15. Mai 2018
15.05.2018

Markteinkauf auf Mallorca per Handy-App

Wie eine Initiative in Palma de Mallorca mit Online-Vernetzung das Viertel Pere Garau zusammenschweißen will

16.05.2018 | 06:09
Das Team von 2GN: Aitor Torres, Alba González, Josep Buades, Noemi Justo und Carlos Mas.

Lebendig ist er allemal, der Mercat de Pere Garau – bis hin zu den gackernden Hühnern, die an den Markttagen dienstags, donnerstags und samstags im Außenbereich der Halle feilgeboten werden. Er gilt als der preiswerteste und authentischste in Palma und zieht mittlerweile auch immer mehr Besucher an, die sonst in den wohlhabenderen Ecken der Stadt leben und einkaufen. Außerhalb der Markttage allerdings geht es in der Halle wesentlich ruhiger zu, und die Händler haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie anderswo: Viele Kunden ziehen die häufig preiswerteren Supermärkte vor und scheuen den größeren Zeitaufwand des Einkaufs von Stand zu Stand. Auch deswegen werden viele Markthallen immer mehr zu Gastromeilen.

Um hier gegenzusteuern, haben sich Alba González und weitere Mitstreiter einer Initiative namens 2GN einen neuen Lieferservice ausgedacht. „2GN steht für two good neighbours und darin steckt bereits, worum es neben dem Einkaufen im Kern geht: um Nachbarschaftshilfe", erklärt die 34-Jährige. Über die App 2GN, die derzeit gewartet wird. oder die Website www.mercado2gn.es kann man rund um die Uhr Produkte des Pere-Garau-Marktes bestellen. Aktuell im Sortiment: Früchte, Gemüse, Fleisch, Eier, Fisch und Käse. Die mit 2GN kooperierenden Händler des Marktes werden dann elektronisch über die Bestellung informiert.

Das an und für sich ist noch nicht bahnbrechend: Online-Bestellungen waren bei einzelnen Händlern auch schon zuvor möglich – bei einigen genügt eine simple Whatsapp-Nachricht, um die gewünschte Ware zu reservieren oder sich sogar nach Hause liefern zu lassen.

GN aber kombiniert das nun mit einem Lieferservice, der sich aus Nachbarn des Einwandererviertels rekrutiert, die sich über die App melden können. Sie holen die Bestellung bei den Händlern ab, verstauen sie in einem Kühlrucksack und liefern sie zu ­Menschen nach Hause, die möglicherweise nicht so mobil sind oder keine Zeit haben. „So verdienen sich die Bewohner des Viertels nicht nur etwas dazu, sondern lernen auch ihre Mitmenschen kennen", erklärt die Mitgründerin. „Die Gemeinschaft unter den Nachbarn wird dadurch Stück für Stück gestärkt", hofft sie.

Befindet sich der Empfänger außerhalb des Viertels, kommen auch die Mitarbeiter und Fahrdienste anderer Non-Profit-Organisationen ins Spiel, mit denen 2GN zusammenarbeitet.

Für die Produkte zahlt der Käufer die auf dem Pere-Garau-Markt üblichen Preise. Hinzu kommen, je nach Strecke, drei bis neun Euro für die Lieferung. Wer möchte, kann zudem zwei Euro für die Nachbarschaftsinitiative spenden. Etwa zehn Bestellungen gehen aktuell pro Tag ein. „Damit sich das Projekt rentiert, sollten wir auf 50 täglich kommen", erklärt González. Bald möchte sie auch eine Telefonnummer für ältere Menschen einrichten, die in der Internetkommunikation nicht so firm sind.

Die App existiert schon seit über einem Jahr und sei bereits 35.000 Mal heruntergeladen worden, sagt González. Neben den nun eingeführten Markteinkäufen werden hier auch andere Dienste am Mitmenschen angeboten: den Hund ausführen, beim Schreiben vom Lebenslauf helfen, bedürftige Personen pflegen, spazieren gehen oder auch einfach nur zuhören.

Auch das Sortiment des digitalen Marktes soll langfristig ausgeweitet werden – auf vorgefertigte Speisen, Brot, Oliven und ökologische Produkte. „Wir haben unser Projekt zwar mit Lebensmitteln begonnen, möchten aber in Zukunft auch Schreibwaren- und Elektrogeschäfte vor Ort mit ins Boot holen", sagt González. Auch wenn Mercado2GN gegen die Großen, wie Amazon und Carrefour, nicht wirklich auf Augenhöhe kämpfen könne, setze sich die Initiative dafür ein, dass der Einzelhandel im Viertel nicht verschwindet. Schon bald soll das Vorhaben auch auf andere Gebiete Palmas wie Santa Catalina sowie auf Inca und Manacor übertragen werden. Außerdem plant González zusammen mit ihren drei Festangestellten die Eröffnung einer Cafetería, in der ebenfalls die Produkte des Marktes verkauft werden. Von Menschen, die es auf dem normalen Arbeitsmarkt, etwa wegen ihres Alters, schwerer haben, einen Job zu finden.

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