Als das Kruzifix Blut und Wasser schwitzte

Alle drei Jahre findet in Alcúdia eine bemerkenswerte Prozession statt. Insel-Historiker Gaspar Valero hat uns dorthin geführt

04.08.2016 | 15:57

Die Fahrt zum bedeutendsten religiösen Ereignis auf der Insel im diesjährigen Juli beginnt im Busbahnhof von Palma. Eine kleine Gruppe kulturbeflissener Insulaner hat sich dort am Dienstag (26.7.) zusammengefunden, um sich vom Historiker Gaspar Valero i Martí die Geschichte von Alcúdia und die nur alle drei Jahre stattfindende „Triennal del Sant Crist"-Prozession erklären zu lassen. Mit einem alle halbe Stunde fahrenden TIB-Bus der Linie 351 geht es auf der Autobahn in die Kleinstadt im Norden der Insel.

Der Guide
Valero ist ein bekannter Insel-Historiker und hat sich auch damit einen Namen gemacht, dass er sich auf ungewöhnliche Schauplätze und originelle Themen konzen­triert. Ob ein Sonnenuntergang an einem geschichtlich bedeutsamen Ort wie dem Sa-Mola-Wehrturm bei Port d´Andratx oder ein Gang durch Palma, bei dem seine Gäste Legenden zu hören bekommen, wie am nächsten Freitag (29.7.) –
all das passt zum Credo des 58-jährigen leidenschaftlichen Wanderers, Vaters eines kleinen Sohns und Buchautors („Elements de la societat pre-turística mallorquina" oder „Guia de Bellver"). Valero bietet seine Rundgänge seit 1998 als Leiter der von ihm in Palma gegründeten Firma Grup Segall an.

Die Gruppe
Die Erklärungen erfolgen heute auf Mallorquinisch, Gaspar Valero i Martí hat aber keine Problem damit, ins Spanische zu ­wechseln, wenn jemand die Sprache nicht versteht. In der Regel zieht er mit kleinen Gruppen los. Mehr als zwölf Menschen sind ihm zu viele. „Dann wird´s schwer überschaubar."

In Alcúdia sind acht Teilnehmer dabei, zumeist über 60-jährige Rentnerinnen, die sich als Stammgäste des Historikers bezeichnen. Frauen wie Carme, die aus Sóller kommt, aber in Palma lebt. „Ich bin immer gern dabei, weil Gaspar so viel weiß und alles so gut erklären kann." Auch die noch nicht ganz so alte wissensdurstige Hausfrau María Magdalena aus Palma schätzt den Guide. „Es ist nicht so, dass wir alles über die Geschichte und Kultur unserer Insel wissen, nur weil wir hier geboren sind", sagt sie dem MZ-Reporter.

Das nehmen wir mit
Das Alcúdia-Erlebnis für Anspruchsvolle beginnt vor der mittäglichen Prozession mit einem Rundgang durch die Gassen der von einer Mauer umgebenen Kleinstadt. Valero zeigt hierhin und dorthin und erzählt, wann was errichtet wurde. Dabei weist er immer wieder auf den doppelköpfigen Habsburger-Adler hin, der im Wappen Ortes vorkommt. „Als Karl V. von 1516 bis 1559 herrschte, gehörte Mallorca zu seinem Reich, das neben dem heutigen Deutschland und ­Österreich auch Spanien und Teile Italiens, wie Sardinien, umfasste."

Der Höhepunkt des Besuchs in der vor Menschen nur so überquellenden Altstadt, die Prozession, beginnt mit Verzögerung nach einer einstündigen Messe in der Sant-Jaume-Kirche. Hunderte Gläubige bewegen sich teils barfuß – wenngleich ohne Kapuzen, handelt sich um ein Büßerritual – durch die mit Kiefernzweigen geschmückten Gassen, Insel­bischof Javier Salinas führt den Umzug unter der sengenden Sonne an. Mitglieder einer Bruderschaft tragen ein etwas mehr als einen Meter hohes Holz-Kruzifix.

Es ist Tradition, dass Hausbesitzer den Gläubigen Essen und Trinken anbieten. „Die Prozession geht auf ein Wunder zurück, das 1507 geschah", sagt Gaspar Valero. „Während einer durch eine Trockenperiode bedingten Hungersnot soll der Christus am ­Kruzifix Blut und Wasser geschwitzt haben." Danach hätten dann die lange ersehnten Regenfälle eingesetzt und die Ernten seien gut gewesen. Warum die Prozession nur alle drei Jahre stattfindet, wisse man nicht, so Valero.

Wer mit dem Historiker unterwegs ist, wird nicht wie bei herkömmlichen Rundgängen mit Allgemeinplätzen abgefüttert. Valero steht für Wissen, das er seinen Kunden zuweilen ein wenig zu kleinteilig mitteilt. Weitere Informationen zur Vervollkommnung des historischen Elementarwissens verschickt der Guide per E-Mail gern an diejenigen, die ihn danach fragen.

Wann, wie, wo
Gaspar Valeros spezielle Touren beginnen zu unterschiedlichen Zeiten. Mal reist man im Bus an, mal in Privatautos. Der Guide verlangt nicht viel Geld: Der Ausflug nach Alcúdia schlägt mit lediglich sechs Euro pro Person zu Buche, Essen und Busfahrten nicht mitgerechnet. Andere Touren sind zwar etwas teurer, aber mehr als 15 Euro wird man nicht los.

Uhrzeiten und weitere Informationen finden sich auf der permanent gefütterten Webseite www.grupsegall.blogspot.com.es. Mit Gaspar Valero i Martí tritt man am besten online in Verbindung. Er nimmt Anmeldungen für seine Touren unter der Adresse gvaleromarti@gmail.com oder grupsegall@gmail.com entgegen. Oder am Telefon unter 639-71 52 18.

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