Mit Ferrari über das Meer

In Alcúdia kann man in einer Woche den Katamaran Führerschein machen. Ob man sich als Anfänger auf dem Boot halten kann, haben wir getestet.

21.09.2017 | 17:34
Der Katamaran wird startklar gemacht.

Gischt spritzt ins Gesicht. Wir sitzen in einem Katamaran – kurz: Kat – und segeln aufs offene Meer zu. Eine Welle bricht sich am Bug einer der beiden Rümpfe. Bald sind wir klitschnass. Der Wind wird stärker, das 14 Quadratmeter große Hauptsegel bläht sich auf. Ich klammere mich an das Seil der Fock – dem kleineren Segel – und versuche, mich irgendwie auf meinem Platz zu halten. Wir erklimmen eine große Welle – nur um dann von ganzer Höhe auf der anderen Seite wieder herunterzukrachen. Ein Kat ist eine Art Ferrari auf dem Meer, heißt es. „Klarmachen zur Wende", gibt Ferdi das Kommando. Er sitzt neben mir und steuert den Kat. Ferdinand ist Medizinstudent und kommt aus München. Seine Familie macht Ferien in Alcúdia, während er gegen das Mittelmeer ankämpft.

Ferdi ist extra zu Wind & Friends gekommen, um heute seinen Kat-Führerschein zu bestehen. Ich darf bei der Prüfung mit dabei sein und muss kleinere Aufgaben erledigen. Katamaransegeln ist Teamwork: Einer steuert und kümmert sich um das Haupt­segel, der andere setzt die Fock. Ich schaue zur Seite und überprüfe, ob der Weg frei ist. „Luv frei!", rufe ich gegen den Wind. Dann geht alles ganz schnell. Ferdi lässt das Hauptsegel locker, und wir beide kriechen auf unseren Knien hektisch unter dem Segel hindurch auf die andere Seite. Durch unser Gewicht verlagert sich der Schwerpunkt des Bootes auf die Steuerbord-Seite, der Wind erfasst wieder die Segel desKatamarans und zieht uns auf unseren neuen Kurs. Wir haben die Wende geschafft und flitzen in Richtung Strand. Wenn das keine gute Note gibt.

Ferdi hat das Katamaransegeln bei Wind & Friends gelernt. Fünf Tage lang hat er jeweils drei Stunden für insgesamt 270 Euro gelernt und geübt. Alle Materialien – also Katamaran, Schwimmweste, Neoprenanzug und Schulungsunterlagen – waren im Preis enthalten. 25 Euro kostet der weltweit gültige Segelschein. Die Segelschule gehört zum „Verband deutscher Wassersportschulen e.?V.", der sich auf Strandsportarten wie Windsurfen, Stand Up Paddling und Katamaransegeln spezialisiert hat. Wind & Friends gibt es seit 14 Jahren in Alcúdia. Der Gründer der Schule, Marian Beutel, kommt aus Polen und hat extra diesen Strandabschnitt neben dem Carrer de Minerva ausgesucht. „Die Bedingungen sind hier für Anfänger optimal", erzählt Beutel. „Das Wasser ist für den Einstieg flach, es gibt keine Brandung am Strand, der Wind weht meistens mit einer konstanten Geschwindigkeit und wird nicht zu stark, da ihn die Berge vor der Bucht abbremsen."

Ferdi hat die ganze Woche über alles rund ums Katamaran­segeln gelernt: Wer Vorfahrt auf dem Wasser hat, was einzelne Bojen
bedeuten und natürlich wie man den Kat richtig aufbaut und zum ­Segler wird. Vor unserer gemeinsamen Fahrt hat er schon eine Theorie­prüfung abgelegt. „Man muss keine Segelvorkenntnisse haben, um Kat fahren zu lernen", erklärt Brian Oertel, der Segellehrer. Oertel kommt aus Berlin, hat das Segeln an der Nordsee gelernt und stand bereits mit vier Jahren zum ersten Mal auf einem Boot. Seit drei Jahren ist Oertel auf Mallorca, um anderen das Segeln beizubringen. „In den ersten Stunden geht es vor allem um Sicherheit", sagt er. „Wie verhält man sich auf dem Meer? Was macht man, wenn man kentert?" Bei einer Kenterübung lernen die Schüler, was auf sie zukommt, wenn das mal passiert.

Oertel erzählt, dass 20 Prozent der Schüler bei der Prüfung durchfallen. „Klar sind die Leute im Urlaub und wollen Spaß haben – dennoch müssen sie hier die von ihnen erwartete Leistung bringen." Bei der Praxisprüfung, so viel steht fest, hat Ferdi alles hinbekommen. Ob er auch die Theorieprüfung bestanden hat, wird er erst in ein paar Tagen erfahren. Gut erklären, wie ein Katamaran gesegelt wird, kann er auf jeden Fall.

Alisa Weber

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