Wenn Mallorca-Flieger am Boden bleiben: Systemfehler im Flugbetrieb

14.09.2017 | 10:42

Wegen eines technischen Defekts muss ein Flugzeug am Boden bleiben, es gibt keine Ersatzteile vor Ort, eine andere Maschine ist nicht aufzutreiben – das Resultat dieser Aneinanderkettung von Umständen war am Wochenende die 50-stündige Verspätung einer Urlaubermaschine nach Deutschland. In Frankreich machen die Gewerkschaften gegen die Arbeitsmarktreformen von Präsident Emmanuel Macron mobil, die Fluglotsen schließen sich den Protesten an – 28 Mallorca-Flieger von Ryanair bleiben am Boden.

Nach etlichen strategischen Fehlentscheidungen, einem in den brandenburgischen Sand gesetzten Flughafenbau und vielen abenteuerlichen Rettungsversuchen geht Air Berlin in die Insolvenz – und plötzlich ist ungewiss, ob die Kunden ihre lange im Voraus geplanten Reisen auf die Insel oder anderswohin noch antreten können. Was dieser Tage im Fluggeschäft zu beobachten und zu erleiden ist, macht deutlich, wie labil das ganze System ist, wie wenig es braucht, um es außer Kraft zu setzen und eine Abwärtsspirale in Gang zu setzen, in der – Murphys Gesetz – alles, was schiefgehen kann, auch schiefgeht. Es ist ein von Algorithmen auf Kante genähtes System von einer kaum noch erfassbaren Komplexität, und es nicht verkehrt, sich dessen Fragilität gelegentlich vor Augen zu führen. Und sei es nur, weil das auch den Blick für die logistische Meisterleistung des Normalbetriebs schärft, wenn alles reibungslos funktioniert.

Kommt es nun zu einem (Teil-)Zusammenbruch, sind zunächst einmal die Fluggesellschaften gefragt, die sehr genau vorgegebenen Protokolle und Verbraucherschutzbestimmungen für Fluggäste einzuhalten. Wenn sie stattdessen auf Durchzug stellen und darauf warten, dass die Geschädigten ihre Rechte einklagen, ist das ein Skandal. Wenn hingegen die einzelnen Mitarbeiter vor Ort in solchen Situationen überfordert sind und Fehlentscheidungen treffen, ist das ebenfalls ärgerlich, aber häufig entschuldbar, schließlich sind auch sie nur kleine Rädchen im System – letztlich wie wir alle, die wir ja für möglichst wenig Geld möglichst weit und oft fliegen wollen.

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