Kommentar: Mallorca ist nicht aus der Welt gefallen

21.04.2016 | 12:56
Polizeiaktion am Dienstagmorgen.

Die Festnahme eines mutmaßlichen IS-Propagandisten in Palma ist die Bestätigung für etwas ganz Offensichtliches, das aber angesichts all der schönen Urlaubsträume immer wieder in Vergessenheit gerät: Mallorca ist ein Teil dieser Welt und auch ein Teil ihrer Konflikte. Die Insel der Glückseligen kann sich nicht auf Dauer abschotten von Terror und Krieg, Perspektivlosigkeit und Elend anderswo. Kein Ort in dieser so vernetzten Welt kann sich abschotten. Und schon gar nicht im Mittelmeer.

Im Moment deutete alles darauf hin, dass der in Palma festgenommene 26-Jährige eher ein kleiner Fisch war und dass er weder Anschläge auf Mallorca plante, noch dazu fähig gewesen wäre. Das wäre tatsächlich beruhigend. Doch selbst wenn dem so ist, sollte dieser Fall als Warnung dienen. Die Wachsamkeit und die Sicherheitsvorkehrungen müssen weiter erhöht werden. Man darf davon ausgehen, dass die in Sachen Terrorismus sehr erprobte spanische Polizei schon längst dabei ist.

Denn ja, Schlimmeres ist vorstellbar: "Terror an unseren Ferienstränden geplant", hatte just an diesem Dienstag (19.4.) die "Bild-Zeitung" getitelt – mit Verweis auf eine Sicherheitswarnung italienischer Behörden für die "Küstenregionen von Italien, Spanien und dem Süden Frankreichs" – also irgendwo in irgendeinem Urlaubsgebiet. Das ist in vieler Hinsicht eine verantwortungslose Schlagzeile, weil sie Panik auslösen und in den wirtschaftlich auf Urlauber angewiesenen Regionen schweren Schaden anrichten kann.

Doch selbst wenn an dieser oder anderen Sicherheitswarnungen irgendetwas dran sein sollte, wäre das ein Grund, diesen Sommer nicht auf Mallorca, in Andalusien, auf den griechischen Inseln oder an der italienischen Adria zu urlauben? Natürlich nicht. Weil ein Terroranschlag heute überall vorstellbar ist: im Hannoveraner Fußballstadion, auf einer Kölner Einkaufsstraße, im Münchner Biergarten oder eben an einem südländischen Strand.

Wie gesagt: Es gibt keine Inseln mehr. Es kann einen überall treffen, und die Wahrscheinlichkeit, dass es einen trifft, ist statistisch ungeheuer gering. Eher werden wir morgen an der nächsten Ampel überfahren. Die Terroristen hätten schon ein Stück weit gewonnen, wenn wir allein aus Furcht vor einem Anschlag unser Leben ändern.

auf Twitter teilen
auf Facebook teilen

Lokales

Die Teilnehmer auf dem Borne-Boulevard.
Tausende Demonstranten fordern Aufnahme von mehr Flüchtlingen auf Mallorca

Tausende Demonstranten fordern Aufnahme von mehr Flüchtlingen auf Mallorca

An dem Protestzug am Samstag (18.2.) beteiligten sich auch mehrere Vertreter der Landesregierung

Nach dem Urteil: Königsschwager Urdangarin erwägt Haftantritt in Badajoz

Nach dem Urteil: Königsschwager Urdangarin erwägt Haftantritt in Badajoz

Der Mann von Infantin Cristina wurde am Freitag (17.2.) zu sechs Jahren und drei Monaten verurteilt

Fall Nóos: Staatsanwalt beantragt Hafteinweisung von Königsschwager Urdangarin

Fall Nóos: Staatsanwalt beantragt Hafteinweisung von Königsschwager Urdangarin

In dem seit Monaten erwarteten Urteil vom Freitag (17.2.) wird Infantin Cristina freigesprochen....

Fall Nóos: Mallorca wartet auf Urteil gegen Königsschwester

Fall Nóos: Mallorca wartet auf Urteil gegen Königsschwester

Neben der Infantin Cristina saßen auch ihr Mann Iñaki Urdangarin und hochrangige ehemalige...

Bis zu 17 Grad am Samstag auf Mallorca

Bis zu 17 Grad am Samstag auf Mallorca

Das sind die Aussichten für das Wochenende

Einigung für Abriss von Hotel "Porto Petro"

Einigung für Abriss von Hotel "Porto Petro"

Auf dem Grunstück im gleichnamigen Küstenort sollen stattdessen ein Platz und Parkplätze entstehen

Empfohlene Links: Inselradio 95,8 | Mallorca mal 365 |