Die „Bodenschätze" der Bio-Gärtnerin

Beim Landhotel Monnàber Vell bei Campanet soll die Qualität des Bodens verbessert werden. Biologisch angebautes Gemüse macht den Anfang

17.07.2015 | 12:52
Die Pflanzen auf dem Feld von Monnàber Vell im Bergtal bei Campanet zeigen sich auch bei der Hitze im frischen Grün

Wenn man die Quellen Fonts Ufanes bei Campanet rechts liegen lässt und das Landhotel Monnàber Vell erreicht, fällt als Erstes ein weitläufiger Gemüsegarten ins Auge. Ganz weit hinten ist eine Person auszumachen, die fast gänzlich in den Büschen verschwindet. Dahinter erheben sich die Ausläufer der Serra de Tramuntana. Auf der anderen Seite liegen die Gebäude des ehemaligen Landgutes, die sorgfältig zum Hotel umgebaut worden sind. Dahinter fällt das Gelände ab, und der Wald beginnt.

„Bisher fehlte eine Verbindung zwischen dem gestalteten Ziergarten rund um das Hotel und den Bergen auf der einen Seite sowie den Wäldern auf der anderen", sagt der deutsche Eigentümer des Hotels, Karsten Imm. Der Grundbesitz seiner Familie erstreckt sich über 120 Hektar im Gebirge, auf weiteren 40 Hektar wird Landwirtschaft mit 180 Mutterschafen betrieben.

Künftig sollen Wildnis, landwirtschaftliche Felder und Ziergarten durch eine neue Landschaftsgestaltung zusammenwachsen. „Es wird ein valor añadido für uns alle sein", sagt der 53-Jährige – wobei er mit der wörtlichen Übersetzung „zusätzlicher Wert" nicht so ganz zufrieden ist.

Dem Hotelbesitzer geht es um die langfristige Regeneration der Böden durch biologischen Anbau. Den Anfang macht der Gemüsegarten, der schon im zweiten Jahr bepflanzt wird und über das Ökosiegel des Inselrats verfügt. Nur die Hälfte des ebenen Feldes am Fuße der Berge ist kultiviert, die andere liegt scheinbar brach. Hier wurden Getreidekörner als Anreicherung des Bodens für die nächste Pflanzsaison unter die Erde gemischt, was Rotation in großem Maßstab möglich macht. „Dieses Projekt scheint auf den ersten Blick unrentabel", sagt Imm. Die bessere Bodenqualität werde sich jedoch langfristig als Gewinn erweisen.

Dabei unterstützt ihn die anfangs gesichtete Person mit dem riesigen Sonnenhut, die sich jetzt zur Gesprächsgruppe auf die schattige Hotelterrasse gesellt. Es ist Susana Quintanilla, sie ist für den Gemüseanbau, verantwortlich. Die 39-Jährige hat Bio-Landwirtschaft studiert und schon auf mehreren Ökohöfen auf der Insel gearbeitet.

Auf Monnàber Vell scheint sie ganz in ihrem Element zu sein. Sie geht mit den Besuchern zum Gemüsegarten, zu dem sie auch regelmäßig Hotelgäste führt. „Diese helle Erde nennt man auf der Insel blanquer", sagt sie, nimmt ein paar Krümel in die Hand und erklärt, dass der Boden auf den ersten Blick zwar hart, karg und rissig erschient. Führt man ihm jedoch pflanzliche und tierische Nährstoffe zu, könnte man wahre Wunder erleben.

Gegossen wird mit Wasser aus einem Brunnen in den Bergen. Es fließt durch eine rund einen Kilometer lange Leitung zum huerto, dem Garten. Eine Filteranlage macht das Wasser nahezu kalkfrei und trinkbar.

Günstig wirke sich für die Pflanzen auch die leichte sommerliche Brise aus, die das Pflanzenwachstum fördert, erklärt Quintanilla. Und wie es hier wächst! Die ramallets (Zopftomaten) gedeihen in niedrigen buschigen Stauden. Zwischen den Reihen sind Zinnien gepflanzt, sie sollen bestäubende Insekten anlocken, sowie Basilikum, das Schädlinge vertreibt.

Artenvielfalt ist angesagt bei Paprikasorten, unter vielen anderen wächst die Tap de Cortí in kleinen Stauden. Ihre Schoten werden in einer solarbetriebenen Anlage getrocknet und danach zu Pulver gemahlen. Auch viele Tomatensorten wachsen hier: Die ersten Exemplare der Sorten mucha miel (viel Honig) und cor de bou (Ochsenherz) sind seit ein paar Tagen reif.

Nebenan blühen die Senf­pflanzen in Gelb. Noch steht nicht fest, wie man ihre Samen verarbeiten wird. Regelmäßig in die Hotelküche geliefert werden Knoblauch, Lauch, Mangold, verschiedene Blattsalate, Gurken, Zucchini, Melonen, Bohnen und Kartoffeln.

Nach der Besichtigung des Gemüsefeldes führt Quintenilla zu ihren „Bodenschätzen" in einen Lagerraum. Es handelt sich um Kompost aus pflanzlichen Materialien, der so frisch riecht wie Erde nach einem Sommerregen.

Vor dem Gebäude stehen zwei Meter hohe Obstbäume in Pflanzcontainern. „Die Fläche zwischen dem Hotel und den Wäldern werden wir mit 100 Obstbäumen neu gestalten", sagt Imm. Die Plantage soll die Hotelgäste mit frischen Aprikosen, Pflaumen und andere Köstlichkeiten versorgen.

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