersten deutschen Kneipe der Insel seien längst vorbei, bedauert der Mallorquiner. Inzwischen wurde seine Idee hundertfach nachgeahmt – wobei allen voran die beiden Big Player Bierkönig und MegaPark das Modell bis zur Perversion gesteigert hätten. „Happy Hour ist hier mittlerweile 24 Stunden an sieben Tagen die Woche." Und mit den Schleuderpreisen der den beiden Großunternehmern gehörenden Wurstbuden könne er einfach nicht mehr mithalten.

Der Köpi-Wirt hat deshalb schon in der vergangenen Saison versucht, auf ein neues kulinarisches Konzept zu setzen: spanische Tapas. „Aber das klappte leider gar nicht." Mit Speisen wie pimientos de padrón hätten die meisten Touristen nichts anfangen können. „Als ich ein paar Jungs fragte, warum sie den ganzen Teller stehen ließen, sagten sie: Da sind ja Glassplitter drauf", erzählt Mika. Es handelte sich um das grobkörnige Salz, das auf den kleinen grünen Paprika nicht fehlen darf.

In diesem Jahr will er nun kleine Bistrogerichte anbieten – und ­erstmals auch 57 verschiedene Weine. „Wobei ich da ehrlich gesagt kaum Hoffnung habe, da die Leute hier eher Biertrinker sind." Aber man müsse wenigstens versuchen, das Niveau wieder anzuheben, wenn die Playa nicht endgültig den Bach runtergehen soll. „Wir wollen in die 70er Jahre zurück, als die Deutschen hier Paella mit Meeresfrüchten oder Riesengarnelen aßen."

Die Bierstraße soll mediterraner werden, authentischer. „Wir sind schließlich auf Mallorca, lasst uns also hier ein kleines Mallorca schaffen", bringt der Köpi-Wirt sein Ansinnen auf den Punkt. Gerade dem typischen Playa-Urlauber, der sich in der Regel kein Auto mietet, um idyllische Dörfer wie Valldemossa zu erkunden, müsse man die Insel eben vor Ort näher bringen.

Die Qualitätsoffensive geht Mika nicht alleine an, sondern zusammen mit seinen Nachbarn aus der Bierstraße. Während der Wintermonate fanden regelmäßige Treffen statt, um gemeinsam ein neues Geschäftskonzept zu erarbeiten. Das Ergebnis hört sich erstaunlich harmonisch an für eine Gegend, in der seit jeher hartes Hauen und Stechen angesagt ist, wenn es um die Verteilung der Millionen­einnahmen aus dem Sauf- und Partytourismus geht. „Wir wollen eine Straße werden und unser Produkt gemeinsam an den Mann bringen. Nur gemeinsam sind wir stark", sagt Michael Bohrmann, der Wirt aus dem Deutschen Eck, der federführend an dem Vorhaben beteiligt war. Einhelliges Ziel der beiden deutschen und drei mallorquinischen Gastronomen, die sich der Initiative angeschlossen haben, sei es, die Bierstraße aufzuwerten. „Auch wenn wir seit diesem Jahr gleich zwei Puffs in der Straße haben", muss sich Bohrmann eingestehen.

Doch das tut der Begeisterung der beteiligten Wirte keinen Abbruch. „Sechs Lokale, eine Marke, mit einem Ambiente, einem DJ und einer Party", erklärt Juan Miguel vom Las Palmeras-Bier­garten die neue Strategie. Man werde Beleuchtung, Musik, Flyer und Merchandising-Artikel vereinheitlichen. Zudem können die Gäste, egal wo sie sitzen, den neu kreierten Bierstraßen-Schnaps oder -Cocktail bestellen. Und nicht zuletzt wird es erstmals gemeinsame Promoter geben, die gleiche T-Shirts tragen und die Gäste nicht mehr in die einzelnen Kneipen, sondern einfach in die Straße locken sollen.

Nur optisch liegen zwischen den einzelnen Lokalen immer noch Welten: Während Mika in seiner zweiten Bierstraßen-Bar gegenüber des Köpi – wie schon im ebenfalls ihm gehörenden Ginger´s 300 Meter weiter Richtung Palma – auf Weiß setzt, will es Michael Bohrmann mit der neuen Modefarbe nicht übertreiben. „Muss denn jetzt alles Ibiza-Style sein?", fragt er sich und schüttelt mit dem Kopf. Die Grundfarben der Straße seien, wie auch das neue, einheitliche Logo, Blau und Gelb – und seine Terrassenstühle aus Bast-Imitat blieben auch weiterhin dunkelbraun.

Momentan wird noch fast in der gesamten Straße auf Hochtouren renoviert. Die Zapfsäule soll Bohrmann zufolge in neuem Glanz erstrahlen, auch im Las Palmeras sind die Handwerker zugange. Bis zur offiziellen Eröffnung der neuen Bierstraße muss alles fertig sein. Also bis zum 1. Mai – wobei etwa das „Et Dömsche" schon jetzt auf- und das Deutsche Eck gar nicht erst zugemacht hat.

Nur einen Schönheitsfehler hat die ganze Sache: Palmas Stadtverwaltung habe sich leider vollkommen quergestellt beim Vorschlag, die Straße an sich etwas aufzuhübschen und beispielsweise die Laternen zu erneuern, berichtet Köpi-Wirt Mika. Nach monatelangen Gesprächen gab es eine knappe, schriftliche Ablehnung – obwohl die Stadtoberen seit Jahren nach mehr Qualitätstourismus an der Playa schrieen. „Dabei hätten wir das sogar aus eigener Tasche bezahlt."


Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 16. April (Nummer 780) lesen Sie außerdem:

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