Goteo: Die Welt tröpfchenweise verbessern

Die Plattform aus Palma versucht mit maximaler Transparenz soziale Projekte über das Internet zu finanzieren – und legt hohe Maßstäbe bei den Initiativen und bei sich selbst an

07.12.2015 | 08:53
Crowdfunding mit ganzheitlichem Kampagnenplan: Olivier Schulbaum von Goteo.

In einer Seitenstraße neben dem Museum Es Baluard wird daran gearbeitet, wie soziales Engagement über das Netz finanziert werden kann. Ein mittelgroßes Büro, mit viel Licht, Sofas, Macs auf den Tischen, Start-up-Atmosphäre. Auf einem großen Tisch in der Mitte liegt ein großer Bogen Papier mit einem kreisrund gestalteten Aktionsplan.

„Das hier ist die Basis für alle unsere Aktivitäten", erklärt Olivier Schulbaum. Der 44-Jährige ist der Mitbegründer der Plattform Goteo, auf der sich soziale Projekte durch private Spenden finanzieren lassen können: Soziales Crowdfunding nennt sich das. Goteo, das erinnert an das spanische Wort gota für Tropfen. Eine tröpfchenweise Finanzierung also. Die Liste erfolgreicher Projekte reicht von einer App zur Kontrolle der Arbeit von Abgeordneten bis hin zu Projekten wie sozialem Gartenbau.

Noch vor der Gründung von Goteo 2011 habe man untersucht, was alles eine erfolgreiche Finanzierungs­kampagne ausmache. Von der Vorbereitung, der Eigendarstellung und Transparenz, über die Ausführung der Kampagne bis hin zu einer Analyse, was Menschen dazu bewegt, für Initiativen Geld auszugeben. Das Ergebnis sei in dem runden Aktionsplan zusammengefasst. „Alle Erkenntnisse, die wir aus diesem Prozess gewonnen haben, setzten wir bei der Gründung von Goteo selbst um", sagt Schulbaum, der aus Frankreich stammt.

Ein wichtiger Teil der Arbeit von Goteo sind deshalb Workshops mit den Projektbetreibern, um ihre Kampagne möglichst erfolgreich zu machen. Die Betreiber müssen unter anderem zeigen, dass Sie über ausreichende Kontakte in der Zielgruppe verfügen, die von dem Projekt profitiert. Und sie brauchen „digitales Karma", also eine ausreichende Webpräsenz, die den Spendern die Sicherheit gibt, mit wem sie es zu tun haben.

Goteo selbst ist als Stiftung organisiert und finanziert sich mit Aufträgen für öffentliche Stellen und NGOs, etwa im Bereich Projektplanung. Hinzu kommen diverse Fördergelder. Schulbaum verdient kein Geld mit der Plattform, obwohl sie sechzig Prozent seiner Arbeitszeit in Anspruch nimmt. Den Rest der Zeit arbeitet er für die von ihm mitbegründete Plattform Platoniq, die sich mit der Finanzierung und Entwicklung von Projekten zur Digitalisierung des kulturellen Erbes beschäftigt.

Palma ist der Hauptsitz von Goteo, dessen elfköpfiges Team auch Mitarbeiter in Barcelona, Madrid und Málaga hat. Warum man sich gerade auf der Insel niederließ, wo sich doch die digitale Boheme ganz woanders tummelt? „Zum einen liegt es daran, das meine Mitgründerin Susana Noguero von hier ist. Zum anderen ist es aber auch das Licht. Außerdem ist Mallorca der perfekte Ort zum Arbeiten. Hier gibt es nicht so viel Ablenkung wie etwa in Barcelona. Wir können uns auf das konzentrieren, was wichtig ist: unsere Projekte."

Eine Besonderheit bei Goteo sei, dass die Projektträger der Gesellschaft etwas zurückgeben, sagt Schulbaum. „Etwa indem sie ein Handbuch darüber verfassen, wie das Projekt realisiert wurde. Oder indem sie den Code ihrer eventuell programmierten Software offen­legen. Oder indem sie eine Anleitung für die Herstellung eines Produkts veröffentlichen, damit andere es nachmachen können." Die Ergebnisse haben Schulbaum überrascht: „Es hat nicht nur dazu geführt, dass die Spender sich aktiv am Projekt beteiligen, sondern dass sich die Initiativen potenzieren und neue Ideen daraus entstehen."

Vor allem gehe es darum, die Projekte ins Rollen zu bringen. Im Gegensatz zu anderen Crowd­funding-Plattformen gibt es deshalb neben dem Wunschziel auch ein Mindestziel für die Finanzierung. Dadurch wird die Chance verringert, dass alles daran scheitert, dass das Geld nicht zu hundert Prozent zusammenkommt.

Und die Zusammenarbeit endet nicht nach der erfolgreichen ­Finanzierung. Den eigenen Transparenzstandards ­entsprechend, erfolgt nach einem Jahr eine Evaluierung, die sicherstellen soll, dass die Ideen nicht verpufft sind. „Es ist für unsere Glaubwürdigkeit wichtig, dass die Projekte erfolgreich sind."

Eine der jüngsten Ideen, die Goteo unter anderem im Baskenland testet, ist die des sogenannten Cloudfundings. Dabei werden Projekte innerhalb einer Gemeinde von öffentlicher Hand mitfinanziert. „So nach dem Motto: Für jede zehn
Euro, die jemand spendet, legt das Rathaus weitere zehn Euro drauf."

www.goteo.org

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