´Trens´: Im Speisewagen von Santa Catalina

Eisenbahnerromantik und Hausmannskost – ein Bühnenbildner und sein Lokal in Palma

26-05-2011  
 Die Eisenbahner von Santa Catalina: Marià „Kake
Die Eisenbahner von Santa Catalina: Marià „Kake" Portas mit seiner Schwester Louisa Foto: Nele Bendgens

MARTINA ZENDER Das Signal steht auf Grün, die Strecke ist freigegeben, die Lok der Deutschen Reichsbahn setzt sich in Bewegung und hält mit ihrer Fracht direkt vor dem Gast. Das neue Lokal „Trens" im Santa-Catalina-Viertel in Palma ist etwas für kleine und große Eisenbahnfreunde. Und für Freunde mallorquinischer Hausmannskost.

Marià „Kake" Portas (53), eigentlich erfolgreicher Bühnenbildner für Theater und Oper, Erschaffer von gegants (Riesenfiguren) und dimonis (Teufeln) sowie Bildhauer, hat das Restaurant gemeinsam mit Schwester Louisa und Schwager Juanjo (Besitzer der „Bar Día" im Lonja-Viertel) eröffnet. Die Inneneinrichtung basiert auf seinem Konzept, umgesetzt wurde es von ihm und seinem Sohn, einem gelernten Schreiner.

Man sitzt auf hölzernen, erstaunlich bequemen Eisenbahnabteil-Bänken. Das Essen – zumindest die kleineren Vorspeisen – kommen per Zug, an den Wänden hängen Impressionen von Bahnhöfen und eine alte Bahnhofsuhr. Weiterhin beeindruckt die originalgetreue Nachbildung einer mallorquinischen Berglandschaft, durch die eine Modelleisenbahn fährt. Inklusive kleiner Mandel- und Olivenbäume, täuschend echt aussehender Felsen aus Gips und einer Bogenbrücke – analog zur Streckenführung des Sóller-Zugs. „Wir haben über sechs Monate daran gearbeitet, da steckt viel Herzblut drin", erzählt Portas. Hinzu kommen in einem Regal noch weitere, teils sehr alte Züge, die er größtenteils bei Internet-Auktionshäusern ersteigert hat. Viele davon entstammen deutschen Firmen, so auch eine 50 Jahre alte Bahn, die ihm seine deutsche Tante (Portas hat auch eine deutsche Großmutter) geschenkt hat.

Über all der Eisenbahnromantik sollte man das Essen nicht vergessen. Die gute Hausmannskost, die schon in der Bar Día viele Fans hat, gibt es auch hier. Der Unterschied – das „Trens" ist kein Tapas-Lokal. Auf der Karte finden sich traditionelles frito mallorquín, delikate Hühnchen- und Spinatkroketten, Tintenfisch in pikanter Sauce, saftiges Entrecôte und zartes Kaninchen mit Zwiebeln. Und „sonntags kommen viele Familien zum Paellaessen" (8,50 - 10,50 Euro).

In dieses Lokal gehen Kinder gerne mit und freuen sich nicht nur über den Aufbau, sondern auch über die witzigen Zuggeräusche, die der detailgenaue Portas ins Musikband geschmuggelt hat. Über die fairen Preise freuen sich die Eltern: Die Vorspeisen liegen bei 6 bis 7,50 Euro, die Hauptspeisen kosten 7 bis 14,50 Euro. Werktags gibt es mittags ein Tagesgericht (à la bacalao mallorquin, fideà oder auch Lamm) samt hausgemachtem Nachtisch und Getränken für 7,50 Euro. So macht Zugfahren Spaß.

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