Taverners: Es ist nicht alles egal

Die Gruppe kommt ganz unaufgeregt daher – und will doch aufrütteln mit den Bearbeitungen alter katalanischer Lieder. Jetzt ist die erste CD erschienen

02.05.2013 | 01:15
Taverners: Es ist nicht alles egal

Vier arbeitslose Freunde, die gerne in Kneipen abhängen und Volksmusik mögen. Das sind die Musiker von Taverners. Nicht besonders aufregend. Ein langweiliges Image, ein rückwärts gewandter Blick, eine begrenzte Wahrnehmung der Welt – all das trifft auf Pau, Marcel, Càndid und Pere zu. Sie sind Mitte zwanzig und ziemlich trotzig. Sie gehören zum Unkommerziellsten, Altmodischsten und Unschicksten, was Mallorcas Musikszene in letzter Zeit hervorgebracht hat. Vielleicht finden auch deshalb alle die Band aus Palma gut.

Ihre Botschaft ist einfach und direkt: Lasst uns so sein, wie wir sind. Und sie ist tief: Wer ist wir, wie ist wie und wie manifestiert sich das alles? „Wir sind ganz normale Leute", antwortet Sänger und Gitarrist Marcel Pich störrisch. Um eine lange Diskussion um den schwammigen Begriff normal zu vermeiden, muss man wohl nach den Liedern fragen.

Die kann man jetzt auf Konserve hören: Die erste CD des Quartetts ist gerade erschienen. Sie heißt „No hi ha temps que no torn", sinngemäß: Alles kommt zurück. Sie birgt zehn Songs, die als Wegweiser durch katalanisch­sprachige Folkmusik dienen könnten, im Sinne von populärer Musik verschiedener Epochen. Dresch- und Erntelieder, Protestsongs, Spottgesänge, Repertoire von alteingesessenen Folkgruppen der Balearen, all das tunen die vier mit Flötchen, Gitarre, Bass, Perkussioninstrumenten oder Dudelsack auf. Mit dem Liedgut gehen sie großzügig um: Mal verändern sie Texte, mal Rhythmen, mal ­Arrangements. Es gehört ja gewissermaßen ihnen. Hier also ein erster Verweis auf das „wir": Alles, was musikalisch gesprochen den Herkunftsstempel der katalanischsprachigen Regionen Spaniens trägt, wird verarbeitet.

„Unsere Welt"
Begriffe wie Identität und Zugehörigkeit sind den vier Kneipen­gängern wichtig. Texte, die diese Werte behandeln, und Künstler, die sie mit Inhalt gefüllt haben, kommen ins Repertoire: trendige Popgruppen wie die Katalanen Manel, Folkgruppen wie ­Al-Mayurqa oder Uc aus Ibiza, Liedermacher wie Maria del Mar Bonet, Guillem d´Efak, Lluís Llac oder Biel Majoral sind Paten. Der Fundus ist groß: Mehr als 30 Lieder haben die Musiker in drei Jahren zusammengesucht und umgearbeitet: Ein akustisches Sammelsurium einer Region, die Radikale els països catalans nennen. Für die Taverners ist sie einfach el nostre mon, unsere Welt.

Die aufgemotzten Songs waren vielen Mallorquinern bereits vor Erscheinen der CD vertraut. „Wir verdingen uns als Live­musiker, verdienen tun wir bei den Konzerten aber kaum etwas", sagt Marcel knapp. Um das erste Album zu finanzieren, mussten sich die vier Freunde etwas ausdenken: Sie schnorrten sich das Geld auf der Webseite www.verkami.com zusammen. Vierzig Tage hat es gedauert, dann waren die 5.000 Euro zusammen, die der Musiker und Produzent Miquel Brunet für die Produktion des Albums in seinem Studio Ona Edicions in Bunyola haben wollte. Das ist nicht viel. „Ich wollte die Gruppe fördern, sie haben etwas zu sagen, sind einzigartig", sagt Brunet.

Dank seiner Unterstützung und dank Verkami, der digitalen Plattform für mittellose Kreative, ist die CD jetzt also Realität. Das System nennt sich Crowdfunding, kann aber auch mit „Kunst auf Bestellung" oder „Musikproduktion auf Nummer sicher" umschrieben werden. Die 200 Unterstützer, die zusammen 5.000 Euro gespendet haben, bekommen ein Album und je nach Spendenhöhe auch eine Freikarte für ein Konzert der Taverners geschenkt. Der Rest der 1.000 CDs bleibt Risiko und wird über Plattengeschäfte vertrieben.

„Dialektische Kämpfe"
Wobei dann doch nicht alles so simpel und normal ist, wie es scheint: Die Jungs tragen Brille und sind eigentlich intellektuelle Revoluzzer. Sie wollen alten Kämpfern eine junge Stimme geben und ihr Publikum anstacheln. Taverners führe „dialektische Kämpfe" so Marcel Pich, gegen die für Mallorca so typische Lebenseinstellung des tanmateix, des „Ist doch egal"-Gefühls. „Auch diese Haltung lässt Mallorca verarmen", sagt er, „nicht nur José Ramón Bauzàs Sparpolitik".

Wer den Musikern beim Diskutieren zuhören will, der kann sie in ihrer Stammkneipe Riu Dolç treffen, im Carrer Alfons el Magnànim, in der Nähe des Kreisverkehrs beim Konservatorium. An dem unspektakulären Ort in dem langweiligen Viertel sind viele Texte und Arrangements entstanden, die später bei Ona Edicions eingespielt wurden, während einiger turbulenter Tage im ­Februar: „In der Zeit, die wir im Studio verbracht haben ist Papst Benedikt XVI. zurückgetreten, kam ein neuer Korruptionsskandal in der PP auf, haben die Arbeiter des Regional­senders IB3 TV gestreikt, ist ein Meteorit in das Uralgebirge gefallen und hat sich ein Ehepaar in Calvià umgebracht, weil es seine Hypothekenraten nicht mehr bezahlen konnte", sagt Pich trocken. Ereignisse, auf die man nicht mit tanmateix reagieren ­sollte.

Taverners: „No hi ha temps que no torn", Ona Edicions, 15,95 ­Euro. Erhältlich etwa bei Xocolat (C/. Font i Monteros, 18, Palma).

Im E-Paper sowie in der Printausgabe vom 2. Mai (Nummer 678) lesen Sie außerdem:

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